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16:43 04.10.2018
Damals noch unangefochten: Angela Merkel auf einer CDU-Veranstaltung im Jahr 2012. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

Die Abfuhr, die Andreas Ritzenhoff von seiner Partei bekommt, ist nicht nur kühl, sondern eisig: „Von seinen aktuellen Ambitionen haben wir durch eine Kopie der an die Generalsekretärin der CDU Deutschlands gerichteten Mail erfahren und sind überrascht, dass er sich auch die Führung der Bundespartei zutraut“, teilt der hessische CDU-Kreisverband Marburg-Biedenkopf in einer Pressemitteilung pikiert mit. Der Kreisvorsitzende, der hessische Finanzminister Thomas Schäfer, legt über Facebook noch eines drauf: Es handele sich um „mediale Selbstdarstellung eines einzelnen Mitglieds, das sich berufen sieht, die Welt - zumindest aber mal die Partei - zu retten.“ In der CDU-Zentrale in Berlin heißt es einsilbig, wer kandidieren wolle, müsse auf dem Parteitag erstmal dafür vorgeschlagen werden.

Der, der da so gar nicht auf Gegenliebe stößt, ist Unternehmer. Sein Betrieb hat rund 700 Mitarbeiter und stellt Aluhüllen für Lippenstifte und Aluknöpfe für Autos her. Ritzenhoff hat wissen lassen, dass er nun die CDU mit ihren gut 400.000 Mitgliedern auf Vordermann bringen will und zwar als Parteivorsitzender. Im Dezember will er auf dem Bundesparteitag für das Amt – gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die hat das das Amt seit dem Jahr 2000 inne und will bei den turnusgemäß alle zwei Jahre stattfindenden Wahlen erneut antreten.

Ritzenhoff findet, es sei ein „spürbarer Richtungswechsel der Politik“ nötig. Dazu müsse sich die CDU erneuern. Ziel müsse sein, „die freiheitliche westliche Gesellschaft in eine neue Phase des Aufstiegs zu führen“, sagte er der Funke-Mediengruppe. Eingetreten in die CDU ist er vor wenigen Monaten.

Auch noch nicht besonders lange dabei ist ein zweiter Mann, der sich den Parteivorsitz zutraut: Der Berliner Jura-Student Jan-Philipp Knoop hat seine Ambitionen vor ein paar Tagen bekannt gegeben. Dynamik und Aktion sind seine Stichworte. Die Trennlinie zur AfD will er nicht so scharf ziehen wie die Parteiführung, weil es dort „auch vernünftige Leute“ gebe. Auch über Knoop heißt es in seinem Landesverband, er sei bei Parteiveranstaltungen bisher unauffällig gewesen. Auf seiner Facebook-Seite bediene er sich bei Wortwahl und Forderungen wie nach der Abschaffung der GEZ-Gebühren bei der AfD. „Es geht ihm bei der Kandidatur nicht um die Sache“, sagt ein hochrangiger Berliner CDU-Politiker.

Und ein merkel-kritischer CDU-Mann aus der Bundespartei vergleicht die Kandidaturen mit der des ehemaligen Chefredakteurs der Satirezeitschrift „Titanic“, Martin Sonneborn, der für „Die Partei“ im Europaparlament sitzt. „Es ist eine gefährliche Grundhaltung, zu sagen, dass für die führende politische Ämter keine Erfahrung nötig ist und dass das quasi jeder kann.“

Drei Minuten Ruhm

Ob aus den Ankündigungen tatsächlich Kandidaturen werden, ist offen. Kandidaten müssen entweder vor dem Parteitag von Kreis- oder Landesverbänden vorgeschlagen werden, was ausgeschlossen scheint. Auf dem Parteitag reicht dann allerdings, wenn einer der rund 1000 Delegierten einen Namen in den Raum wirft.

„Das kann passieren. Dann gibt es drei Minuten Ruhm für die Vorstellung. Das ist auch Demokratie“, heißt es in der Bundes-CDU. „Es dürfte kein spannender Wettstreit werden“, sagt der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther der „Bild“-Zeitung.

Es gibt die in der CDU, die erwarten, dass Merkel durch diese Kandidaturen sogar noch gestärkt werden könnte. „Wenn es solche lächerlichen Gegenkandidaturen gibt, könnten die Delegierten klar ein Signal für Ernsthaftigkeit setzen wollen.“ Es gibt aber auch die, die sich eine andere Entwicklung vorstellen können: „Andere könnten sich ermutigt fühlen.“ Dass Merkels Hauptgegner, Gesundheitsminister Jens Spahn, allerdings weder Knoop noch Ritzenhoff als Ermutigung brauchen würde, da sind sich dann alle wieder einig.

Günther hat mit Sicherheit auch Spahn im Blick, wenn er Merkels erneute Kandidatur unterstützt. Dadurch bekomme die große Koalition Kraft, um nach vorne zu schauen. „Was wir brauchen, ist Kontinuität, keine Personalquerelen.“

Von Daniela Vates/RND

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