Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Trumps klügster Kopf
Nachrichten Politik Trumps klügster Kopf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:41 29.11.2016
Jared Kushner (rechts) mit seinem Schwiegervater, dem designierten US-Präsidenten, Donald Trump. Der Schwiegersohn ist der allererste Einflüsterer Trumps. Quelle: afp
Anzeige
New York

Ohne diesen Mann hätte Donald Trump die Wahlen wohl nicht gewonnen: Jared Kushner, Schwiegersohn und allererster Einflüsterer des künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Mit seiner Ernennung zum Berater des Staatsoberhauptes zählt der 35-Jährige nun auch offiziell zu den wichtigsten Ansprechpartnern der neuen Administration.

Außerhalb von New York war Kushner bis zum vergangenen Sommer weitestgehend unbekannt. Der Sohn eines schwerreichen Immobilienunternehmers gilt zwar als erfolgreicher Geschäftsmann, der schon als junger Mann einen Wolkenkratzer unweit des „Trump Towers“ in Manhattan kaufte. Aber in der Öffentlichkeit hält sich der Absolvent der Eliteuniversität Harvard betont zurück. Im Gegensatz zu seiner Ehefrau Ivanka und seinem Schwiegervater scheut er das Rampenlicht, spricht ungewöhnlich leise und versteht es, die Strippen im Hintergrund zu ziehen. Nichtsdestotrotz gilt seine Beziehung zum baldigen Chef des Weißen Hauses als ungewöhnlich eng: Wie die „New York Times“ vermutet, soll Trump in seinem Schwiegersohn eine jüngere Version von sich selbst sehen.

Kushner-Vater bedeutender Geldgeber der Demokraten

Fest steht: Erste landesweite Aufmerksamkeit erzielte Kushner mit einem Kommentar, den er im Wahlkampf im „New York Observer“ abdrucken lässt - einer Wochenzeitung, die er vor zehn Jahren für etwa zehn Millionen Euro erworben hatte. In dem persönlich gehaltenen Text weist Kushner sämtliche Anschuldigungen zurück, dass sein Schwiegervater antisemitische und rechtsradikale Tendenzen schüren würde. Als Beweis dient ihm seine eigene Familiengeschichte: Kushner ist der Enkel von polnischen Holocaust-Überlebenden und praktiziert seinen jüdischen Glauben orthodox. Auf seinen Wunsch hin konvertierte Trumps Tochter zum Judentum, und gemeinsam würden sie ihre drei Kinder religiös erziehen. Freitagabends und sonnabends ist die Familie für niemanden zu erreichen - es herrscht Sabbatruhe. „Donald Trump“, sagt der Schwiegersohn, „würde Intoleranz und Antisemitismus niemals akzeptieren.“

Es ist nicht ganz einfach, den Spindoktor an Trumps Seite politisch einzuordnen. Ohnehin gilt das Ehepaar in Manhattan als „Power Couple“, das sich gern in links-liberalen Kreisen bewegt. Wie selbstverständlich zählt Hillary Clintons Tochter Chelsea zum engeren Bekanntenkreis der Familie. Und Kushners Vater galt der Demokratischen Partei über Jahre hinweg als ein so bedeutender Geldgeber, dass Bill Clinton sogar während seiner Amtszeit als Präsident die Immobilienfirma besuchte. Dennoch ist nicht eine einzige kritische Bemerkung Kushners über Trump bekannt. Gegenüber Vertrauten soll er lediglich gesagt haben, sich den Thesen des politischen Außenseiters mehr und mehr angenähert zu haben.

