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Politik Raketentest in Nordkorea: Japan kündigt Konsequenzen an
Nachrichten Politik Raketentest in Nordkorea: Japan kündigt Konsequenzen an
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07:07 29.05.2017
Eine ballistische Rakete des Typs „Scud“. Quelle: dpa/Archiv
Pjöngjang

Die getestete Rakete landete anschließend in den Gewässern der japanischen Wirtschaftszone. Die Rakete, mutmaßlich vom Typ Scud, flog nahe der Küstenstadt Wonsan aus rund 450 Kilometer weit, teilte der südkoreanische Generalstab am Montag mit. Der japanische Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga sagte, zunächst habe es keine Berichte über Schäden an Flugzeugen oder Schiffen in dem Gebiet gegeben. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe verurteilte den Test.

Die Rakete, mutmaßlich vom Typ Scud, flog nahe der Küstenstadt Wonsan aus rund 450 Kilometer weit. Quelle: Kyodo News

Das US-Pazifikkommando teilte mit, es habe das Geschoss sechs Minuten verfolgt, bis es ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) gestürzt sei. Nach japanischen Angaben landete die Rakete rund 300 Kilometer nördlich der Oki-Inseln und 500 Kilometer westlich der Insel Sado.

Südkoreanischer Präsident rief Sicherheitsrats-Sitzung ein

Abe erklärte, Nordkoreas Provokation, indem es die wiederholten Warnungen der internationalen Gemeinschaft ignoriere, sei „absolut unakzeptabel“. Japan wolle gemeinsam mit der Schutzmacht USA „konkrete Schritte“ unternehmen, um Nordkorea Einhalt zu gebieten, sagte er weiter. Suga teilte mit, japanische Regierungsmitarbeiter würden den Raketenstart am Montag mit dem hochrangigen Berater des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, Yang Jiechi, besprechen. Dieser sollte Japan besuchen. Die Volksrepublik habe ihren Einfluss auf Nordkorea in jüngster Zeit genutzt und sei härter aufgetreten. Die Lage solle gründlich diskutiert werden. „Wir können wiederholte Provokationen nicht tolerieren“, sagte Suga.

Der neue südkoreanische Präsident Moon Jae In rief eine Sitzung des Sicherheitsrats ein. In einer weiteren Mitteilung des Generalstabs des Landes hieß es, der neueste Raketenstart vertiefe die internationale Isolation Nordkoreas.

Von der staatlich kontrollierten, nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Test. Diese hatte am Vortag jedoch einen Bericht veröffentlicht, nach dem Machthaber Kim Jong Un einen erfolgreichen Start eines Waffensystems gegen Luftfahrzeuge überwacht habe. Demnach soll Kim gesagt haben, dass sich die Fähigkeiten des Systems, Ziele aufzuspüren und zu verfolgen, „bemerkenswert“ verbessert hätten.

Genauer Status des Atomwaffenprogramms unklar

Seit der Amtsübernahme des neuen südkoreanischen Präsidenten am 10. Mai hat Nordkorea drei ballistische Raketen gestartet. Neben diverser solcher Tests hat Nordkorea im vergangenen Jahr im Januar und September zwei Atomtests vorgenommen. Experten schätzen, dass Nordkorea bereits fähig ist, seine Kurzstreckenraketen mit nuklearen Sprengköpfen auszustatten. Der genaue Status des Atomwaffenprogramms des Landes ist unklar.

Ultimatives Ziel von Pjöngjang ist es, eine Langstreckenrakete mit nuklearem Sprengkopf zu entwickeln und damit US-Festland treffen zu können. Davon ist Nordkorea laut Experten zwar noch mehrere Jahre entfernt. Doch jeder Test bringt Pjöngjang näher an sein Ziel heran.

Für die neuen Präsidenten in den USA und in Südkorea sowie ihre Verbündeten dürfte die Bedrohung aus Pjöngjang die wohl größte außenpolitische Herausforderung ihrer jeweiligen Amtszeiten werden. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump arbeitet noch an einer politischen Strategie im Umgang mit Nordkoreas Atomprogramm. In Washington wurde der Raketentest zunächst kommentarlos zur Kenntnis genommen worden. „Die US-Regierung weiß Bescheid“, hieß es in einer in Washington verbreiteten Erklärung des Nationalen Sicherheitsrates. „Der Präsident wurde informiert.“

Raketentests „vollständig, nachprüfbar und unumkehrbar“ stoppen

Erst am Samstag hatte die Gruppe der führenden westlichen Industriestaaten Nordkorea eindringlich aufgerufen, seine Atom- und Raketenprogramme „vollständig, nachprüfbar und unumkehrbar“ zu stoppen. In der Abschlusserklärung ihres Gipfeltreffens auf Sizilien ruft die G7 die Weltgemeinschaft auf, ihre Anstrengungen zur Umsetzung entsprechender UN-Resolutionen zu „verdoppeln“.

Der Präsident in Seoul, der Liberale Moon, hatte signalisiert, ein Zivilprogramm zum Nachbarn auszubauen. Doch Analysten sagen, dies werde er vermutlich nicht weiter verfolgen, da Nordkorea bei der Entwicklung seines Nuklearprogrammes bereits zu weit gegangen sei.

Von RND/ap/dpa