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Politik Trump nennt Afrika-Staaten „Drecksloch-Länder“
Nachrichten Politik Trump nennt Afrika-Staaten „Drecksloch-Länder“
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06:54 12.01.2018
US-Präsident Donald Trump Quelle: AP
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Washington

Das Weiße Haus gab sich am Donnerstagabend keine Mühe, die Aussagen des Präsidenten abzustreiten: „Es gibt ja einige Politiker in Washington, die sich vor allem für andere Länder einsetzen“, sagte ein Sprecher. „Aber Präsident Trump wird immer für die Amerikaner kämpfen.“

Nach Angaben mehrerer Teilnehmer sprach Trump von Immigranten aus „shithole countries“ am Rande einer überparteilichen Debatte in seinem Büro. Die Senatoren Richard „Dick“ Durbin (Demokrat) und Lindsey Graham (Republikaner) hätten dem Chef des Weißen Hauses gerade die gegenwärtigen Programme erklärt, nach denen Menschen aus Katastrophengebieten in den Vereinigten Staaten um Aufnahme bitten können. Kaum kam die Sprache auf Länder wie Haiti, die von Erdbeben teilweise verwüstet wurden, soll es für Trump kein Halten mehr gegeben haben. Gegenüber der „New York Times“ und der „Washington Post“ zitierten mehrere Personen, die an dem Treffen teilgenommen hatten, den Präsidenten mit den Worten: „Warum kommen all diese Leute aus Haiti und den afrikanischen Staaten überhaupt in unserer Land?“

Es sind nicht die ersten rassistischen Ausfälle des Staatsoberhauptes. Bereits im vergangenen Jahr sorgte der 71-Jährige für Empörung, als er behauptete, „alle Menschen aus Haiti haben Aids“. Und mit Blick auf die Menschen in Nigeria sagte Trump: „Wenn diese Leute einmal Amerika sehen, kehren sie nie wieder in ihre Hütten zurück.“

Eingewanderte Mexikaner für Trump Vergewaltiger und Drogenhändler

Mia Love, die den Bundesstaat Utah im Repräsentantenhaus vertritt und deren familiären Wurzeln in Haiti liegen, zeigt sich empört: „Dieses Verhalten ist nicht hinnehmbar.“ Die Republikanerin verlangt von ihrem Parteifreund eine Entschuldigung - an die eigenen Landsleute und an all die Länder, die er als „shithole countries“ beleidigte. Und der Abgeordnete Cedric Richmond warf dem Präsidenten vor, dass sein Wahlmotto „Make America great again“ (Macht Amerika wieder großartig) tatsächlich meint: „Make America white again“ (Macht Amerika wieder weiß).

Die scharfe Kritik von Demokraten und Republikanern kommt nicht von ungefähr. Vor knapp einem Jahr, als ein Rechtsradikaler in Charlottsville eine Demonstratin mit dem Auto überfuhr und tötete, stellte Trump Neonazis und Bürgerrechtler auf eine Stufe. Und im Wahlkampf bezeichnete der New Yorker Geschäftsmann Einwanderer aus Mexiko als Vergewaltiger und Drogenhändler.

Trumps Nähe zu Rassisten ist in den USA hinlänglich bekannt. Als vor 30 Jahren eine bekannte New Yorkerin im Central Park vergewaltigt wurde und anschließend mehrere Schwarze und ein Mann aus Mittelamerika verhaftet wurden, schaltete Trump in den örtlichen Zeitungen ganzseitige Anzeige, um die Todesstrafe zu fordern. Die Verhafteten kamen ins Gefängnis - und wurden in den späten neunziger Jahren wieder entlassen, als ihre Unschuld bewiesen wurde. Hinreichend belegt ist auch der skandalöse Umgang seiner Firma mit afroamerikanischen Wohnungssuchenden: Mitte der siebziger Jahre hatte sich Trump vor Gericht zu verantworten, da farbige Interessenten in internen Dokumenten speziell gekennzeichnet wurden - um sie daran zu hindern, eine Wohnung in den Trump-Häusern zu mieten.

Dass die Aussagen des Präsidenten nicht nur rassistisch aufgeladen sind, sondern als rassistisch bezeichnet werden müssen, hob am Donnerstagabend auch Anderson Cooper hervor. Der renommierte CNN-Moderator sagt: „Die Haitianer haben eine Würde. Eine Würde, von der der Präsident mit all seinem Geld und all seinem Einfluss lernen könnte.“

Von Stefan Koch/RND

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