Das „Power Couple“ im Trump-Tower. Als Ivanka Trump (rechts) ihren Mann Quelle: afp

Republikaner rätseln über Motivation Kushners

Die Formulierung „Annäherung“ dürfte allerdings eine deutliche Untertreibung sein: Mehrere Wahlkampfreden stammen aus seiner Feder, und einige Strategiewechsel sollen auf seine Initiative zurückgehen. Vor allem die Auftritte vor jüdischen Lobbyorganisationen gelten als Erfolge, die Kushner einfädelte. Wie kein anderes Familienmitglied stand der junge Mann während der Wahlkampagne an Trumps Seite. Die diversen Ausfälle seines Schwiegervaters konnten ihn offenbar nicht erschüttern: Er arbeitete die Reiserouten aus, feilte an den Inhalten und organisierte vor allem den Wahlkampf in der digitalen Welt. Während sich Trump persönlich um den Kontakt zu den Fernseh- und Radiostationen kümmerte und seinen Twitter-Account fütterte, steuerte Kushner über eine texanische Agentur die Massen-E-Mails an die wachsende Fangemeinde und trug kräftig dazu bei, Spenden einzutreiben.

Während seine Loyalität zum Familienoberhaupt geradezu sprichwörtlich wurde, rätseln viele Parteifreunde nach wie vor über die eigentliche Motivation des eifrigen Wahlhelfers.

Familiendrama hat tiefe Spuren hinterlassen

Die Erklärung könnte in einer turbulenten Phase liegen, die der künftige Präsidenten-Berater zum Abschluss seines Studiums erlebte: Damals wurde sein Vater Charles illegaler Parteispenden an die Demokratische Partei überführt und wanderte für 14 Monate ins Gefängnis. Kurz bevor das Gericht sein Urteil fällte, hatte Charles Kushner seinen Schwager der Kooperation mit der Polizei verdächtigt und ließ ihn heimlich filmen, als er sich mit einer Prostituierten in einem Hotel traf. Das Video schickte Kushner Senior seiner Schwester zu, um sie zum Schweigen zu bringen. Anders als vom Firmenpatriarchen erwartet, rief die Schwester die Polizei zu Hilfe und brachte den Skandel an die Öffentlichkeit.

Das Familiendrama soll bei Kushner Junior tiefe Spuren hinterlassen haben. Entgegen seiner ursprünglichen Pläne schlug der junge Mann daraufhin keine Juristenlaufbahn im öffentlichen Dienst ein, sondern führte die Immobiliengeschäfte seines Vaters fort. Nach Einschätzung der „Washington Post“ verfolgt er seither sehr spezielle Ziele: Er habe nicht nur die Interessen seines Unternehmens im Sinn, sondern versuche vor allem, den guten Namen seiner Familie wiederherzustellen. Und so ganz nebenbei, heißt es, behält er auch denjenigen im Visier, der vor elf Jahren besonders hartnäckig gegen seinen Vater ermittelte: Chris Christie.

Steuerte Kushner Ausbootung von Charles Christie?

Der damalige Staatsanwalt und heutige Gouverneur von New Jersey galt über mehrere Wochen als aussichtsreicher Kandidat für einen Posten in Trumps Kabinett. Zur Überraschung vieler Beobachter wurde er nach dem Wahlsieg jedoch seines Postens als Chef des Übergangsteams enthoben. Über die Hintergründe der Degradierung schweigen sich alle Beteiligten aus. Trotz diverser Dementis gehen viele Beobachter aber davon aus, dass dieses Manöver von einer Person gesteuert wurde: Jared Kushner.

Von RND/Stefan Koch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach monatelangen Diskussionen hat das niederländische Abgeordnetenhaus ein Burka-Verbot beschlossen. Ganzkörperschleier und Gesichtsschleier dürften in öffentlichen Gebäuden nicht mehr getragen werden. Wann das Gesetz greift, ist noch unklar.

29.11.2016

Höhere Bußgelder für Verkehrssünder: Da sind sich die Innenminister der einzelnen Bundesländer einig. Aber eine Kopplung der Bußen ans Einkommen wird es so schnell wohl nicht geben. Das zeichnet sich bei der Innenministerkonferenz in Saarbrücken ab.

29.11.2016

Rainer Wendt ist Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Im RND-Interview spricht er über die Cyber-Attacke auf die Telekom und die fehlenden Investitionen in den Schutz sensibler Daten in Deutschland. Wendt ist sich sicher: Die Täter „wollen Geld erpressen, ganze Staaten destabilisieren und als Geisel nehmen“.

29.11.2016
Anzeige