Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Terrorverdächtiger wollte offenbar IS-Geld erschleichen
Nachrichten Politik Terrorverdächtiger wollte offenbar IS-Geld erschleichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:15 03.01.2017
Am Montag wurde eine Pressekonferenz zur Festnahme des Terrorverdächtigen in Saarbrücken gehalten. Quelle: imago
Saarbrücken

Der wegen des Verdachts der Terrorismusfinanzierung in Saarbrücken inhaftierte Syrer sollte nach Ansicht seines Rechtsanwaltes bald wieder freigelassen werden. Er werde „in den nächsten Tagen eine Beschwerde gegen den Haftbefehl einlegen“, kündigte Marius Müller am Dienstag an.

Wegen Beleidigung schon 2015 vor Gericht

Ein Gericht in Saarbrücken hatte am Sonntag Untersuchungshaft gegen den 38 Jahre alten Asylbewerber angeordnet, weil dieser bei der islamistischen Terrormiliz IS um 180.000 Euro für Anschläge gebeten habe. In Hessen stand der Mann schon einmal vor Gericht.

Der Mann stellte laut Staatsanwaltschaft Saarbrücken im Januar 2015 in Gießen Asylantrag, bis August 2016 sei er dann in Frankenberg (Eder) (Landkreis Waldeck-Frankenberg) gemeldet gewesen, danach in Saarbrücken.

Nach Angaben der Marburger Staatsanwaltschaft ist der Syrer in der ersten Jahreshälfte 2016 wegen Beleidigung eines Mannes vom Amtsgericht Frankenberg (Eder) zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die Tat vom Februar 2016 hatte keinen politischen Bezug, sagte ein Sprecher der Behörde.

Am Montag hatte der Sprecher der Saarbrücker Staatsanwaltschaft, Christoph Rebmann, von einem Verfahren „unter dem Gesichtspunkt der Erpressung“ berichtet. Diese Information habe sich aber als falsch herausgestellt, sagte Rebmann am Dienstag.

Plan, um an „möglichst viel Geld zu kommen“

Anwalt Müller sagte, es gebe keine Beweise dafür, dass der Mann einen Anschlag geplant habe. Er habe dies dem IS „nur vorgegaukelt“, um an „möglichst viel Geld zu kommen“, sagte Müller. Angeblich habe er das Geld dem IS „abpressen“ wollen, unter anderem um seinen kranken Vater in Damaskus finanziell zu unterstützen. „Das war eine naive Idee“, sagte Müller, der zudem keine Fluchtgefahr seines Mandanten sieht.

Mit dem Geld hatte der 38-Jährige nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Saarbrücken Autos kaufen wollen, die mit Sprengstoff präpariert in Menschenmengen gefahren werden sollten. Die Überlegungen für Attacken in Berlin, München, Stuttgart, Dortmund und Essen seien aber nicht konkret gewesen, hieß es. In seiner Vernehmung hatte der Beschuldigte Kontakte zum IS eingeräumt, terroristische Absichten aber bestritten.

Syrer wurde über Facebook vom IS kontaktiert

Laut Müller kam der Syrer auf die Idee, nachdem er über eine Facebook-Seite unter anderem vom IS angeschrieben worden sei. Er habe schon länger Geldprobleme gehabt - und sei in der Hoffnung auf bessere Jobchancen als Friseur im August 2016 ins Saarland gekommen. Außer dem Chatverlauf auf seinem Handy und Aufzeichnungen auf einem Notizblock gebe es kein Beweismaterial, sagte Müller.

Der Saarbrücker Oberstaatsanwalt Rebmann ging am Dienstag davon aus, dass der Syrer weiter in Untersuchungshaft bleiben wird. „Man muss aber schauen, ob die Gerichte das halten werden.“ Es gebe bisher noch keine höchstrichterliche Rechtssprechung zu dem noch neuen Tatbestand der Terrorismusfinanzierung. Die Frage sei, wie man den Begriff des Einsammelns von Geldern für terroristische Aktivitäten auslege. „Wir sind der Ansicht, dass er auch diese vorbereitenden Handlungen abdeckt.“

Die Ermittlungen seien aufwendig und schwierig. „Auf die Schnelle“ werde man keine Informationen über mögliche Hintermänner bekommen. Nach Angaben von Anwalt Müller gibt es nach derzeitigem Stand keine: Der Syrer habe sich fünf angebliche Mittäter „nur ausgedacht“. Eine mögliche Rache des IS für das Geld habe er nicht befürchtet, da seine Familie in Damaskus lebe - das nicht vom IS kontrolliert werde.

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!