Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Thailands König Bhumibol ist gestorben
Nachrichten Politik Thailands König Bhumibol ist gestorben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:10 13.10.2016
Thailands König Bhumibol Adulyadej und Königin Sirikit. Quelle: ROYAL HOUSEHOLD BUREAU
Bangkok

Die letzte Amtshandlung war die Unterschrift unter die Liste der diesjährigen Offiziersbeförderung von Thailands Streitkräften. Wenige Tage später starb König Bhumibol, der Welt längstamtierender Monarch, am Donnerstag im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit im Siriraj-Hospital von Thailands Hauptstadt Bangkok. Kaum einer der 66 Millionen Thailand kennt das Königreich ohne Bhumibol. Viele können sich das Land ohne den Monarchen kaum vorstellen.

Die längstamtierenden Monarchen der Welt

Das sind die Monarchen, die nach dem gerade verstorbenen König Bhumibol am längsten regieren.

– GROSSBRITANNIEN - Königin Elizabeth II. - 64 Jahre

– OMAN - Sultan Kabus - 46 Jahre

– DÄNEMARK - Königin Margrethe II. - 44 Jahre

– SCHWEDEN - König Carl XVI. Gustaf - 42 Jahre

BRUNEI - Sultan Hassanal Bolkiah - 32 Jahre

SWASILAND - König Mswati III. - 30 Jahre

Es entspricht seiner Regentschaft, dass die letzte Amtshandlung des Königs ausgerechnet den Streitkräften galt. Sie dienten dem Monarchen immer als unentbehrliche Stütze. Wann immer die Generäle mit einem Staatsstreich die Modernisierung des Landes unterbrachen, gab Bhumibol den Militärs grünes Licht.

In das Gedächtnis des südostasiatischen Königreichs grub der König sich freilich wegen einer mahnenden Geste aus dem Jahr 1992 ein. Mit erhobenem Zeigefinger wies er zwei Generäle zurecht, nachdem die Offiziere bei massiven Protesten über 100 Studenten massakriert hatten. Über den blutigen Zwischenfall wird heute in dem Königreich, das seit dem Jahr 2014 schon wieder von einer Militärjunta regiert wird, ebenso ungern geredet wie über ein ähnliches Massaker im Jahr 1976.

Nach einem Unfall machte er Sirikit noch im Krankenbett den Hof

Am 5. Dezember 1927 in Cambridge, Massachusetts (USA) geboren und mit dem Namen „Baby Songkla“ ins Geburtenregister eingetragen, deutete nichts in der ersten Lebensphase Bhumibols darauf hin, dass er Thailand länger als 70 Jahre im Namen seiner Chakri-Dynastie führen würde. Bhumibol ging in der Schweiz zur Schule, als ihn erstmals ein Schlag des Schicksal ereilte. Bei einem Autounfall auf einer der gebirgigen Straßen der Alpenrepublik kollidierte sein kleiner Fiat mit einem Lastwagen. Bhumibol verlor ein Auge. Die Verletzung hinderte den jungen Thailänder nicht daran, auf dem Krankenbett seiner späteren Ehefrau Sirikit den Hof zu machen.

Der junge König (Foto undatiert) empfängt Blumengirlanden aus der Hand von Dorfbewohnern. Quelle: Thai Royal Bureau

Doch entscheidend für das weitere Leben von Bhumibol wurde eine verhängnisvolle Nacht am 9. Juni 1946. Bhumibols älterer Bruder König Ananda Mahidol starb unter mysteriösen Umständen an den Folgen einer Schusswunde. Die offizielle Version, laut der es sich um einen selbstverschuldeten Unglücksfall handelte, wurde bald verworfen. Zwei Palastmitarbeiter wurden schließlich hingerichtet. Eine dritte Möglichkeit, wonach Bhumibol beim Spiel der Brüder mit Pistolen den tödlichen Schuss auslöste, wurde nie ernsthaft untersucht. Dabei hatten britische Ermittler herausgefunden, dass Bhumibol als letzter Besucher bei König Ananda war.

Blutiger Beginn seiner Amtszeit

Trotz des blutigen und mysteriösen Beginns seiner Amtszeit verhalfen Bhumibol und seine Ehefrau Sirikit in den ersten Jahrzehnten Thailands Monarchie zu neuer Blüte und neuem Respekt. Die offizielle Darstellung Thailands verherrlichte Bhumibol schon zu Lebzeiten als „König der Entwicklung“. Das südostasiatische Königreich wandelte sich unter dem Monarchen von einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft, in der im Jahr 1986 noch 67 Prozent der Bevölkerung in bitterer Armut lebte, zu einer 390 Milliarden US-Dollar schweren Wirtschaft mit einer Armutsrate von nur elf Prozent im Jahr 2014.

