Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Streit unter Salafisten ruft Polizei auf den Plan
Nachrichten Politik Streit unter Salafisten ruft Polizei auf den Plan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:40 26.04.2016
Hintergrund soll ein Streit über die Auslegung des Islams gewesen sein. Quelle: TeleNewsNetwork
Bremen

Ein Streit über die Auslegung des Korans unter Salafisten hat einen Polizei-Großeinsatz in Bremen ausgelöst. Unterstützt von Spezialkräften aus anderen Bundesländern durchsuchten die Beamten am Dienstag mehrere Wohnungen und Geschäfte in der Hansestadt.

Zuvor waren Hinweise eingegangen, dass zwei Menschen getötet werden sollen. Die Ermittler stellten die Identität von neun Verdächtigen fest, ließen sie danach aber laufen.

Für einen Haftbefehl reichten die Beweise nicht, sagte Staatsanwältin Petra Meyer. "Wir haben bisher nur einen Anfangsverdacht." Nach ersten Ermittlungen sollen im Zusammenhang mit dem Streit Ende der vergangenen Woche bereits zwei Salafisten verletzt worden sein. Ob es sich um dieselben handelt, die auch getötet werden sollten, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Die Ermittler hoffen, dass die beschlagnahmten Handys und Computer weitere Erkenntnisse bringen. Bei der Razzia stellten die Beamten außerdem Schreckschusswaffen, einen Elektroschocker, ein Messer und ein Beil sicher. Mehr als 200 Polizisten aus Bremen, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein waren dabei am frühen Morgen in mehreren Stadtteilen im Einsatz.

Drei Tage vor den Durchsuchungen waren bei der Polizei ein anonymer Anruf und eine anonyme E-Mail eingegangen, wonach die Beschuldigten geplant hätten, zwei Salafisten zu töten, die eine andere Auffassung vom Koran und dem Leben im Islam hätten als sie selbst. Die Ermittler konnten daraufhin einen Zeugen ausfindig machen. Die auf seinem Handy gespeicherten Nachrichten bestätigten den Verdacht.

Unter den Verdächtigen befindet sich auch ein vor kurzem aus der Haft entlassener Salafist. Dieser ist Mitgründer eines seit 2014 verbotenen "Kultur & Familien Vereins" (KuF). Ein Viertel der Vereinsmitglieder hatte sich nach Angaben von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Sechs von ihnen wurden bei Kämpfen in Syrien getötet. Nach dem Verbot unterwanderten KuF-Mitglieder einen anderen islamischen Verein, den Mäurer im Februar ebenfalls verbieten ließ.

Bremen gilt als eine Hochburg der Salafisten. Der Verfassungsschutz beziffert ihre Zahl bundesweit auf schätzungsweise 8650, in Bremen sollen es rund 360 sein. Die Anhänger der extrem konservativen islamistischen Strömung verfolgen das Ziel, einen Gottesstaat zu errichten. Sie sehen sich als Vertreter eines ursprünglichen Islams und richten ihr Leben strikt am Koran aus.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zehntausende Lehrstellen sind im vergangenen Jahr in Deutschland nicht vergeben worden. Die Zahl der gemeldeten unbesetzten betrieblichen Ausbildungsplätze habe 2015 mit rund 41.000 so hoch gelegen wie seit 1996 nicht mehr, berichtete die "Passauer Neue Presse".

26.04.2016

Im bayerischen Atomkraftwerk Gundremmingen ist ein Computervirus entdeckt worden. Die Schadsoftware sei bei der Vorbereitung der Revision in Block B aufgefallen, teilte das Kraftwerk mit.

25.04.2016

Ein gelungener Auftakt sieht anders aus. Erst im zweiten Wahlgang erreicht Ministerpräsident Haseloff die nötige Mehrheit. Damit ist Sachsen-Anhalt das erste Bundesland, in dem eine "Kenia"-Koalition regiert. Deutet der holprige Beginn bereits auf Probleme hin?

25.04.2016