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Politik Polizei ermittelt wegen angeblicher Suizid-Aufrufe
Nachrichten Politik Polizei ermittelt wegen angeblicher Suizid-Aufrufe
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17:25 23.10.2016
Der junge Flüchtling sprang am Freitag aus dem fünften Stock dieses Gebäudes in Schmölln. Er starb wenig später im Krankenhaus. Quelle: dpa
Schmölln

Nach dem tödlichen Sprung eines Flüchtlings aus dem fünften Stock eines Hauses im thüringischen Schmölln ermittelt die Polizei, ob ihn Anwohner tatsächlich zum Suizid ermuntert haben. Bislang gibt es dafür aber keine Beweise. Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, eine Mitarbeiterin der Einrichtung habe bei ihrer Befragung erklärt, dass die Worte „Spring doch“ so nicht gefallen seien. Sie habe gemeint, etwas Ähnliches gehört zu haben.

Mitarbeiterin der Betreuungseinrichtung bestätigt Rufe

Die Ermittler kennen bisher auch nicht den Passanten, der dies gerufen haben sollen. „Wir gehen diesen Hinweisen aber nach“, erklärte der Sprecher. Äußerungen von Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) vom Samstag deuteten darauf hin, dass solche Worte gefallen sein könnten. „Uns liegen auch Informationen vor, dass einige, ich nenne sie mal Schaulustige, diesem Vorfall lange beigewohnt haben, und wohl auch Rufe gefallen sein sollen wie „Spring doch““, sagte Schrade dem MDR. „So etwas kann man nur verurteilen.“  Am Sonntag sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

Der Geschäftsführer der Betreuungseinrichtung, David Hirsch, erklärte am Samstag, dass eine Mitarbeiterin entsprechende Rufe gehört habe. Am Sonntag war er für Nachfragen telefonisch zunächst nicht zu erreichen. Polizei und Feuerwehr bestätigten entsprechende Rufe nicht. Sie hielten sich nach eigenen Angaben längere Zeit vor der Unterkunft auf. Die Staatsanwaltschaft, die ebenfalls ermittelt, war zunächst ebenfalls nicht zu erreichen.

Laut Polizei hatte sich der Flüchtling am Freitag aus dem Fenster seiner Unterkunft gestürzt. Die Beamten gehen von Suizid aus. Sie gaben das Alter des Flüchtlings mit 17 an. Allerdings kursieren unterschiedliche Angaben. „Es gibt verschiedene Datensätze“, erklärte ein Polizeisprecher. Das sei nicht ungewöhnlich bei minderjährigen Flüchtlingen, wenn sie etwa ohne Pass nach Deutschland kommen. Den Angaben zufolge war der Jugendliche zuvor wegen psychischer Probleme in Behandlung.

Schaulustige machten auch Videos

Kurz vor der Tat habe er in der Unterkunft randaliert, weshalb die Polizei gerufen wurde. Die Beamten konnten ihn aber nicht mehr vom Sprung aus dem fünften Stock abhalten. Einem Sprecher zufolge sprang der Flüchtling neben ein von der Feuerwehr aufgespanntes Sprungtuch. Er starb in einem Krankenhaus.

Polizei und Feuerwehr bestätigten, dass sich Schaulustige vor der Unterkunft aufhielten. Nach Polizeiangaben filmte ein Passant die Szenen mit einem Handy. Er sei noch vor Ort aufgefordert worden, das Video zu löschen, was er vor den Augen der Beamten auch getan habe.

Sollte es „Spring doch“-Rufe wirklich gegeben haben, sei das nicht tolerierbar, schrieb der Bürgermeister am Samstag auf Facebook. „Es ist verachtenswert, ja unmenschlich. Ob Geflüchtete oder hier Lebende: Wir alle sind Menschen.“ Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte sich entsetzt: „Es lässt einen fassungslos zurück! Diese Gier nach spektakulärem Geschehen lässt die Humanität auf der Strecke“, schrieb der Linke-Politiker auf Twitter.

Von RND/dpa

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