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19:55 08.06.2017
Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: James Comey vor dem Senatsausschuss. Quelle: AP
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Hannover

„Wenn ein Gangster sie bedroht und sagt, ich hoffe, Sie geben mir ihr Portemonnaie, ist Hoffen wohl nicht das richtige Wort“: Kamala Harris, demokratische Senatorin aus Kalifornien traf humorvoll ins Schwarze. Zuvor hatten mehrere republikanische Abgeordnete sich an der Frage festgebissen, ob Präsident Trump bei seinen Vier-Augen-Treffen mit James Comey dem damaligen FBI-Chef denn befohlen habe, die Ermittlungen in der Russland-Affäre gegen den vormaligen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallen zu lassen. Trump habe ja nur gesagt, er hoffe das. Das sei schließlich keine Anordnung. Comey parierte diese Versuche, seine Aussage zu unterminieren, souverän, indem er darauf verwies, wenn der Präsident der USA einem Wunsch oder einer Hoffnung Ausdruck verleihe, dann habe er das als Weisung verstanden. Senatorin Harris führte mit ihrer sarkastischen Bemerkung die Bemühungen mancher Republikaner, Schaden von ihrem Präsidenten abzuwenden, ad absurdum.

Und Comeys Aussagen – unter Eid – waren die bisher stärksten Geschütze, die gegen Donald Trump aufgefahren wurden. Mehrfach betonte Comey, ganz sachlich und ruhig, der Präsident und sein Stab hätten schlicht gelogen. Unter anderem, was Comeys Amtsführung und die Reaktion des FBI auf seine Entlassung anbetraf. Und weil er auch gespürt habe, Trump würde über ihre Zweiertreffen die Unwahrheit sagen, habe er sich halt im Anschluss Notizen gemacht. Ein FBI-Chef, dessen Loyalität nur dem Gesetz gilt, nicht einem Einzelnen, und sei er noch so mächtig, Abgeordnete, die – auch unabhängig von ihren Parteipräferenzen –, akribisch auf der Suche nach der Wahrheit sind und dabei jeden Stein umdrehen ... Das ist Demokratie in ihrer nobelsten Ausprägung. Trump kann pöbeln, diffamieren und lügen wie er will, es wird ihm nicht gelingen, die amerikanische Rechts- und Werteordnung ins Wanken zu bringen. Die Unerschrockenheit des republikanischen Ex-FBI-Direktors ist nicht nur Ausdruck persönlichen Mutes, sondern eben auch das Produkt eines Systems, das bisher noch die schlimmsten Anfechtungen überstanden hat.

Scheinbar mühelos parierte Comey jede Frage – zu der Trump’schen Twitter-Drohung, Comey möge beten, es gäbe keine Sprachaufzeichnungen ihrer Gespräche erwiderte der: „Ach Gottchen, ich hoffe, es gibt diese Tonbandaufzeichnungen.“ Und selbst in einer für die USA so ernsten Situation wie dieser Anhörung bewies Comey noch typisch angelsächsischen Sinn für Humor. Frage des republikanischen Senator John Cornyn: „Wenn ein FBI-Mitarbeiter etwas Ungesetzliches vermutet, muss er darüber informieren?“ Antwort Comey: „Gute Frage, ob juristisch, weiß ich nicht, moralisch ja.“ Frage Cornyn: „Ist es in dem Kontext dann eine gute Idee, den FBI-Chef zu feuern, wenn er so etwas tut?“ Antwort Comey: „Ich nehme das nicht an. Aber ich bin in der Angelegenheit ja auch hoffnungslos parteiisch.“ Trumps Tage scheinen nach dem heutigen Tage mehr denn je gezählt.

Und der kommende Super Bowl muss sich schon sehr anstrengen, spannender zu werden als der Comey-Auftritt.

Von Daniel Killy/RND

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Diese Anhörung wird in die Geschichte eingehen. Ja, sagt der gefeuerte FBI-Chef James Comey, Donald Trump habe gehofft, er werde Ermittlungen gegen seinen Sicherheitsberater Mike Flynn fallenlassen. Ja, der Präsident der USA habe seine Loyalität eingefordert. Die US-Regierung: Lügner.

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