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Politik Nach Nazi-Eklat beim Chemnitzer FC: Verfassungsschutz sieht rechtsextremes Netzwerk
Nachrichten Politik Nach Nazi-Eklat beim Chemnitzer FC: Verfassungsschutz sieht rechtsextremes Netzwerk
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16:21 12.03.2019
Der Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC steht einmal mehr wegen seiner Fans in der Kritik. Quelle: dpa
Chemnitz

Rechtsextreme Fußballfans sind nach Erkenntnissen des sächsischen Verfassungsschutzes gut vernetzt. „Die von außen kaum feststellbaren festen Strukturen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Personenpotenzial um ein festes Netzwerk mit zahlreichen Anhängern handelt“, teilte die Behörde am Dienstag auf Anfrage mit.

Verschiedene Kleinstgruppen würden mit Hilfe sozialer Medien ein gewaltbereites Potenzial bilden, das anlassbezogen viele Teilnehmer mobilisieren könne. Welche Ausmaße das annehmen könne, sei etwa Ende August 2018 in Chemnitz zu beobachten gewesen. Damals war es nach einer tödlichen Messerattacke, für die Flüchtlinge verantwortlich gemacht werden, zu Protesten und Angriffen auf Ausländer gekommen. Maßgeblich beteiligt waren Rechte und Hooligans.

Nach der Trauerfeier für einen bekannten Rechtsextremen im Stadion des Chemnitzer FC hat der Verein am Montag Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Wie es in einer Stellungnahme hieß, habe der CFC der Chemnitzer Staatsanwaltschaft auch seine vollständige Unterstützung bei den Ermittlungen zugesichert.

Der Chemnitzer FC erklärt sich

„Der Ablauf zum Heimspiel gegen VSG Altglienicke weicht soweit von unserem Sicherheitskonzept und den Vorfestlegungen und Absprachen zur Durchführung eines Spiels in der Regionalliga ab, dass es zu klären gilt, wie dies geschehen konnte“, sagte CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon am Montag. Nach Aussagen von zuständigen Sicherheitsmitarbeitern hätten „massive Ausschreitungen gedroht“.

Der Chemnitzer FC sieht den Anfangsverdacht einer „schwerwiegenden Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist. In der Sache ist damit ein schwerer Landfriedensbruch gemäß Paragraph 125 StGB angedroht worden, was für die Verantwortlichen des CFC nicht hinnehmbar ist“, so Siemon weiter.

Bei den Ermittlungen soll auch geklärt werden, „wie es geschehen konnte, dass auf der Südtribüne die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden wurde, diese Fahnen zum Teil offenbar abgehängt wurden und eine sonst nicht übliche Choreografie durchgeführt wurde, an der sich eine solche Vielzahl von Personen beteiligt hat“, teilte der Verein weiter mit. Inzwischen lägen dem CFC Erkenntnisse vor, dass „einschlägig bekannte Personen der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist sind“, erklärten die Himmelblauen.

Erinnerung an verstorbenen Hooligan

Vor und während des Regionalligaspiels des Chemnitzer FC hatten Fans mit Choreographie, Pyrotechnik und Sprechchören an den verstorbenen Thomas H. erinnert. Nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), der die Partie übertragen hat, wurde auch auf der Anzeigentafel des Stadions eine Trauerbotschaft gezeigt. Zudem zeigte CFC-Spieler Daniel Frahn nach seinem Tor in der 53. Minute ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local hools“.

Seit vielen Jahren gilt ein Teil der Anhängerschaft als offen rechtsextrem. Seit 2004 gibt es eine Gruppierung im Fanblock, die sich New Society Boys – abgekürzt NS Boys – nennt und als Logo einen stilisierten Hitlerjungen verwendet. Mitglieder Gruppe gelten auch als Drahtzieher hinter den Ausschreitungen und Hetzjagden in der Chemnitzer Innenstadt im August 2018.

Von Matthias Puppe/RND/dpa

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