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Politik Nordkorea will Atomtestanlage im Mai schließen
Nachrichten Politik Nordkorea will Atomtestanlage im Mai schließen
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09:01 29.04.2018
Kim Jong Un wurde an der Demarkationslinie im Grenzdorf Panmunjom von Südkoreas Präsident Moon Jae In empfangen. Quelle: dpa
Seoul

Nordkorea will seine Atomtestanlage nach Angaben von Seoul im Mai schließen. Den Vorgang wolle die Führung in Pjöngjang zudem vor Experten und Journalisten aus den USA und Südkorea offenlegen, teilte das Büro von Südkoreas Präsident Moon Jae In am Sonntag mit. Es bezog sich dabei auf jüngste Äußerungen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei dessen historischem Gipfel mit Moon am Freitag. Kim habe sich überdies optimistisch über sein geplantes Treffen mit US-Präsident Donald Trump gezeigt, hieß es weiter.

Bei ihrer Zusammenkunft im Grenzort Panmunjom hatten sich Nordkoreas Machthaber und Südkoreas Präsident auf einen Friedensvertrag noch in diesem Jahr geeinigt. Der Korea-Krieg von 1950 bis 1953 endete zwar mit einem Waffenstillstand, aber keinem Friedenspakt. Daher befindet sich die koreanische Halbinsel formal noch im Kriegszustand. Zudem erklärte sich Kim zu einer „kompletten Entnuklearisierung“ bereit. Über konkrete Schritte oder einen Zeitplan für diese Ziele gab es jedoch keine Angaben.

„Keine Person, die Nuklearwaffen abfeuert“

Zu seinem für Ende Mai oder Anfang Juni geplanten Treffen mit Trump sagte Kim laut Moons Sprecher Yoon Young Chan: „Sobald wir anfangen zu sprechen, werden die Vereinigten Staaten erkennen, dass ich keine Person bin, die Nuklearwaffen auf Südkorea, den Pazifik oder die USA abfeuert.“

Kommentar

Wie die Mächte um Einfluss in Korea ringen

Weiter habe Nordkoreas Machthaber erklärt: „Wenn wir regelmäßige Treffen aufrechterhalten und Vertrauen zu den Vereinigten Staaten aufbauen und Zusagen für ein Ende des Krieges erhalten sowie einen „Nicht-Aggressions-Pakt, warum sollte man es sich dann schwer machen, indem unsere Nuklearwaffen beibehalten werden?“

Erst kürzlich hatte Nordkorea angekündigt, sämtliche Atomtests und interkontinentalen Raketenversuche einzustellen. Auch Pläne zu einer Schließung seines Nukleartestgeländes hatte das kommunistische Land bereits bekanntgegeben, wenngleich der genaue Zeitpunkt bisher offen geblieben war.

“Pjöngjang-Zeit“ soll abgeschafft werden

Kim reagierte nach südkoreanischen Regierungsangaben beim Gipfel auch auf skeptische Stimmen, wonach sein Land nur die Testtunnel in der Anlage in Punggye Ri dichtmachen wolle, die laut einigen Experten nach dem sechsten und bisher gewaltigsten Atomtest Nordkoreas im September 2017 ohnehin zu instabil für weitere Untergrunddetonationen sei. Im Gespräch mit Moon habe der Machthaber abgestritten, dass er lediglich beschädigte Güter vom Gelände wegschaffen wolle. Die Anlage habe vielmehr zwei neue Tunnel, die größer seien als bisher genutzte Versuchsareale, erklärte Regierungssprecher Yoon unter Berufung auf Kim.

Nordkorea habe zudem angekündigt, seine Zeitzone so umstellen, dass sie wieder mit jener Südkoreas übereinstimme. Die beiden Koreas nutzten jahrzehntelang die gleiche Zeitzone, ehe der Norden 2015 eine eigene „Pjöngjang-Zeit“ einführte: Die Uhren in dem kommunistischen Land wurden um eine halbe Stunde zurückgestellt. Nordkorea erklärte die Maßnahme mit Bemühungen um eine Beseitigung des Erbes der japanischen Kolonialherrschaft über die koreanische Halbinsel, die von 1910 bis 1945 währte.

Regierungssprecher Yoon erklärte, Nordkoreas Entschluss zur Rückkehr zur Seoul-Zeitzone ziele darauf ab, die Kommunikation mit Südkorea und den USA zu erleichtern.

Eine Nation und 65 Jahre Feindschaft: Der lange Weg zur Versöhnung

1948 – die Teilung Koreas wird besiegelt:Mit der japanischen Kapitulation endete 1945 die 35-jährige Kolonialherrschaft Japans in Korea. Die Siegermächte USA und Sowjetunion teilen Korea in zwei Einflusszonen auf: 1948 wird am 15. August im Süden die Republik Korea gegründet und am 9. September im Norden die Demokratische Volksrepublik Nordkorea ausgerufen. Erster Staatschef im Norden wird Kim Il Sung, der Großvater des heutigen Präsidenten Kim Jong Un.

1950 – der Koreakrieg beginnt:Im Juni stoßen nordkoreanische Truppen in den Süden vor. Der Weltsicherheitsrat verurteilt – ohne die UdSSR – Pjöngjang als Aggressor und stellt UN-Friedenstruppen unter US-Kommando auf. China entsendet eine Million „Freiwillige“ zur Unterstützung Nordkoreas. Erst im Juli 1953 beendet ein Waffenstillstandsabkommen den Krieg. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. 1972 aber erklären beide Staaten gemeinsam die Wiedervereinigung zum Ziel.

1990 – vorsichtige Annäherung: Erstmals treffen im September die Regierungschefs beider Staaten zusammen. Vier Jahre später stirbt, nach 46-jähriger Herrschaft, der Diktator Kim Il Sung. Sein Sohn Kim Jong Il wird neuer Staatsführer. 1996 schlagen Südkoreas Präsident Kim Young Sam und US-Präsident Bill Clinton Vierergespräche zwischen Nord- und Südkorea, den USA und China vor. Diese werden in New York und Genf abgehalten.

1998 – Sonnenscheinpolitik und Feuergefechte:In seiner Antrittsrede spricht der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung von Aussöhnung und wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Ziel der Wiedervereinigung („Sonnenscheinpolitik“). Wegen immer neuer Scharmützel enden Friedensverhandlungen ergebnislos. Im Jahr 2000 werden immerhin „vertrauensbildende Maßnahmen vereinbart“ und ein Verbindungsbüro eröffnet.

2002 – die Atomkrise nimmt ihren Anfang:Die USA legen Beweise für ein verdecktes Programm Nordkoreas zur Urananreicherung vor. Pjöngjang tritt im Januar 2003 aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die USA, Südkorea, China, Japan und Russland verhandeln mit dem Diktator. Doch Nordkorea erklärt 2005, Atomwaffen zur Selbstverteidigung hergestellt zu haben und sich auf unbestimmte Zeit aus den Sechs-Länder-Gesprächen zurückzuziehen.

2017 – die Welt in Angst:Beim sechsten Atomwaffentest zündet Nordkorea nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe. Schon 2006, als Pjöngjang den ersten unterirdischen Atomtest startete, hatten die UN Sanktionen verhängt, die nach weiteren Tests in den Folgejahren immer wieder verschärft werden. Der Dritte in der Kim-Dynastie, Kim Jong Un, provoziert seit 2011 – und lenkt im April 2018 überraschend ein.

Von RND/AP

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