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Politik Sankt-Martins-Umzug fällt wegen Pegida aus
Nachrichten Politik Sankt-Martins-Umzug fällt wegen Pegida aus
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20:31 11.11.2016
Pegida-Demo (Symbolbild). Quelle: dpa
Fürth

Wegen einer Pegida-Kundgebung müssen Kinder in Fürth auf den Sankt-Martins-Umzug am Freitag verzichten. Dabei hatten die Veranstalter – eine Kirchengemeinde und Kindertagesstätten – den Laternenumzug zuerst angemeldet. Aber die Stadt genehmigte auf der Route auch eine Pegida-Demo. Ein Zusammentreffen mit den Rechtspopulisten soll den Kindern aber erspart bleiben.

Pegida stellte ihren Umzug am Freitag unter das Motto „St. Martin und seine Bedeutung“. Die Demonstration sei angemeldet worden, „weil wir Traditionen wie St. Martin auch in Zukunft sichern wollen“, sagte Pegida-Vertreter Gernot Tegetmeyer und gab die Schuld für den ausgefallenen Umzug der Stadtverwaltung. Diese übernahm auch die Verantwortung: Die Stadt bedauere den Fehler, sagte eine Sprecherin.

Ursprünglich sollte die Pegida-Kundgebung, wie zuvor bereits mehrmals geschehen, am Bahnhofplatz stattfinden. Um den dortigen Einzelhandel und die Gastronomie nicht erneut durch großräumige Absperrungen zu belasten, einigte sich die Stadt mit den Pegida-Vertretern auf eine Ausweichroute. Dabei hatte das Ordnungsamt nach Angaben der Sprecherin den Laternenumzug nicht mehr im Blick.

Pegida-Kritiker spotten

Die neue Route führt ausgerechnet auf den Platz mit dem geplanten Sankt-Martins-Umzug. Den Verantwortlichen der Krippe war jedoch die Konfrontation von Pegida-Anhängern und Gegendemonstranten zu gefährlich. Es werde versucht, mit der Polizei und Vertretern der Kirchengemeinde eine Lösung zu finden, betonte die Stadtsprecherin.

Der Fehler der Stadt führt zu einer absurden Situation: Der traditionelle Martinsumzug kann nicht stattfinden, weil die Pegida-Anhänger für den Erhalt der christlichen Feste demonstrieren. „Statt Kinder mit Laternen zu St. Martin durch die Stadt ziehen zu lassen, flaniert der wütende Mob mit Schildern durch die Straßen!“, spotten Kritiker der Rechtspopulisten wie die Macher der Aktion „HassHilft“. Die abendländische Kultur werde genau von denen vernichtet, „die sie angeblich so verbissen schützen wollen“.

„Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen!!!“

Wie das Nachrichtenportal „nordbayern“ berichtet, dachte die Kirchengemeinde über eine Ausweichroute nach, verzichtete dann aber auf den traditionellen Umzug – stattdessen sollte es nur ein Sankt-Martins-Fest geben. Eine andere Kinderkrippe verschob ihren Umzug dagegen um eine Woche.

„Kinder mit Laternen müssen Erwachsenen mit Plakaten weichen“, sagte Krippenleiterin Daniela Bär „nordbayern“. Die Kinder sollten „mit Laternen feiern und nicht mit Blaulicht“. Die Kirchgemeinde zeigte sich „entsetzt und traurig darüber, dass ein friedlicher Martinsumzug von 300 Eltern und Kindern einer Pegida Kundgebung weichen muss“, wie sie mitteilte. „Sankt Martin würde sich im Grabe umdrehen!!!“

Von dpa/RND/wer

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