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Skopje und Athen suchen Annäherung

Mazedonien-Streit Skopje und Athen suchen Annäherung

Mehrfach lieferten sich Griechenland und Mazedonien diplomatische Scharmützel. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Schließlich erhofft sich die Regierung in Skopje Unterstützung von Athen beim EU-Beitritt. Allerdings steht Ministerpräsident Tsipras unter Druck.

Der Sozialdemokrat und neue mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev will das Verhältnis zu Griechenland verbessern.

Quelle: dpa

Athen. Mangelnde Ausdauer kann man Matthew Nimetz nicht vorwerfen. Seit fast einem Vierteljahrhundert versucht der ehemalige US-Diplomat im Auftrag der Uno in einem Streit zu vermitteln, der für die Öffentlichkeit außerhalb der Balkanregion nur schwer zu verstehen ist. Dafür beschäftigt er die internationale Diplomatie umso mehr. Denn die Kontroverse um den Namen der früheren jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien hat eine weit über die Region hinausgehende geopolitische Dimension. Nimetz ist mittlerweile 78 Jahre alt, aber jetzt wähnt er sich bei seiner Vermittlungsmission ganz nah am Ziel: Die Regierungen in Skopje und Athen scheinen endlich bereit, den Konflikt beizulegen.

UN-Vermittler Matthew Nimetz treibt den Ausgleich zwischen Griechenland und Mazedonien voran

UN-Vermittler Matthew Nimetz treibt den Ausgleich zwischen Griechenland und Mazedonien voran. Athen erkennt den Nachbarstaat bisher nur unter dem Namen „Frühere jugoslawische Republik Mazedonien“ (Fyrom) an.

Quelle: ANA-MPAANA-MPA

Mazedonische Nationalisten provozierten immer wieder

Der Streit begann 1991, als sich die Teilrepublik aus dem zerfallenden Jugoslawien löste und ihre Unabhängigkeit ausrief - unter dem Namen „Republik Mazedonien“. Das löste in Athen heftigen Widerspruch aus. Die Griechen sahen darin Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien und ihr kulturelles Erbe. Die Nachbarn im Norden schürten diese Ängste. Mazedonische Ultra-Nationalisten brachten Landkarten in Umlauf, auf denen sie große Teile Griechenlands bis hinunter nach Thessalien einem künftigen „Groß-Mazedonien“ einverleibten. Auch mit ihrem Anspruch, die alleinigen Nachfahren Alexanders des Großen zu sein, brachten sie die Griechen in Rage. Im ganzen Land errichteten sie Alexander-Standbilder, benannten Autobahnen und Flughäfen nach ihm. Auch andere Helden der griechischen Antike und sogar den Philosophen Aristoteles reklamierten die Mazedonier als ihre Ahnen.

1993 stimmte Griechenland zwar der Aufnahme des Nachbarlandes unter dem Namen „Frühere jugoslawische Republik Mazedonien“ (Fyrom) in die Uno zu, aber nur als Übergangslösung. Mit einem Wirtschaftsembargo versuchte 1994 der damalige griechische Premierminister Andreas Papandreou, die Regierung in Skopje in die Knie zu zwingen. Doch die Fronten verhärteten sich immer mehr.

Erschwert wurde eine Lösung auch durch die ständigen Machtkämpfe und innenpolitischen Krisen in Skopje. Seit 2005 blockiert Athen die Aufnahme der Nachbarn in die Nato und deren Beitritt zur EU. Mit der Ablösung des national-konservativen Regierungschefs Nikola Gruevski durch den Sozialdemokraten Zoran Zaev im vergangenen Mai kam Bewegung in den festgefahrenen Namensstreit. Zaev kam jetzt zu Neujahr ins nordgriechische Thessaloniki, auf Einladung des dortigen Bürgermeisters Giannis Boutaris. Die Mazedonier brauchen gute Beziehungen zu Griechenland, nicht nur wegen des angestrebten Beitritts zur EU und zur Nato. Sie wickeln auch einen Großteil ihres Außenhandels über den Hafen Thessaloniki ab.

Zoran Zaev (l) steht vor der Aufgabe, Mazedonien in die EU zu führen

Zoran Zaev (l) steht vor der Aufgabe, Mazedonien in die EU zu führen. Bisher blockierte Griechenland aber die Aufnahme.

Quelle: AP

Im Juni soll Mazedonien der Nato beitreten

Vermittler Nimetz drängt: Der Streit „kann und muss 2018 gelöst werden“. Noch im Januar oder Februar will Nimetz eine Konferenz in New York ansetzen, von der er sich einen Durchbruch erhofft. Der griechische Premier Alexis Tsipras steht in der Namensfrage unter großem Druck der USA und anderer Nato-Partner: Im Juni soll Mazedonien in die Allianz aufgenommen werden. Davon verspricht man sich eine Stabilisierung des unruhigen Balkans.

Außerdem soll Mazedonien an den Westen gebunden und der Einfluss Moskaus in der Region, der unter der Willkürherrschaft des prorussischen Premiers Gruevski stark gewachsen war, zurückgedrängt werden. Voraussetzung dafür ist eine Beilegung des Namensstreits. Die Frage entzweit allerdings die Athener Koalition. Tsipras‘ rechtspopulistischer Partner Panos Kammenos will keinem Namen zustimmen, der das Wort Mazedonien oder Ableitungen davon enthält. Tsipras wird also im Parlament auf Unterstützung aus den Reihen der Opposition angewiesen sein.

Ob man sich nun auf Neu-, Ober- oder Nordmazedonien als neuen Staatsnamen einigen wird: Im internationalen Sprachgebrauch hat sich längst „Mazedonien“ eingebürgert, auch wenn das Land in der Uno und der EU auf Druck der Griechen offiziell als „Fyrom“ firmiert. Die Griechen sprechen von den Nachbarn, etwas herablassend, als „Skopianer“. Daran wird sich wohl auch nach einer Lösung des Namensstreits nichts ändern.

Von Gerd Höhler/RND

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