Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Richter-Streit stürzt Republikaner in schwere Turbulenzen
Nachrichten Politik Richter-Streit stürzt Republikaner in schwere Turbulenzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:17 23.09.2018
Brett Kavanaugh. Quelle: AP Photo/Alex Brandon
Washington

Der Zeitpunkt der Auseinandersetzung könnte für die Anhänger von Donald Trump nicht ungünstiger sein. Sechs Wochen vor den Kongresswahlen schlägt eine Protestwelle über den Abgeordneten und Senatoren zusammen, da sie aus Sicht vieler Amerikaner mit den Vorwürfen nicht richtig umzugehen wissen.

Die Professorin Christine Blasey Ford wirft Brett Kavanaugh vor, sie vor mehr als 30 Jahren bei einer privaten High-School-Party sexuell bedrängt zu haben. Er habe sie in ein Schlafzimmer geschubst, auf ein Bett geworfen und begrapscht. Ein Freund Kavanaughs habe die Tür geschlossen gehalten. Da die Jungs, damals noch Teenager, betrunken gewesen seien, habe sie entkommen können, sagt Ford.

Frauen und Männer berichten unter dem Hashtag #WhyIDidntReport

Über die versuchte Vergewaltigung habe sie viele Jahre selbst im engsten Freundes- und Familienkreis geschwiegen. Erst bei einer Paartherapie habe sie vor sechs Jahren erstmals über den Vorfall gesprochen – wie sich aus den ärztlichen Unterlagen ergibt.

Der Beschuldigte weist die Vorwürfe dagegen strikt zurück: Er habe weder an dem Abend noch zu einem anderen Zeitpunkt ein solches Verhalten an den Tag gelegt.

Die Frage, warum die Vorwürfe erst drei Jahrzehnte später erhoben werden, beschäftigen mittlerweile nicht nur den Senat: Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (Warum ich keine Anzeige erstattet habe) melden sich auf Twitter mehrere Tausend Frauen und Männer zu Wort. Viele Betroffene beschreiben ihre persönlichen Missbrauchserfahrungen und erklären, warum sie keine Anzeige erstattet haben. Für Aufsehen sorgt unter anderem Patti Davis: Die Tochter des früheren Präsidenten Ronald Reagan schrieb am Wochenende, dass sie vor 40 Jahren von einem Musikmanager vergewaltigt worden sei und lange Zeit nicht über ihre traumatischen Erlebnisse sprechen konnte.

Trump greift die Anklägerin frontal an – entgegen aller Ratschläge

Es ist ein Aufschrei quer durch Amerika, der sich nicht zuletzt gegen Trump richtet. Wie die Washington Post berichtet, sollen mehrere Berater dem Präsidenten empfohlen haben, sich in dieser Auseinandersetzung zurückhalten. Anstatt das Ende des Verfahrens abzuwarten, greift Trump die Anklägerin jedoch frontal an und fordert die Professorin auf, damalige Ermittlungsunterlagen vorzulegen: Wenn die Vorwürfe so schwerwiegend seien, hätten sie oder ihre Eltern sich sicherlich an die Behörden gewandt, so Trump.

Führende Republikaner werfen der Opposition zudem vor, die Vorwürfe zu instrumentalisieren, um die Richterstelle erst nach den Kongresswahlen im November zu besetzen.

Chuck Grassley, Vorsitzender des zuständigen Senatsausschusses, fordert Ford auf, noch in dieser Woche im Kongress auszusagen. Sollte sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, werde umgehend über Kavanaughs Berufung abgestimmt.

Die Besetzung des Obersten Gerichtshofes gilt vielen Amerikanern als eines der bedeutendsten innenpolitischen Themen, da der „Supreme Court“ wesentliche Weichen des Landes stellt und die Richter auf Lebenszeit ernannt werden. Tatsächlich wäre mit der Wahl Kavanaughs die konservative Mehrheit in dem Gremium wahrscheinlich auf lange Zeit zementiert.

Von Stefan Koch/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Ostbeauftragter der Bundesregierung Christian Hirte (CDU) fordert eine stärkere Vertretung Ostdeutscher in den Spitzen von staatlichen Institutionen und Medien.

23.09.2018

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble plädiert in der Flüchtlingsdebatte für mehr Realismus und stärkere Integrationsanstrengungen. „Wir sollten uns klar machen, wie schwer es ist, im Einzelfall abzuschieben. Deswegen sollten wir auch nicht allzu stark die Hoffnung schüren, dass wir die Großzahl dieser Menschen zurückführen können.“

23.09.2018

Die britische Labour-Partei hat im Vorfeld ihres am Sonntag beginnenden Parteitags Erwägungen über ein zweites Brexit-Referendum angestellt. Die Unterstützung der Oppositionspartei würde die Chancen für eine weitere Abstimmung über den EU-Austritt erhöhen.

23.09.2018