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Politik Oettinger verteidigt seine „Schlitzaugen“-Rede
Nachrichten Politik Oettinger verteidigt seine „Schlitzaugen“-Rede
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20:25 29.10.2016
EU-Kommissar Günther Oettinger Quelle: EPA
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Brüssel/Hamburg


Dass er in seiner umstrittenen Rede das Wort „Schlitzauge“ verwendet habe, sei nicht anstößig gemeint gewesen, sagte EU-Kommissar Günther Oettinger am Sonnabend der „Welt“. „Das war eine etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war.“

Oettinger hatte am Mittwoch in Hamburg eine launige Rede vor Unternehmern gehalten. Unter anderem hatte er von „Schlitzaugen“ sowie von der „Homo-Pflichtehe“ gesprochen. Über eine chinesische Regierungsdelegation sagte er: „Keine Frauenquote, keine Frau, folgerichtig.“ Eine chinesische Regierungsdelegation beschrieb er mit den Worten: „Alle Anzug, Einreiher, dunkelblau. Alle Haare von links nach rechts, mit schwarzer Schuhcreme gekämmt.“ Ein Videoausschnitt der Rede war von dem Verleger dem Verleger Sebastian Marquardt veröffentlicht worden.

Schwulen- und Lesbenverband fordert Entschuldigung

Auch über Altkanzler Gerhard Schröder und dessen Aufgabe, im Fall Tengelmann Kaiser’s zu vermitteln, sprach Oettinger in Hamburg. „Der hat ja nun Zeit“, sagte der EU-Kommissar süffisant. Die Pipeline Nord Stream 2 werde nicht gebaut, „und die Frau ist weg“. Damit spielte Oettinger auf Schröders Trennung von seiner Ehefrau Doris Schröder-Köpf an.

Von den Zuhörern am Mittwochabend erntete der CDU-Politiker für diese Bemerkungen immer wieder Gelächter, wie ein im Internet veröffentlichtes Video mit Redeauszügen zeigt. Der Lesben- und Schwulenverband forderte dagegen eine Entschuldigung. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sowie der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck stellten sogar Oettingers Eignung als EU-Kommissar in Frage.

Oettinger: Ich bin nicht gegen die Frauenquote

Am Sonnabend sagte Oettinger, er habe die Home-Ehe habe er nicht als solche angreifen wollen. „Ich habe die Homo-Ehe in einer Liste von Themen, Initiativen und Debatten genannt, die in Deutschland die politische Tagesordnung bestimmen“, erläuterte er. „Mir geht es darum, diese Liste an Themen zu ergänzen - insbesondere um das Thema Wettbewerbsfähigkeit.“.

Er sei auch nicht gegen eine Frauenquote, erklärte Oettinger gegenüber der „Welt“: „Die Quote ist ein wichtiges Instrument, um eine angemessene Mindestbeteiligung von Frauen in Spitzengremien zu erreichen.“ Seine Rede sei nicht anstößig gemeint gewesen. „Man muss den Gesamtzusammenhang sehen, in dem ich mich geäußert habe“, sagte er. Wörtlich hatte Oettinger über die chinesische Delegation gesagt: „Neun Männer, eine Partei, keine Demokratie. Keine Frauenquote, keine Frau, folgerichtig.“

Schmidt kritisiert Alt-Herren-Witze Oettingers

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Beck zeigte sich schockiert: „Ein Wahnwichtel fürchtet sich von der homosexuellen Zwangsverheiratung: Der homophobe Spruch von der drohenden Pflicht-Homoehe zeugt davon, dass der Herr Kommissar die letzten Jahrzehnte verschlafen hat.“

Die Sprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Stefanie Schmidt, sprach von unfassbaren „Alt-Herren-Witzen“ Oettingers. „Ein EU-Kommissar muss glaubhaft die europäischen Werte von Nichtdiskriminierung vertreten können, anstatt rassistischen und homophoben Vorurteilen das Wort zu reden.“

Oettinger soll EU-Haushaltskommissar werden

Wenn Oettinger sich nicht schleunigst entschuldige, disqualifiziere er sich für sein Amt. Erst am Freitag teilte die EU-Kommission mit, dass Oettinger mit dem Abgang einer EU-Kommissarin die Zuständigkeit für Haushalt und Budget übernehmen soll. Bisher war er Kommissar für Digitalwirtschaft.

Der Grünen-Politiker Beck erklärte, Oettinger müsse seine „Herabwürdigungen“ von Frauen, Chinesen und Homosexuellen schleunigst einsammeln. „Ansonsten muss sich die Union fragen, ob dass die richtige Botschaft Deutschlands an Europa ist.“

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger fällt nicht zum ersten Mal mit kontroversen Wortmeldungen auf. 2007 bescheinigte er dem einstigen Marinerichter Hans Filbinger in der Trauerrede bescheinigte, er sei „kein Nationalsozialist“ gewesen. 2013 sagte er zu den zögerlichen Beitrittsverhandlungen mit der Türkei verärgert: „Ich möchte wetten, dass einmal ein deutscher Kanzler oder eine Kanzlerin im nächsten Jahrzehnt mit dem Kollegen aus Paris auf Knien nach Ankara robben wird, um die Türken zu bitten, Freunde, kommt zu uns.“

Von dpa/RND/wer

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