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Politik So macht Matteo Salvini Schleichwerbung im Netz
Nachrichten Politik So macht Matteo Salvini Schleichwerbung im Netz
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16:02 23.12.2018
Matteo Salvini, Chef der rechtspopulistischen Lega, verbreitet im Netz häufig Bilder von seinen Speisen – nicht selten sind darauf die Namen der Hersteller zu erkennen. Zufall? Quelle: Luca Bruno/AP/dpa
Berlin

Matteo Salvini, Italiens Vize-Regierungschef, Innenminister und Chef der rechtsnationalen Lega, ist kein Mann der leisen Töne. Nicht, wenn es um Politik geht. Und auch nicht bei seinen Auftritten in sozialen Netzwerken. Salvini wettert dort gegen politische Gegner, macht Stimmung gegen Migranten, trommelt in eigener Sache – und er macht Werbung für kommerzielle Produkte. Diese Vermutung legen zumindest eine ganze Reihe an Beiträten auf Salvinis Profilseiten nahe. Denn auf den Accounts eines der mächtigsten Politiker Italiens tauchen immer wieder Werbebotschaften für Nudeln, Brotaufstrich oder Bier auf.

Die Reichweite von Salvinis Netz-Profilen können sich sehen lassen: Rund 940.000 Nutzer folgen dem Lega-Chef auf Twitter, rund eine Million Abonnenten hat er auf Instagram, gut 3,3 Millionen User gefällt seine Facebook-Seite (Stand. 23.12., gegen 14.30 Uhr). Auf Twitter klingen seine Botschaften beispielsweise so: „200 Gramm Bucatini-Nudeln von Barilla, ein bisschen Ragout von Star und ein Glas Barolo von Gianni Gagliardo. Geht direkt auf die Hüften! Schönen Nachmittag Freunde!“

Salvini hält grinsend eine Flasche Bier in die Kamera

An einem anderen Tag verbreitet Salvini auf Facebook diese Zeilen: „Ein Morgen voller Arbeit, Besprechungen und Entscheidungen im Ministerium, jetzt ist schon Mittagspause und die Frage kommt auf: Gibt es einen Teller Spaghetti mit Öl und Parmesan, mit Tomaten- oder Fleischsauce?“ Dazu hält Salvini grinsend eine Flasche Bier in die Kamera. Darauf deutlich zu erkennen: das Franziskaner-Etikett. Das Franziskaner-Weißbier kommt häufiger in seinen Web-Auftritten vor, wie auch der „Spiegel“ in einem Text über Salvinis Werbeaktionen in Netz schreibt. „Ich verstehe was von gutem Bier“, twitterte Salvini ganz unbescheiden dazu, „das ist das beste Weißbier Deutschlands und der Welt“.

Und seine Schleichwerbung schlägt Wellen: Rund 28.000-mal „Like“ bekommt der Franziskaner-Post. Immerhin 3700 Nutzern ist der Barilla-Tweet ein Herzchen wert. Und rund 15.800 Facebook-Nutzern gefällt es, wenn Salvini die rhetorische Frage stellt: „Wer mag keinen Nutella-Crepe? Guten Abend, Freunde!“

Ma a chi non piace la crêpe alla nutella??? 😋 Buona serata, Amici! #villaggiodinatale

Gepostet von Matteo Salvini am Samstag, 1. Dezember 2018

Bei häufig erwähnten Firmen nachgefragt

Zwischen Videos von TV-Auftritten des Vize-Premiers, verbalen Haken gegen kritische Presse oder Stimmungsmache gegen Seenoretter tauchen dann immer wieder „neutrale“ Fotos von Salvinis Speisen auf, auf denen keine Produktnamen zu sehen sind. Dennoch: Die expliziten Erwähnungen von Herstellermarken bleiben.

Die italienische Zeitung „La Repubblica nahm das zum Anlass, bei den besonders häufig erwähnten Firmen nachzufragen: beim Pasta-Hersteller Barilla, dem Nutella-Produzenten Ferrero und der Brauerei Heineken. Alle Unternehmen versicherten, weder Salvini noch die Partei Lega bekomme Geld oder sonstige Zuwendungen. Man wisse auch gar nicht, ob es zuträglich sei, dass der Rechtsaußen-Politiker ihre Produkte bewerbe. Das könne ja womöglich auch abschrecken.

Und Salvini selbst? „Keine Strategie“, sagt Matteo Salvini laut „Repubblica“ dazu – es sei sein Alltag, wie er ihn immer gezeigt habe. Laut dem Experten für politische Kommunikation, Filippo Sensi, auf den sich die italienische Zeitung ebenfalls bezieht, sei die erwünschte Botschaft an seine Anhänger: Ich esse wie du, ich bin genau wie du. Salvini versuche, die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen, indem er sich mit berühmten Marken zeige. Und: Er provoziere den „Truman Show Effekt“. In Peter Weirs Film zeigten die Schauspieler immer wieder Labels in die Kamera. Die Realität „auf die Spitze treiben“, nennt Sensi das.

Ancora in ufficio... Con buon senso e coerenza accordo raggiunto su manovra economica, taglio delle tasse, lavoro,...

Gepostet von Matteo Salvini am Sonntag, 16. Dezember 2018

Von RND/jw

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