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Politik „Trump führt USA in eine Position der Schwäche“
Nachrichten Politik „Trump führt USA in eine Position der Schwäche“
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05:02 13.06.2018
CDU-Politiker Röttgen: „Für Kim war der Gipfel ein unglaublicher Achtungserfolg.“ Quelle: imago/Jürgen Heinrich

Herr Röttgen, war der Gipfel in Singapur nur Symbolpolitik mit unverbindlichen Ankündigungen oder am Ende doch ein echter Durchbruch?

Weder noch! Es ist sicherlich ein Fortschritt, von der Droh-Rhetorik der Vergangenheit zu einem Verhandlungsprozess zu kommen. Allerdings sind nur Ankündigungen erreicht worden, nicht mehr. Ich rechne nicht damit, dass Nordkorea sein Raketenprogramm rasch aufgeben wird. Dieses Treffen war für den nordkoreanischen Diktator ein unglaublicher Achtungserfolg…

Weil er ihn für seine Propaganda ausschlachten wird?

Kim ist von der USA und ihrem Präsidenten hofiert und aus der diplomatischen Isolierung herausgeführt worden, ohne irgendeine Leistung erbracht zu haben. Trump dagegen kündigt an, mit dem jahrzehntelangen Verbündeten Südkorea keine gemeinsamen Manöver mehr abzuhalten und die US-Truppen von dort womöglich abzuziehen. Trump hat seinem Prestigebedürfnis alles untergeordnet. Es war sein Wunsch, der Welt einen großen Erfolg zu präsentieren. Damit hat er die USA in eine Position der Schwäche geführt.

Welche gemeinsamen Interessen haben Trump und der nordkoreanische Diktator?

Kims Kalkül in den vergangenen Jahren war, die USA durch die Drohung mit interkontinentalen Nuklearwaffen zu zwingen, sich auf Verhandlungen einzulassen. Das hat er in vollem Umfang erreicht. Trump war in dieser Frage vor allem von seinem Narzissmus getrieben. Er wollte der Welt „einen großartigen Erfolg“ präsentieren, wie er selbst gesagt hat.

Legt Trump im Fall Nordkorea völlig andere Maßstäbe an als gegenüber Iran?

Die Aufkündigung des Iran-Abkommens und sein Vorgehen in der Nordkorea-Frage stehen völlig im Widerspruch zueinander. Durch das Iran-Abkommen ist für die Welt überprüfbar das Ende der Arbeiten an einer Atombombe erreicht worden. Nordkorea hat Trump in der Frage der Denuklearisierung nichts Konkretes zugesagt. Vor diesem Hintergrund ist sein Umgang mit dem Iran-Abkommen für mich umso unverständlicher.

Halten Sie einen Komplett-Rückzug der amerikanischen Truppen von der koreanischen Halbinsel für denkbar?

Vorhersagen sind schwierig, wenn man an Trumps Persönlichkeit denkt. Es wird sicherlich im US-Senat, im Repräsentantenhaus und im Außenministerium eine kritische Nachbetrachtung des Gipfels geben. Die Südkoreaner werden darauf dringen, die bisherigen Sicherheitsgarantien durch die USA zu erhalten.

Was ist jetzt nach diesem Gipfel das Gebot der Stunde für den Rest der Weltgemeinschaft?

Für den Rest der Weltgemeinschaft wird es nicht leicht, hier einzuwirken. Es geht jetzt erst einmal um bilaterale Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea. Die NATO-Verbündeten der Amerikaner sollten einfordern, dass es keine einseitigen Vorleistungen zulasten Südkoreas gibt und von nordkoreanischer Seite sichtbare Schritte der Abrüstung erfolgen.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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