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Politik Syrer fesselt Terrorverdächtigen von Chemnitz
Nachrichten Politik Syrer fesselt Terrorverdächtigen von Chemnitz
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11:48 10.10.2016
Der flüchtige Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr ist in der Nacht zum Montag in Leipzig festgenommen worden. Quelle: dpa
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Chemnitz

Zwei Tage nach dem brisanten Bombenfund in Chemnitz hat die Polizei den bundesweit gesuchten Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in Leipzig festgenommen. Die Festnahme des 22-jährigen mutmaßlichen Islamisten aus Syrien gelang in der Nacht zum Montag. „Wir sind geschafft, aber überglücklich“, schrieb die Polizei Sachsen am frühen Morgen auf Twitter.

Am Mittag soll der Verdächtige in Dresden einem Richter vorgeführt werden. Hintergrund sei ein bestehender Haftbefehl des Amtsgerichts in der Stadt, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Montag in Karlsruhe.

Polizei findet hochexplosiven Sprengstoff

Der als Flüchtling registrierte Mann hat nach bisherigen Ermittlungen einen Bombenanschlag vorbereitet. Bei einer Anti-Terror-Razzia hatte die Polizei mehrere hundert Gramm hochexplosiven Sprengstoff sichergestellt, auch ein möglicher Komplize wurde festgenommen.

Die Polizei fasste den 22-jährigen Syrer nach Informationen des „Spiegel“ um 0.42 Uhr in der Wohnung eines Landsmanns. Den habe Al-Bakr am Leipziger Hauptbahnhof angesprochen und gefragt, ob er bei ihm schlafen könne. Die „Bild“-Zeitung berichtet, Al-Bakr habe bereits am Mittag völlig aufgelöst zwei andere Syrer am Leipziger Bahnhof angesprochen. Wie er nach Leipzig kam, sei bisher unklar.

Der Syrer lud ihn zu sich nach Hause ein und informierte am Abend die Polizei, nachdem er von der Fahndung gehört hatte. Die Polizisten fanden Al-Bakr gefesselt in der Wohnung. Diese Informationen wurden auch der ARD aus Sicherheitskreisen bestätigt.

Hubschrauber kreisten über Paunsdorf

Wie Augenzeugen berichteten, war zu der Plattenbauwohnung in der Hartriegelstraße im Leipziger Stadtteil Paunsdorf ein Sondereinsatzkommando der Polizei angerückt. Beamte seien demnach mit gezückten Sturmgewehren durch die Büsche gelaufen, ein Hubschrauber habe über den Dächern gekreist. Mehr als zehn schwarze Geländewagen der Polizei seien vor Ort gewesen. Das berichtet die „Leipziger Volkszeitung“.

Bis Montagmorgen war das Haus in Paunsdorf noch von der Polizei abgesperrt. Beamte trugen mehrere Säcke, Taschen und einen Klappstuhl aus der Wohnung. Am Vormittag hob die Polizei die Sperrung vor dem Gebäude wieder auf.

Beamte tragen Beweismaterial aus der Leipziger Wohnung. Quelle: dpa

Polizei fahndete bundesweit nach Terrorverdächtigem

Bundesweit hatte die Polizei mit Hochdruck nach dem Verdächtigen gesucht, der Kontakte zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben soll. Die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen wurde verschärft.

Die Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Es wurde deshalb erwartet, dass der Verdächtige noch am Montag in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt wird.

Über mögliche Anschlagsziele wurde nichts bekannt. „Focus“-Informationen, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte, wurden von den Behörden nicht bestätigt.

Am Samstag war der Mann noch dem Zugriff in Chemnitz entkommen. Die Beamten gaben in dem Plattenbau-Viertel einen Warnschuss ab und sahen ihn auch, konnten ihn aber nicht fassen. Das Landeskriminalamt wies Vorwürfe zurück, es sei eine Panne passiert.

Polizei findet hochexplosiven Sprengstoff

In dem noch nicht geräumten Haus habe man zu Recht Sprengstoff vermutet, sagte ein LKA-Sprecher. „In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen.“

Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR fanden sich in der Chemnitzer Wohnung etwa 500 Gramm bereits gemischter Sprengstoff und etwa ein weiteres Kilo Chemikalien, die zum Bombenbau geeignet sind. Außerdem stellte die Polizei Zünder sicher und Teile, die nach erster Bewertung zur Herstellung von Rohrbomben gedient haben könnten. Dem Bericht zufolge stand der Syrer offenbar über das Internet in Verbindung mit dem IS, auch über ein mögliches Ziel war anscheinend schon diskutiert worden - die Rede war von Berliner Flughäfen.

In Chemnitz in Gewahrsam genommen und befragt wurde am Sonntag ein weiterer Mann, der Kontakt zu dem gesuchten Syrer gehabt haben soll, wie die Polizei zuvor mitteilte. Das Spezialeinsatzkommando hatte auch hier die Tür aufgesprengt.

Von RND/dpa/LVZ

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