Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Putin mahnt bei Stalingrad-Gedenkfeier
Nachrichten Politik Putin mahnt bei Stalingrad-Gedenkfeier
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:12 02.02.2018
Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag in Wolgograd. Quelle: AP
Wolgograd

Bei der Gedenkfeier zur Erinnerung an das Ende der Schlacht um Stalingrad vor 75 Jahren im Zweiten Weltkrieg hat Russlands Präsident Wladimir Putin seine Landsleute zu mehr Selbstbewusstsein aufgerufen. Sie sollten „sich an den Taten der Väter und Großväter ein Beispiel zu nehmen“, so Putin. Das Land habe sich damals als „unbezwingliche Festung“ erwiesen und die Faschisten abgewehrt, sagte er Freitag in der heute Wolgograd genannten Stadt.

Die 200 Tage tobende Schlacht um Stalingrad mit Hunderttausenden Toten leitete 1942/43 die Wende im Weltkrieg ein. Erst hatten die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten die Rote Armee in der Wolgastadt belagert, dann kesselten sowjetische Truppen die Deutschen ein. Die letzten Wehrmachtssoldaten kapitulierten am 2. Februar 1943. Mindestens 90 000 gerieten in Gefangenschaft, nur 6000 Männer kehrten bis Ende der 1950-er Jahre in die deutsche Heimat zurück.

An einer Militärparade in Wolgograd sahen etwa 30 000 Menschen, darunter Kriegsveteranen, den Vorbeimarsch von 1400 Soldaten, meldete die Agentur Tass. Die russischen Streitkräfte zeigten hochmoderne Waffen wie die Luftabwehrsysteme S-400 und Iskander, die Mehrfachraketenwerfer Smertsch und Tornado.

Noch immer werden sterbliche Überreste von Soldaten gefunden

Unter den internationalen Gästen waren Vertreter der Bundestagsfraktion der Linken sowie Lokalpolitiker aus den beiden deutschen Partnerstädten Wolgograds, Köln und Chemnitz. Die Bundesregierung schickte niemanden an die Wolga. Linken-Außenpolitiker Stefan Liebich sagte dazu: „Die aktuellen Differenzen zwischen den Regierungen unserer Länder dürfen die Erinnerung an die schmerzhafte Geschichte nicht verdrängen. Dass die Bundesregierung außer ihrem Botschafter keinen offiziellen Vertreter in die Stadt entsandt hat, in der die Deutschen vor 75 Jahren so Schreckliches angerichtet haben, ist ein großer Fehler. Stalingrad war keine Fußnote der Geschichte.“ Die Fraktionschef der Linken, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, informierten in einer Erklärung, dass sie Wolgograds Oberbürgermeister Andrej Kossolapow nach Berlin eingeladen hätten. „Wir wollen mit ihm über die Vergangenheit, die Zukunft und die deutsch-russische Freundschaft zu sprechen.“

Als Zeichen der Versöhnung haben Russen und Deutsche in den vergangenen Jahrzehnten große Soldatenfriedhöfe bei Wolgograd angelegt. Allein in der deutschen Kriegsgräberstätte Rossoschka sind die Namen von 25 000 Toten eingraviert. Noch immer werden in Wolgograd sterbliche Überreste von Soldaten beider Seiten gefunden und beigesetzt.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow verwahrte sich unterdessen gegen angebliche Versuche anderer Länder, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben und die Bedeutung des sowjetischen Sieges zu schmälern. Das Andenken an die sowjetischen Befreier solle geschwärzt, die Nazis und ihr Anhang sollten dagegen reingewaschen werden, sagte Lawrow bei einer Gedenkveranstaltung seines Ministeriums in Moskau. Er bezog dies unter anderem auf rechte Kräfte in der Ukraine. (mit dpa)

Von Thoralf Cleven/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Erstmals hat das Bundeskriminalamt christenfeindliche Straftaten gesondert erfasst. Über hundertmal wurden 2017 demnach Christen in Deutschland aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit angegriffen. Ein mutmaßlicher Mord soll nächste Woche vor Gericht verhandelt werden.

02.02.2018

Schon am kommenden Wochenende könnte der Koalitionsvertrag stehen – und damit auch das Ministertableau der möglichen neuen Bundesregierung. Einige Altvertraute werden oft genannt – aber es gibt auch Spekulationen um neue Gesichter.

02.02.2018

Dem Tierversuch haben die Autohersteller mit ihren Affen-Abgastests einen Bärendienst erwiesen. Zwar mag es im Einzelfall gute Gründe geben, die Zulassung eines Tierversuchs zu kritisieren. Aber die Forschung verdiene Respekt, meint unser Gastautor Stephan Schleissing, Medizinethiker der Ludwig-Maximilians-Universität München.

02.02.2018