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Nachrichten Politik Suche nach Atommüll-Endlager dauert zu lange
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20:05 07.01.2018
Die Suche nach einem geeigneten Endlager für den vielen Atommüll gestaltet sich schwierig – und zieht sich länger, als die Zwischenlager in Betrieb bleiben sollten.   Quelle: dpa-Zentralbild
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Berlin

 Nie wieder „Gorleben“, nie wieder Atompolitik gegen Bürger und Vernunft - das ist das Ziel der neu gestarteten Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Dass dieses wie vorgesehen bis 2050 gebaut wird, halten viele Experten indes für unrealistisch. Auch Wolfgang König, Chef des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit sieht das Vorhaben kritisch: „Bis 2031 soll ein Standort für ein Endlager gefunden werden. Dann muss diese Anlage geplant, genehmigt und gebaut werden.“ In dem Ziel, bis 2050 das Endlager fertigzustellen, sieht König eine Herausforderung, vor allem für die Zwischenlager. „Denn dort laufen ab Mitte der 2030er Jahre die Genehmigungen aus, die für 40 Jahre ausgestellt wurden.“ Das sei besonders als Signal, dass Zwischenlager keine verkappten Endlager sind, wichtig.

Terrorgefahr stellt Zwischenlager auf Probe

Neben der zeitlichen Herausforderung hätten auch immer mehr Zwischenlager mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu kämpfen. „Nach dem 11. September 2001 sind die Zwischenlager auf mein Betreiben hin auf Flugzeugabstürze geprüft worden“, sagt König. An allen Zwischenlagern hätte es in den vergangenen Jahren zusätzlich Maßnahmen gegeben, um der veränderten Einschätzung der Sicherheitslage gerecht zu werden  – etwa eine Verstärkung der Wachmannschaften, Nachhärtung der Gebäude oder höhere Mauern. Das Hauptaugenmerk der Verantwortlichen lege aber weiterhin auf einem Endlager mit bestmöglichen Sicherheitsstandards.

Diese Genehmigungen laufen vor 2050 aus:

Die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sucht seit September 2017 offiziell nach einem geeigneten Standort für das Endlager. Dabei sortieren die Experten zunächst mit Hilfe schon vorliegender Daten Regionen aus, die nicht in Frage kommen - etwa, weil Erdbebengefahr besteht oder viele Menschen dort wohnen. Dicht besiedelte Regionen scheiden ebenso aus wie Naturschutzgebiete und Zonen mit vulkanischen oder seismischen Aktivitäten. Auch Kulturdenkmäler sollen verschont werden. Anhand weiterer Kriterien werden dann theoretisch geeignete Standorte bestimmt. Es folgt eine Erkundung über Tage, dann unter Tage. Obwohl die endgültige Entscheidung erst in über zehn Jahren ansteht, sind bereits einige Standorte im Gespräch.

Die BGE prüft mehrere Möglichkeiten

Derzeit prüft die BGE in der kleinen Gemeinde Siek bei Hamburg, ob sich ein Salzstock in 800 Metern Tiefe als Endlager anbietet. „Konkret ist diese Gefahr jedoch noch nicht. Aber natürlich wollen wir hier weder ein Endlager für Atommüll noch die damit verbundenen Castor-Transporte“, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ den Sieker Bürgermeister Arnold Trenner (SPD).

In Morsleben hingegen gibt es bereits ein Lager, das zwar nicht als Endlager in Betracht gezogen wird – jedoch ist es fraglich, ob die bisher eingelagerten 37.000 Kubikmeter mit schwach- und mittelstrahlendem Müll noch einmal umgelagert werden sollen. Der einsturzgefährdete Komplex soll durch ein Salz-Betongemisch stabilisiert werden, was allerdings bedeutet, dass der Müll dann verschüttet wäre. Auch dazu laufen laut der BGE aktuell Versuche.

Neckarwestheimer glauben nicht an Umlagerung

Die Bürger in Neckarwestheim hingegen sollten sich eigentlich auf das Ende der Castortransporte und Angst vor Kernenergie freuen: Nach 2046 darf in dem Depot unter dem Verwaltungsgebäude des Nuklearkomplexes keiner der voraussichtlich 140 Castoren mehr stehen. Bürgermeister Jochen Winkler allerdings rechnet nicht mit einem zeitgerechten Ortswechsel. Die relativ guten Bedingungen in dem Gestein könnten zur Verlängerung der Übergangslösung beitragen: „Solange nichts passiert, stehen die Castoren gut hier.“ Deshalb fürchte er, dass die Beseitigung „auf die lange Bank geschoben wird.“

Die Endlagersuche wurde nach jahrelangen Diskussionen um den als Endlager geplanten niedersächsischen Salzstock Gorleben gestartet. Kritiker fürchten, dass es am Ende doch wieder auf das bekannte Atommülllager hinausläuft, in dem derzeit 113 Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll lagern.

Von RND/dpa/lf

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