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Politik „Syrien gleicht der Hölle auf Erden“
Nachrichten Politik „Syrien gleicht der Hölle auf Erden“
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18:07 26.09.2016
Leben in Ruinen: In Aleppo sind weite Teile der Stadt zerstört. Dennoch leben dort noch mehr als 100.000 Kinder. Quelle: dpa
Köln

Als eine von wenigen Hilfsorganisationen ist Unicef noch in Syrien im Einsatz. Die Zustände vor Ort sind katastrophal, gleichen einem riesigen Inferno.

Ninja Charbonneau von Unicef. Quelle: Unicef

Ninja Charbonneau, Sprecherin von Unicef Deutschland, hat die Hoffnung auf ein Ende des Blutvergießens noch nicht aufgegeben, obwohl die Kämpfe, so berichten es Augenzeugen vor Ort, schlimmer als jemals zuvor sind.

Frau Charbonneau, wie ist aktuell die Lage in Aleppo?

Die Lage ist noch zusätzlich eskaliert. Mitarbeiter berichten, dass ein neues Maß an Brutalität erreicht wurde. Und der Bürgerkrieg, der bereits seit fünf Jahren tobt, ist sicher nicht brutalitätsarm. In der Zeit der kurzen Waffenruhe, auch wenn sie teils brüchig war, haben die Menschen vor Ort tatsächlich Hoffnung geschöpft. Sie haben sich die Situation zunutze gemacht und sind nach langer Zeit erstmals ohne Angst nach draußen gegangen, die Kinder haben beim Spielen vor der Tür frische Luft geatmet. In den letzten Tagen ist es durch die massiven Angriffe schlimmer als jemals zuvor.

Wie erleben Ihre Mitarbeiter die Lage vor Ort?

Diese Brutalität richtet sich gegen alles und jeden. Sie nimmt keine Rücksicht auf Zivilisten oder auf Kinder. Es handelt sich um dicht besiedelte Gebiete, die bombardiert werden. Im Ostteil von Aleppo gibt es keinen einzigen sicheren Ort. Eltern haben permanente Angst um ihre Kinder.

Die meisten haben Aleppo doch schon verlassen. Wer lebt noch dort?

Wir müssen davon ausgehen, dass diejenigen, die in der Stadt noch ausharren, die Ärmsten sind, die keine andere Wahl und nicht die Mittel hatten. Momentan ist es ohnehin nicht möglich, die Stadt zu verlassen. Wir gehen davon aus, dass mindestens 100.000 Kinder in diesem Inferno gefangen sind. Diese Vorstellung finde ich unerträglich.

Wieso bleibt Unicef anders als andere Hilfsorganisationen in diesem Gebiet?

Unsere Mitarbeiter sind im Westteil untergebracht, Sicherheit gibt es auch dort nicht. Unsere Kollegin Dr. Esraa Al-Khalaf berichtet, dass sie in Aleppo bliebe, weil sie die Kinder liebt und eine Verpflichtung ihnen gegenüber spürt. Das höre ich von vielen Kollegen. Sie wollen die Kinder nicht im Stich lassen. Wir wollen alles in unserer Macht stehende tun, um das Leid unter diesen extremen Bedingungen zumindest etwas zu lindern.

Haben Sie vergleichbares Leid wie in Aleppo erfahren?

Syrien gleicht der Hölle auf Erden, einem Inferno. Aleppo ist derzeit einer der schlimmsten und gefährlichen Orte der Welt, um Kind zu sein.

Wie erleben Sie die Diskussion der beteiligten Parteien? Woraus schöpfen Sie noch Hoffnung auf ein Ende des Krieges?

Schwierig. Für alle ist es eine unerträgliche Situation, zum einen dieses Leid zu sehen und zum anderen die Unfähigkeit der betroffenen Staaten zu einer Einigung zu kommen. Dennoch sind die UN bemüht und geben nicht auf, trotzdem noch Frieden zu vermitteln. Natürlich ist es furchtbar frustrierend, dass die Situation nicht vorankommt und die Waffenruhe gebrochen wurde. Dass es überhaupt eine Waffenruhe gegeben hat, zeigt, dass es nicht unmöglich ist, zu kleinen Fortschritten zu kommen. Und es gibt schlicht keine Alternative.

Von RND/Carsten Bergmann

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