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Nachrichten Politik Trumps infektiöse Ideologie
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16:51 19.06.2018
Donald Trump provoziert Europa nahezu täglich. Quelle: AP
Hannover

Das Leben mit US-Präsident Donald Trump lässt sich hervorragend mit einem Bonmot des Komikers Otto Waalkes zusammenfassen: „Und aus dem Chaos sprach eine Stimme zu mir: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen! Und ich lachte und war froh – denn es kam schlimmer.“

Machen wir uns nichts vor. Trump wird seinen national-egoistischen Kurs in den kommenden Monaten fortsetzen. Noch konsequenter, noch aggressiver, je näher die Halbzeitwahlen in den USA am 6. November rücken. America alone? Egal, das schreckt diesen Mann nicht. Sein Credo lautet: Muskeln sind wichtiger als Freunde.

Wie kommt Trump zu diesem Glauben? Wer den US-Präsidenten verstehen will, muss Ayn Rand lesen. Die Ideologie dieser von ultrakonservativen Amerikanern vergötterten Autorin und Philosophin lautet in drei Sätzen zusammengefasst: 1. Es gibt kein Gemeinwohl. 2. Egoismus ist eine Tugend. 3. Altruismus ist ein Übel, das Nationen zerstören kann.

Trump selbst sagte einmal, er identifiziere sich mit der Figur Howard Roark aus Rands Roman „Der ewige Quell“. ­Roark war von einem Bauprojekt besessen, doch als es nicht exakt seinen Vorstellungen entsprach, ließ er das Gebäude sprengen – ohne Rücksicht auf Verluste. Auch Trumps Außenminister Mike Pompeo und der ranghöchste Republikaner im Kongress, Paul Ryan, sind Rand-Gläubige.

Egoismus als Weg in die Zukunft: Diese Ideologie ist infektiös. Der Aufstieg nationalistischer Populisten in ganz Europa zeugt davon. Ist dieser neue Zeitgeist in Europa aufzuhalten? Einfach wird es nicht. Was wir dringend benötigen, ist ein überzeugender Gegenentwurf zu Rands Ideologie. Auf allen Ebenen. In unserem persönlichen Umfeld müssen wir damit aufhören, Menschen zu belächeln, die in ihrer Freizeit gemeinnützige Arbeit verrichten. In den Medien müssen wir damit aufhören, Egoisten wie Helden zu verehren. Und Europa muss endlich für alle sichtbar das Gemeinwohl zur Maxime seines Handelns machen. Europapolitiker, die nur die jeweiligen Vorteile der Gemeinschaft für ihre Klientel zu Hause herausstreichen wollen, überzeugen am Ende niemanden. Ein Europa der Egoisten wird untergehen.

Selbstverständlich muss ein wirtschaftlich so starker Staat wie Deutschland den schwächeren Mitgliedern der Europäischen Union helfen. Selbstverständlich muss Deutschland jetzt Frankreich auch in Fragen der Finanzpolitik entgegenkommen, um den Zentrifugalkräften in der Union entgegenzuwirken. Für Angela Merkel und Emmanuel Macron ist jetzt die Zeit gekommen, das Erbe von Helmut Kohl und François Mitterrand anzutreten, ein Europa des Miteinanders neu zu begründen. Nur ein solches Europa hat Ayn Rands Jüngern etwas entgegenzusetzen.

Von Wolfgang Büchner

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