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Politik Ölpreis taugt nicht mehr als politische Waffe
Nachrichten Politik Ölpreis taugt nicht mehr als politische Waffe
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17:53 12.12.2016
Quelle: iStock
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Hannover

Die Tinte unter dem Deal der Erdöl-Förderstaaten war noch nicht getrocknet, da nannten die Unterzeichner das Abkommen schon historisch. Der notorisch zerstrittene Petro-Club Opec hat sich mit weiteren Förderstaaten – darunter Russland und Mexiko – geeinigt, die Menge produzierten Öls zu drosseln. Prompt kletterte der Ölpreis am Montag auf den höchsten Stand seit Sommer 2015. Das totgesagte Ölkartell kehrt zurück auf die Weltbühne, allen internen Interessensgegensätzen zum Trotz.

Die bange Frage, die sich viele in den Industrieländern des Westens stellen, lautet: Droht jetzt die Wiederkehr der Geopolitik des Öls, betrieben von einem arabisch-persisch-russischen Bündnis? Hat der Ölpreis als politische Waffe womöglich doch nicht ausgedient?

Zu großer Sorge oder gar Panik besteht jedoch kein Grund. Die Einigung auf eine Obergrenze geförderten Öls ist kein Zeichen von Stärke. Sie resultiert aus der Schwäche der Erdölproduzenten. Sie sind Opfer ihres ruinösen Preis- und Verdrängungswettbewerbs geworden. In den vergangenen vier Jahren hat der Ölpreis mehr als die Hälfte an Wert verloren. Venezuela, das Land mit den größten Ölreserven weltweit, bringt jetzt größere Geldnoten in Umlauf, um die Hyperinflation in den Griff zu bekommen. Saudi-Arabien schiebt ein gewaltiges Haushaltsdefizit vor sich her und plant die Einführung von Steuern – etwas ganz Neues im Königreich. Und in Russland ist die Geldnot so groß, dass die Regierung jetzt fast ein Fünftel des staatlichen Ölgiganten Rosneft an ausländische Investoren verkauft. Der niedrige Ölpreis verdammt die Ölländer zur Zusammenarbeit. Und doch ist es unwahrscheinlich, dass sie ihr Ziel erreichen und der Ölpreis in alte Höhen zurückfindet.

Das liegt auch an der geplanten Kappung: Sie macht nur einen Bruchteil des Gesamtmarkts aus. Zudem sind die Lagerbestände noch üppig gefüllt. Die Nachfrage nach Öl wächst nicht mehr so rasch wie noch vor wenigen Jahren, als Schwellenländer wie Brasilien auf Hochtouren produzierten. Zudem ist fraglich, ob sich alle Unterzeichner an das Abkommen halten. Wer als Erstes ausschert, erzielt Gewinne auf Kosten der anderen, ohne Strafen fürchten zu müssen. Und dann sind da auch noch die USA.

Der größte Ölproduzent weltweit bleibt dem Deal fern. Das billige Öl hat die US-Wirtschaft belebt, die Amerikaner haben kein Interesse an höheren Preisen. Mittels Fracking bei sich zu Hause können sie die Bemühungen des Ölkartells hintertreiben, indem sie einfach noch mehr Öl und Gas aus der Erde pressen. Der künftige Präsident Donald Trump will Einschränkungen bei der Energiegewinnung abbauen. Beim Thema Öl trennt Trump und den von ihm geschätzten russischen Präsidenten Wladimir Putin mehr, als sie verbindet.

Von Marina Kormbaki

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