Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik „Situation bei den Lehrkräften noch nie so angespannt wie jetzt“
Nachrichten Politik „Situation bei den Lehrkräften noch nie so angespannt wie jetzt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 22.10.2017
Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Die meisten EU-Länder investierten weitaus mehr in Universitäten, Schulen und Kitas als Deutschland, moniert die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe – und warnt im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor Konsequenzen.

Frau Tepe, derzeit wird die Bundesregierung neu gebildet. Welche politische Konstellation wäre Ihnen als Gewerkschaftsvorsitzende am liebsten?

Alle Parteien versprechen ja, in Bildung zu investieren. Die Frage ist nur, was sie davon tatsächlich umsetzen. Auf jeden Fall brauchen wir viel mehr Geld, um das Recht auf Bildung für alle Menschen zu verwirklichen. Dafür muss das Kooperationsverbot, heißt, dass der Bund kaum Einfluss auf die Schulpolitik der Länder hat, endlich komplett fallen, egal wie die Regierung künftig aussieht.

Was heißt mehr Geld?

Bei den Bildungsausgaben gehört Deutschland zu den Schlusslichtern Europas. Die meisten EU-Länder investieren weitaus mehr in Universitäten, Schulen und Kitas. Hierzulande sind es 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, der OECD-Durchschnitt liegt bei 5,2 Prozent. Allein um dorthin zu kommen, bräuchten wir 26 Milliarden Euro mehr – pro Jahr. Wollen wir zu den fünf besten OECD-Ländern aufschließen, wären 50 Milliarden per anno zusätzlich nötig.

Angesichts von Überlegungen etwa seitens der FDP, die Steuern zu senken, klingt die Summe unrealistisch …

Das mag den Anschein haben. Doch wir brauchen dringend einen Kurswechsel in der Steuerpolitik. Ohne Investitionen gibt es einen bildungspolitischen Zusammenbruch.

Käme es Ihnen entgegen, wenn das Bildungsministerium von den Grünen, die viel Geld für das Thema versprechen, besetzt werden würde?

Natürlich ist die Besetzung des Bildungsministeriums sehr wichtig, wir brauchen aber ebenso einen sehr guten Draht ins Finanzministerium. Tatsächlich haben wir zu den Grünen gute Kontakte.

Was, wenn Sie nicht gehört werden?

Dann braut sich etwas zusammen, die Politik kann sich da auf einiges gefasst machen. Auch Eltern und Wirtschaft werden dann wohl sehr deutlich gegen den Bildungsnotstand protestieren.

Wofür muss am dringendsten Geld ausgegeben werden?

Ohne große Gesetzesänderungen müssen die maroden Schul- und Universitätsgebäude saniert und es muss in Neubauten investiert werden. Der exorbitante Fachkräftemangel insbesondere an Schulen und in Kitas ist ein drängendes Problem. Wichtig sind die Umsetzung der Inklusion und die Integration von Flüchtlingskindern. An den Hochschulen müssen das Befristungsunwesen eingedämmt und 50.000 Dauerstellen für Daueraufgaben geschaffen werden. In die allgemeine Weiterbildung muss endlich ein Prozent des Bildungsbudgets der Länder fließen.

Und man braucht Lehrer.

Ja, die Personalsituation bei den Lehrkräften war noch nie so angespannt wie jetzt, die Last der Kollegien in den Schulen steigt stetig. Der Beruf muss wieder attraktiver werden. Dazu gehören eine gleiche Bezahlung für alle voll ausgebildeten Lehrkräfte, egal ob jemand am Gymnasium oder an der Grundschule unterrichtet. Der Lehrermangel ist insbesondere in den Grundschulen sehr dramatisch. Dabei kommt es auf den Anfang des Lernprozesses der Kinder besonders an.

Von Heike Manssen/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die katalanische Krise spitzt sich weiter zu. Die spanische Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat beschlossen, den Senat um die Absetzung sämtlicher Minister der katalanischen Regionalregierung zu bitten.

23.10.2017

Alles begann mit dem Hashtag #MeToo. In Deutschland zieht sich die Sexismus-Debatte inzwischen bis in die SPD-Spitze. Familienministerin Katarina Barley und Fraktionschefin Andrea Nahles berichten von ihren Erfahrungen.

22.10.2017

Vier Elitesoldaten der US-Armee verloren Anfang Oktober in Niger ihr Leben. Trotz mehrfacher Aufforderungen durch den Kongress legte das Pentagon bisher keinen vollständigen Bericht zur Tragödie vor. Aus gutem Grund: Das Unglück steht offenbar in einem direkten Zusammenhang mit der leichtfertigen Außenpolitik des Präsidenten.

22.10.2017
Anzeige