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Politik Sellering tritt zurück – Schwesig soll folgen
Nachrichten Politik Sellering tritt zurück – Schwesig soll folgen
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14:31 30.05.2017
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ist von all seinen Ämtern zurückgetreten. Als Nachfolgerin schlägt er Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig vor. Quelle: dpa
Schwerin

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsident Erwin Sellering tritt aus gesundheitlichen Gründen von all seinen Ämtern zurück. Er habe Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig als Nachfolgerin für beide Ämter vorgeschlagen. Das teilten der SPD-Landesverband und die Staatskanzlei am Dienstag in Schwerin mit. Grund sei eine vor kurzem diagnostizierte Krebserkrankung, heißt es in einer Pressemitteilung der Landesregierung.

Mehr zum Rücktritt von Erwin Sellering

Alle Informationen rund um den Rücktritt des Ministerpräsidenten finden Sie hier:

Reaktionen auf Sellerings Rücktritt

SPD-Landesspitze einhellig für Schwesig

Bei Sellering sei „völlig überraschend eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung festgestellt worden“, erklärte er in einer Mitteilung. Diese Diagnose erfordere umgehend eine massive Therapie. „Ich werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das objektiv notwendig ist und meinem Anspruch an mich selbst entspricht.“

So erklärte Sellering seinen Rücktritt

Ministerpräsident Erwin Sellering hat am Dienstag zu Beginn der Kabinettssitzung seinen Rückzug vom Amt des Ministerpräsidenten angekündigt.

Er erklärte dazu: „Bei mir ist vor einigen Tagen völlig überraschend eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung festgestellt worden, die umgehend eine massive Therapie erfordert. Ich werde deshalb nicht mehr in der Lage sein, das Amt des Ministerpräsidenten so auszufüllen, wie das objektiv notwendig ist und meinem Anspruch an mich selbst entspricht.

Nach fast neun Jahren als Ministerpräsident scheide ich mit großer Dankbarkeit aus diesem Amt, das es mir ermöglicht hat, einen Beitrag für eine gute Zukunft unseres Landes zu leisten. Das Land hat an Wirtschaftskraft gewonnen. Die Arbeitslosigkeit ist spürbar zurückgegangen. Wir haben wichtige Verbesserungen für Familien und Kinder erzielt. Und wir haben es geschafft, die Verschuldung des Landes abzubauen.

Mir persönlich war immer sehr wichtig, für mehr Respekt vor ostdeutschen Lebensleistungen einzutreten. Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen im Land, die mit großem Einsatz so positiv daran mitgewirkt haben, dass sich unser schönes Mecklenburg-Vorpommern so gut entwickelt hat. Wir können alle zusammen sehr stolz auf das sein, was wir gemeinsam erreicht haben.

Die Medien bitte ich, den weiteren Krankheitsverlauf als Privatsache zu respektieren und von Anfragen abzusehen.“

Schulz lobt politisches und menschliches Engagement

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz lobte am Dienstag Sellerings außergewöhnliches politisches und menschliches Engagement: Sellering sei ein außergewöhnlicher Mensch mit außerordentlicher Nähe zu den Bürgern Mecklenburg-Vorpommerns. „Ich weiß, dass ihm diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist – im Gegenteil. So wie er Respekt vor Sellering als Politiker habe, habe er auch Respekt vor ihm als Mensch. Wir drücken ihm die Daumen, dass der schwere Kampf, den er jetzt aufgenommen hat, erfolgreich sein wird.“

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley soll neue Bundesfamilienministerin werden. Barley solle Manuela Schwesig nachfolgen, die Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern werden soll, hieß es am Dienstag in SPD-Kreisen. Die Entscheidung über das Ministeramt soll noch im Laufe des Tages bekanntgegeben werden.

Sollte Barley die Gelegenheit wahrnehmen, Ministerin zu werden, muss SPD-Chef Martin Schulz einen neuen Generalsekretär finden. Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass Hubertus Heil den Job übernehmen soll. Heil war schon einmal Generalsekretär der SPD.

„Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen im Land“

Sellering war nach der Landtagswahl im vorigen September für eine dritte Amtszeit an die Spitze der SPD/CDU-Koalition gewählt worden. Erst Mitte Mai wurde der 67-Jährige auf einem Parteitag in Rostock als Landesvorsitzender bestätigt.

„Nach fast neun Jahren als Ministerpräsident scheide ich mit großer Dankbarkeit aus diesem Amt, das es mir ermöglicht hat, einen Beitrag für eine gute Zukunft unseres Landes zu leisten“, betonte er. Persönlich sei es ihm immer sehr wichtig gewesen, für mehr Respekt vor ostdeutschen Lebensleistungen einzutreten. „Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen im Land, die mit großem Einsatz so positiv daran mitgewirkt haben, dass sich unser schönes Mecklenburg-Vorpommern so gut entwickelt hat“, sagte Sellering.

Was ist Lymphdrüsenkrebs?

Lymphdrüsenkrebs ist eine bösartige Erkrankung des Lymphsystems, eines wichtigen Teils der körpereigenen Abwehr. Es besteht aus Organen wie Milz und Knochenmark sowie den Lymphgefäßen und -knoten. Typische Symptome der Erkrankung sind geschwollene Lymphknoten, Fieber, Gewichtsverlust und nächtliches Schwitzen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Wie der Krebs therapiert wird, hängt vom Typ und vom Stadium ab - ebenso wie die Überlebensaussichten. Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose meist. Oft kommt eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung zum Einsatz, mitunter zusätzlich eine Antikörpertherapie.

Bei den meisten Fällen von Lymphdrüsenkrebs handelt es sich um ein sogenannte Non-Hodgkin-Lymphome. Diese umfassen eine Gruppe sehr verschiedener Erkrankungen, deren Heilungsaussichten sich stark unterscheiden.

Von RND/dpa/are