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Politik Schwere Ausschreitungen auf Lesbos
Nachrichten Politik Schwere Ausschreitungen auf Lesbos
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16:02 23.04.2018
Dutzende Menschen wurden bei den Unruhen in den Gassen der Altstadt von Mytilini verletzt. Quelle: imago/ZUMA Press
Athen

Es brodelte auf der Insel Lesbos, seit Anfang vergangener Woche etwa 200 Flüchtlinge aus Afghanistan auf der Platia Sappho, dem größten Platz der Inselhauptstadt Mytilini, Campingzelte aufgeschlagen hatten. Die Flüchtlinge, unter ihnen Frauen und Kinder, wollten damit gegen die Überfüllung der offiziellen Aufnahmelager protestieren. Am Sonntagabend entluden sich die Spannungen.

Mehrere hundert aufgebrachte Bürger, an ihrer Spitze nach Augenzeugenberichten bekannte Anhänger der griechischen Neonazi-Partei Goldene Morgenröte, marschierten auf den Platz, um die Flüchtlinge zu vertreiben. Sie riefen: „Verbrennt sie lebendig!“

15.600 Migranten und Flüchtlinge leben auf Lesbos

Die Angreifer warfen Steine und Flaschen, schossen Feuerwerkskörper auf die Flüchtlinge ab. Männliche Flüchtlinge bildeten einen Kreis um das Lager, um Frauen und Kinder zu schützen. Sie wurden von Gegendemonstranten aus der Bevölkerung unterstützt. Die Polizei versuchte mit Tränengas, die mit Knüppeln bewaffneten Angreifer fernzuhalten. Im Laufe der Nacht breiteten sich die Straßenschlachten immer weiter aus, in die Gassen der Altstadt von Mytilini, bis vor das historische Rathaus der Stadt. Dutzende Menschen wurden bei den Unruhen verletzt.

Männliche Flüchtlinge bildeten einen Kreis um das Lager, um Frauen und Kinder zu schützen. Quelle: imago stock&people

Die Demonstranten errichteten Barrikaden aus brennenden Müllcontainern. Als klar wurde, dass die Polizei die Sicherheit der Flüchtlinge in der Stadt nicht mehr garantieren konnte, brachte sie die Menschen am Montagmorgen gegen 5.30 Uhr mit mehreren Bussen ins Lager Moria. Starke Polizeikräfte zogen vor dem Lager auf, um mögliche Angreifer abzuwehren.

Das Camp Moria, etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt, ist ein Brennpunkt der Flüchtlingskrise. Griechenlands größtes Registrierungslager bietet in Containern Schlafplätze für 3000 Menschen, beherbergt aber nach offiziellen Angaben aktuell rund 3600 Bewohner. Insgesamt halten sich auf den griechischen Ägäisinseln rund 15.600 Migranten und Flüchtlinge auf, die dort auf eine Entscheidung über ihre Asylanträge warten.

Die Lager verfügen aber nur über eine Kapazität von 8900 Plätzen. Die Überfüllung ist vor allem eine Folge der schleppenden Asylverfahren, die sich in Griechenland über Jahre hinziehen können.

De Zahl der Flüchtlinge steigt wieder an

Die Athener Regierung kommt in der Flüchtlingspolitik unter wachsenden Druck. Der Flüchtlingspakt, den die Europäische Union im März 2016 mit der Türkei schloss, hat zwar zu einem deutlichen Rückgang der Neunankünfte geführt. Kamen 2015 noch 856.723 Menschen von der türkischen Küste zu den griechischen Inseln, waren es 2017 nur noch 29.718.

Aber seit einigen Monaten steigen die Flüchtlingszahlen in Griechenland wieder an. Zwischen dem 1. Januar und dem 16. April kamen 7145 Schutzsuchende aus der Türkei zu den Ägäisinseln, eine Zunahme von mehr als 30 Prozent gegenüber 2017.

Von Gerd Höhler/RND

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