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Politik Syrer feiern Festnahme von Dschaber al-Bakr
Nachrichten Politik Syrer feiern Festnahme von Dschaber al-Bakr
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08:44 11.10.2016
In einer Leipziger Wohnung wurde Dschaber al-Bakr festgenommen. Quelle: dpa
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Leipzig

Die Polizei würde die syrischen Flüchtlinge gerne aus der Öffentlichkeit heraushalten. Sollte Dschaber al-Bakr tatsächlich Verbindungen zum sogenannten Islamischen Staat (IS) haben, soll die Terrormiliz nicht wissen, von wem der 22-jährige Syrer überwältigt, gefesselt und der Polizei übergeben wurde. Deswegen machen die Behörden ein Geheimnis daraus, wer die Männer sind. Aber einer von ihnen ist nun doch an die Öffentlichkeit gegangen.

Er hat der „Bild“-Zeitung berichtet, dass Dschaber al-Bakr ihnen Geld versprach, wenn sie ihn gehen lassen und nicht der Polizei ausliefern. „Er bot uns 1000 Euro und 200 Dollar an, wenn wir ihn freilassen. Die hatte er in einem Rucksack, zusammen mit einem Messer.“ Sie hätten das Geld abgelehnt. „Ich bin Deutschland so dankbar, dass es uns aufgenommen hat. Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut!“

Terrorverdächtiger suchte Schlafplatz

Am späten Sonntagabend sei er deshalb zur Polizei gegangen. Dschaber al-Bakr habe gefesselt in der Wohnung gelegen, bewacht von einem anderen Syrer. Da er kaum deutsch spreche, habe er den Beamten ein Foto des Terrorverdächtigen gezeigt. Sie sollten schnell mitkommen, habe er den Beamten gesagt. Gegen 0:45 Uhr nahmen die Einsatzkräfte den gesuchten Tatverdächtigen fest.

Nach Angaben der syrischen Flüchtlinge war Dschaber al-Bakr auch schon seit Sonnabend in Leipzig. Er habe über ein Online-Netzwerk syrischer Flüchtlinge nach einem Schlafplatz in Leipzig gesucht. Der 22-Jährige habe geschrieben, er brauche dringend eine Unterkunft und befinde sich am Leipziger Hauptbahnhof, berichtete der Flüchtling, der seinen Landsmann später der Polizei übergab.

Dschaber al-Bakr im Schlaf überwältigt

„Wir sind dann hingefahren und haben ihn mitgenommen. Wir waren erst bei einem Freund in dessen Wohnung, haben dort Reis mit Lammfleisch gegessen. Dann sind wir zu einem anderen Kumpel gefahren, weil es dort mehr Platz gab. Dort hat der Terrorist übernachtet“, zitierte die „Bild“-Zeitung den Mann. Am Sonntag habe er Al-Bakr dann auf dessen Wunsch die Haare abgeschnitten.

Im Laufe des Tages sahen Mohammed A. und ein Freund den Schilderungen zufolge auf Facebook Fahndungsaufrufe nach dem flüchtigen Terroristen. Al-Bakr habe ihnen erzählt, er sei gerade erst aus Syrien angekommen, hätte in Leipzig Aussicht auf einen Job. Doch man habe ihm nicht mehr geglaubt.

Syrer feiern die Festnahme des Terrorverdächtigen

Als Al-Bakr sich am Sonntagabend wieder schlafen gelegt habe, hätten sie ein Foto von ihm auf Facebook gepostet und mit anderen Syrern diskutiert, ob er der gesuchte Terrorist sei. Dann hätten sie ihn mit mehreren Verlängerungskabeln gefesselt und die Polizei informiert.

Die Männer, die den Terrorverdächtigen überwältigt und der Polizei übergeben haben, werden nun von anderen syrischen Flüchtlingen gefeiert. Monis Bukhari schreibe auf seiner Facebook-Seite zum Beispiel, genauso müssten es Syrer in Deutschland machen, den Behörden bei der Sicherheit helfen, berichtet „Spiegel Online“.

„Tolle Nachricht“, jubeln die Betreiber der Facebook-Seite von „German Lifestyle GLS. „Wir(GLS) bedanken uns ganz herzlich bei der Polizei und bei unserem Landsmann. Wir sind von dem Krieg geflohen und wissen ganz genau, was es bedeutet, in einer unsicheren Lage zu leben.“ Die „Berliner Morgenpost“ zitierte Syrer aus Leipzig: „Jeder sollte in so einer Situation auch so handeln.“

Von RND/wer/dpa

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