Eine Frau betet für die Genesung des hochverehrten Monarchen vor ihrem Laden in Bangkok. Quelle: dpa

Aus Bauern wurden ambitionierte Mittelklassebürger. Sie verlangen mehr politische Mitsprache, die ihnen von der militärischen und ökonomischen Elite rund um das Königshaus verwehrt wird. Zunehmend geriet dabei auch Crown Property in die Kritik. Das Unternehmen, dass die Besitztümer der Königsfamilie verwaltet und beispielsweise einen großen Anteil der Kempinksi-Hotelkette hält, wird auf rund 30 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der Konflikt dominierte die letzten zehn Jahre die Amtszeit von König Bhumibol. Royalisten und Sicherheitskräfte setzen dabei immer häufiger den drakonischen Paragrafen der Majestätsbeleidigung (Lese Majeste) ein.

Vorgeblich sollte die Königsfamilie gegen Kritik und Anfeindungen abgeschirmt werden. Tatsächlich geht es vor allem darum, Kritiker der immer noch bestehenden feudalen Strukturen mundtot zu machen. „Niemand in Thailand, die herrschende Elite und die Militärs eingeschlossen, besitzt ein großes Interesse an einer starken Monarchie“, beschrieb ein Diplomat in Bangkok die letzten Jahre unter König Bhumibol.

Bhumibol: Thailands König darf kritisiert werden, er ist ja ein Mensch

Der Monarch selbst stand manchen Veränderungen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Bei seiner berühmten Geburtstagsrede im Jahr 2005 erklärte Bhumibol, das Thailands König kritisiert werden dürfe. Er sei schließlich ein Mensch. Es war der geradezu revolutionäre Satz eines Monarchen, der bei seinem Amtsantritt im Jahr 1946 und der förmlichen Krönung im Mai 1950 gottähnlichen Status genoss.

Doch die Konflikte der vergangenen zehn Jahre haben den Ruf der Monarchie angekratzt. Experten wie Professor Titinan Pongsuttirak von der Chulalongkorn-Universität geben unumwunden zu: „Einer der Gründe für den Militärputsch des Jahres 2014 war der Wunsch, den Übergang zu kontrollieren.“ Denn im Zwielicht von König Bhumibol wurde immer deutlicher, dass Thailands Monarchie an einem neuen Problem leidet. Die Glaubwürdigkeit der Monarchie ist eng mit der Respektsperson Bhumibol verbunden.

Der wahrscheinliche Nachfolger gilt als Playboy

Bhumibols wahrscheinlicher Nachfolger, der 64jährige Kronprinz Maha Vajiralongkorn, eilte am Mittwoch aus seiner Villa am Starnberger See an das Todesbett seines Vaters im Siriraj-Krankenhaus von Bangkok. Dort traf er seine Schwester Prinzessin Sirindhorn, die in diesen Monaten viele politische zügel in den Händen hält. Auch die beiden anderen Töchter Bhumibols waren anwesend. Doch die Thailänder, die zu Tausenden vor dem Hospital auf Nachrichten warteten, hegen weitaus weniger Ehrfurcht für den alternden Thronfolger. Vajiralongkorn nutzte die vergangenen beiden Jahre, um seinen Anspruch auf das Amt zu untermauern.

Bhumibol und Sirikit 1955 mit ihren Kindern Prinzessin Ubol Ratana and Prinz Maha Vajiralongkorn, dem wahrscheinlichen Thronfolger. Quelle: AFP

Die massiven Vorsichtsmaßnahmen, die das Militärregime während der letzten Tage im Leben von König Bhumibol ergriff, zeigen, wie nervös Bangkoks Machthaber nach dem Tod des Monarchen sind. Mit der Rechtfertigung, es geben Terrorwarnungen, wurden die Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt verstärkt. Soldaten haben in der Hauptstadt Position bezogen. Jatuporn Pompran, ein Führer der oppositionellen „Union gegen Diktatur und für Demokratie“ (UDD) wanderte wegen angeblich „harscher Worte“ ins Gefängnis und wurde mundtot gemacht. Die Weichen für die Zukunft von Thailands Monarchie sind gestellt. Aber ihre Hüter fürchten nach dem Tod von Bhumibol um ihre Zukunft.

Von RND/Willi Germund

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Politik Jahresbericht Umweltbundesamt - Lifestyle auf Kosten der Natur

Geländewagen mit hohem Verbrauch oder mit Chemikalien behandelte Funktionsjacken: Das Umweltbundesamt kritisiert unnötigen Gebrauch von Outdoor-Produkten.

13.10.2016
Politik Reaktion auf Raketenangriffe - USA beschießen Huthi-Rebellen im Jemen

Die USA haben drei Radaranlagen der Huthi-Rebellen im Jemen zerstört. Der Angriff ist eine Reaktion auf zwei vorhergehende Raketenangriffe auf US-Marineschiffe.

13.10.2016

Der thailändische König Bhumibol liegt im Sterben – Tausende beten vor seinem Krankenhaus. Sein Tod könnte das Land in neue Unruhen stürzen.

13.10.2016