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Nachrichten Politik Ein frischer Hauch von „Yes we can!“
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11:41 07.04.2019
Barack Obama verabschiedet sich nach der „Town-Hall“-Veranstaltung in der European School of Management and Technology von Zuhörern. Quelle: dpa
Berlin

Ein wenig ergrauter als früher, aber immer noch smart und locker: Barack Obama hat sich zum Abschluss seiner Deutschlandtour am Samstagnachmittag mit 300 jungen Menschen aus ganz Europa in Berlin getroffen. Er rief die künftigen Führungskräfte („young leaders“) dazu auf, sich in der Welt zu engagieren und sich einzumischen. Ein Hauch von „Yes we can“ umweht den ehemaligen US-Präsident noch immer.

„Guten Tag, Berlin“, ruft Obama auf Deutsch zur Begrüßung. „Ihr könnt die Welt verändern! Ihr lasst euren Großvater oder eure Großmutter auch nicht entscheiden, welche Kleider ihr tragen oder welche Musik ihr hören wollt. Warum lasst ihr sie dann bestimmen, in welcher Welt ihr leben sollt?“, ermuntert der 57-Jährige sein Zuhörer in der ESMT-Privathochschule im einstigen DDR-Staatsratsgebäude am Berliner Schlossplatz.

Das Sendungsbewusstsein ist dem Vorgänger von Donald Trump nicht abhanden gekommen. Und das handverlesene Publikum ist dankbar: Während Obama 90 Minuten lang Fragen beantwortet, sind immer wieder Handys zu sehen, fast alle machen kurze Filme oder Fotos. Sehr viele der Besucher verbinden ihre Frage an den ehemaligen US-Präsidenten mit lobenden Worten. Obama sei für sie Vorbild und Inspiration gewesen, ist immer wieder zu hören. Wirklich kritische Fragen stellt an diesem Nachmittag niemand.

Für die bayerische Grünen-Chefin gibt es von Obama die „Ghetto-Faust“

Auch nicht Katharina Schulze. Die Chefin der bayerischen Grünen erzählt Obama hörbar nervös, dass sie einst in Michigan für seine Wahlkampfkampagne gearbeitet habe. Als Dankeschön gibt Obama der Politikerin aus München den sogenannten Fist bump - auf deutsch auch Faustgruß oder „Ghettofaust“ bekannt. Obama ist bekannt für diese Art der Begrüßung, immer wieder hatte er so als US-Präsident Leute gegrüßt, etwa Angestellte und Besucher im Weißen Haus oder den ehemaligen US-Vizepräsident Joe Biden.

Schulze fragte Obama schließlich, wie er die persönlichen Angriffe gegen sich verarbeite. Er schaue sich keine Sendungen über sich an, er meide die sozialen Medien. Das brauche er nicht, denn er sei ja selbst da gewesen und wisse was passiert sei, antwortete Obama.

Gleichzeitig seien die sozialen Medien aber das Netzwerk, das auch eine weltweite Verständigung ermögliche, erklärt der einst mächtigste Mann der Welt an anderer Stelle. Aber diese Medien könnten auch für Desinformationen missbraucht werden und damit auch für Konflikte sorgen. Die extreme politische Rechte in den USA wisse sozialen Medien bisher besser als alle andere für sich zu nutzen. Wenn man voneinander lerne, könne man die Welt verändern. Europa gehe es gut. Es habe einen der höchsten Lebensstandards, gute Bildung und Demokratie. Aber: „Wir leben in unsicheren Zeiten.“ Mächtige Kräfte wollten diesen Standard zerstören.

Nachdenkliche Töne bei der Frage zum Thema Zuwanderung

Ein Schwede mit somalischem Migrationshintergrund wollte von Obama wissen, was man tun könne, um die Konflikte in der Zuwanderung zu minimieren. An diesem Punkt gab sich Obama nachdenklich und sehr viel defensiver, als noch in seiner Amtszeit. „Wir müssen uns überlegen, wie sich die einheimische Bevölkerung mit den neu Ankommenden wohlfühlen kann.“ Jene Menschen, die neu in ein Land kämen, müssten sich anpassen. „Es ist nicht rassistisch zu sagen, ihr müsst die Sprache des Landes sprechen, in dem ihr euch aufhaltet.“ Man dürfe nicht diejenigen, die sich an Einwanderung störten, als Fremdenfeinde abstempeln.

Ob er einen Rat habe, wie man mit Stress am besten umgehe, wird er später gefragt. Feste Rituale gehörten für ihn dazu, antwortet Obama. Als US-Präsident habe er immer pünktlich um 18.30 Uhr mit seiner Familie zu Abend gegessen, wenn er in Washington war. „Meine Berater und Sicherheitsleute wussten das. Diese Zeit war mir heilig.“ Dannach habe er oft noch bis 2 Uhr morgens gearbeitet. Dass die Präsidentschaft nicht spurlos an ihm vorbei gegangen ist, gibt Obama unumwunden zu: „Nach dem Auszug aus dem Weißen Haus haben Michelle und ich erst einmal sehr viel geschlafen.“ Würde er noch einmal als Präsident antreten, würde ihn Michelle wohl verlassen, witzelt Obama.

Die Frage, welche seiner Ideen als US-Präsident in einer Zeit überleben können, in der Trump und rechtspopulistische Parteien die gesellschaftlichen Debatten prägen, treibt den Amerikaner um. Leider gebe es Barack und Michelle aber nur einmal, sagt Obama. Deshalb treibe ihn die Frage um: „Wie können wir beide uns so oft duplizieren, dass es irgendwann Tausende oder Millionen von uns gibt?“ Auch deshalb sei die „Obama Foundation“ ins Leben gerufen worden. „Ihr könnt die Welt verändern“, ruft Obama seinen Zuhörern zum Abschied noch einmal zu. Die meisten Anwesenden verstehen das als Aufforderung.

Von Christian Burmeister/RND

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