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Politik Thomas de Maizière: „Ich war die Büro-Klammer, er der Scholzomat“
Nachrichten Politik Thomas de Maizière: „Ich war die Büro-Klammer, er der Scholzomat“
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17:29 13.02.2019
Olaf Scholz und Thomas de Maizière am Mittwoch in Berlin Quelle: Gregor Fischer/dpa
Berlin

Thomas de Maizière ist ein Meister der Disziplin und der Diskretion. Als der 65-Jährige seinen Platz als Bundesinnenminister für Horst Seehofer räumen musste, da ließ er das stillschweigend über sich ergehen. De Maizière verzichtete auf öffentliche Äußerungen, ignorierte Interview-Anfragen und konzentrierte sich, wie Ehefrau Martina sagte, auf die „Wiederherstellung der Alltagstauglichkeit“.

Ein knappes Jahr später kommt er nun mit einem Buch auf den Markt, das den spröden und damit für den CDU-Politiker symptomatischen Titel trägt: „Regieren“.

Am Mittwoch stellte er es vor, unterstützt von einem anderen Spröden der deutschen Politik, von Finanzminister Olaf Scholz (SPD). „Ich war die Büro-Klammer“, sagte de Maizière wahrheitsgemäß über die Etiketten für sich und seinen Nebenmann, „er war der Scholzomat.“ Scholz nannte de Maizière „einen ganz feinen Kerl“.

Lesen Sie auch über de Maizière: Wenn ein Ex-Minister neu lernen muss, einen Parkplatz zu suchen

De Maizière betrachtet Politik als Handwerk

Überwiegend geht es in dem Buch um das „Wie“ von Politik, das der Ex-Minister als Handwerk betrachtet, bei dem unterschiedliche Teile zusammen passen müssten. Dabei sang er ein „hohes Lied auf den Kompromiss, der die Dinge zusammen führt“.

Dem schloss sich Scholz an. Es gebe nämlich „das falsche Ideal eines richtigen Politikers“, sagte er. Der Anspruch an Politiker sei der größtmöglicher Kompromisslosigkeit, dem die Realität der Kompromisse gegenüber stehe.

Vom Lob des Kompromisses war es zum Lob der Volksparteien nicht weit. In der Stadt Berlin gebe es derzeit vier Parteien, die in den Umfragen jeweils bei etwa 20 Prozent rangierten, sagte de Maizière. Andernorts sehe es ähnlich aus. Dies erschwere die Regierungsbildung. Er hoffe darum auf die Sehnsucht der Bevölkerung nach politischen Kräften, die das Ganze im Blick hätten, sprich CDU und SPD.

Dem wollte Scholz als Mitglied einer noch viel mehr geschwächten Sozialdemokratie nicht widersprechen. Überhaupt erwiesen sich beide als die erwartet nüchternen Pragmatiker.

Der Name Seehofer bleibt ausgespart

Nahezu komplett ausgespart blieb der Name Seehofer – wenngleich sein Vorgänger im Ministeramt dessen Vorwurf, es habe in der so genannten Flüchtlingskrise eine von ihm mitverantwortete „Herrschaft des Unrechts“ existiert, im Buch als „ehrabschneidend“ zurück weist. Zwar sagte de Maizière, es gebe „natürlich auch Politiker-Verhalten, das nicht in Ordnung ist“. Wer wollte, der konnte das schon auf Seehofer beziehen.

Auf die direkte Frage nach der Vokabel „ehrabschneidend“ erwiderte de Maizière aber ganz am Schluss lediglich, das sei aus seiner Sicht ein ebenso hartes wie angemessenes Wort. Erklärungen, warum beide nicht Frieden geschlossen hätten, verweigerte er. Der Wahl-Sachse fügte bloß noch hinzu, dass man auf die „Flüchtlingskrise“ generell nicht genug vorbereitet gewesen sei und in ihrem Verlauf Stimmungen zu sehr überwogen hätten.

Nein, der Autor wollte über den Streit nicht sprechen; das war offenkundig. Lieber zeigte er sich erneut als Meister der Disziplin und der Diskretion.

Von Markus Decker/RND

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