Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Sprachexperte: Obergrenzen-Debatte trägt zur Verrohung bei
Nachrichten Politik Sprachexperte: Obergrenzen-Debatte trägt zur Verrohung bei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 07.08.2016
Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch ist bekannt für seine Analysen der politischen Sprache. Quelle: Britta Pedersen
Berlin

Es stehe aber nicht tatsächlich zur Diskussion, dass die Bundesrepublik alle 70 Millionen Menschen auf der Flucht aufnehmen könnte. "Dieser Satz wird in den Diskurs gebracht, um zu behaupten, dass es bereits jetzt zu viele seien." Das aber bleibe unausgesprochen. "Auch das hat mit Verrohung zu tun."

Stefanowitsch ist bekannt für seine Analysen der politischen Sprache. "Wie die Leute privat reden, ist für Sprachwissenschaft schwer zu sehen", erklärte er. Das Internet gebe aber Einblicke; in den sozialen Medien seien viele Aussagen zwar sehr öffentlich. "Aber das scheint den Menschen oft nicht bewusst zu sein", sagte Stefanowitsch. "Sie verhalten sich häufig, als wären sie im Privatgespräch. Und mein Eindruck ist, dass Argumentationsmuster, die zunächst gar nicht wie Hassrede oder Verrohung erscheinen, zunehmen."

Ein Weg, der Verrohung in der Flüchtlingsdebatte zu entkommen, sei die Differenzierung. "Man muss darauf aufpassen, ob man zu sehr verallgemeinert oder Dinge sagt, die tatsächlich auf alle zutreffen", sagte Stefanowitsch. "Spreche ich gerade tatsächlich über die ganze Gruppe? Wenn nicht, dann kann ich ja genauer sein." Schreibe man Menschen-Gruppen ein bestimmtes Verhalten zu, so passiere es sehr schnell, die ganze Gruppe damit auch zu bewerten.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bundesjustizminister Heiko Maas will den Gesetzentwurf für einen Führerscheinentzug für Straftäter noch in diesem Jahr vorlegen. "Es gibt Fälle, etwa bei sehr wohlhabenden Straftätern, bei denen eine Geldstrafe keine Wirkung erzielt", sagte der SPD-Politiker dem "Spiegel".

06.08.2016

Für eine Abschiebung gewaltbereiter Flüchtlinge auch nach Syrien hat sich der Grünen-Politiker und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ausgesprochen.

Im Interview der "Stuttgarter Zeitung" sagte Palmer: "Es gibt Verhaltensweisen, die dazu führen, dass man sein Aufenthaltsrecht und Schutzbedürfnis verwirkt.

06.08.2016

Beim Amoklauf von München standen bei der Polizei die Telefone nicht still. Doch manch einer erlaubte sich nur einen Scherz. Solche Fehlalarme kosten die Beamten Zeit und Trittbrettfahrer Geld - wenn sie denn erwischt werden.

06.08.2016