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Politik Trump will Pittsburgh besuchen und stößt auf Protest
Nachrichten Politik Trump will Pittsburgh besuchen und stößt auf Protest
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12:26 30.10.2018
Elf Kerzen werden für die Opfer des Attentats auf eine Synagoge in Pittsburgh entzündet. Quelle: imago/ZUMA Press
Washington/Pittsburgh

Drei Tage nach dem verheerenden Attentat auf jüdische Gläubige in einer Synagoge in Pittsburgh will US-Präsident Donald Trump an diesem Dienstag die Stadt besuchen. Der Präsident werde von First Lady Melania Trump begleitet, kündigte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, an. Beide wollten die Unterstützung des amerikanischen Volkes zum Ausdruck bringen und mit den Menschen in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania trauern.

Kritiker werfen Trump vor, er trage mit seiner Rhetorik nicht nur zur Spaltung, sondern auch zur Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft bei. Auch aus der jüdischen Community von Pittsburgh kommen solche Vorwürfe.

Trump sagte dem Sender Fox News am Montagabend zum Ziel seines Besuches: „Ich will nur Respekt zollen. Ich werde auch zum Krankenhaus gehen, um die Polizisten und einige der Menschen zu besuchen, die so schwer verletzt wurden.“

Am Samstag hatte ein 46 Jahre alter Rechtsradikaler in der „Tree of Life“-Synagoge elf Menschen im Alter zwischen 50 und 97 Jahren erschossen. Es handelt sich nach den Worten von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu um das folgenschwerste antisemitische Verbrechen in der Geschichte der USA.

Attentäter in Haft

Der mutmaßliche Attentäter von Pittsburgh wurde am Montag einem Richter vorgeführt. Der zuständige Staatsanwalt Scott Brady sagte, der Mann sei nun in Haft. Zuvor war der 46-Jährige im Krankenhaus gewesen, nachdem er bei seiner Festnahme verletzt worden war. Für Donnerstag ist ein weiterer Gerichtstermin angesetzt. Dem Mann werden 29 Straftaten zur Last gelegt, darunter Mord in elf Fällen. Laut Justizminister Jeff Sessions könnte ihm die Todesstrafe drohen.

Die Sprecherin des Weißen Hauses Sanders bezeichnete die Attacke als „Massenmord“ und eine „Tat des Bösen“. Sie fügte hinzu: „Antisemitismus ist eine Plage für die Menschheit.“ Sanders verwies darauf, dass Trump amerikanische Juden wertschätze und selbst Juden in seiner Familie habe. So stamme Trumps Schwiegersohn Jared Kushner von Holocaust-Überlebenden ab.

Kritik aus der jüdischen Gemeinde

Vor dem Attentat auf die Synagoge hatte ein anderer Mann zahlreiche Briefbomben an Trump-Kritiker geschickt. Die beiden Vorfälle haben das Land aufgewühlt - nur wenige Tage vor den wichtigen Kongresswahlen in den USA. Aus der jüdischen Community von Pittsburgh wird der Vorwurf laut, Trump trage zur Spaltung und Radikalisierung in Teilen der Gesellschaft bei. In einem offenen Brief schrieben Mitglieder der jüdischen Organisation „Bend the Arc“ aus Pittsburgh, Trump sei in der Stadt nicht willkommen, solange er Rechtsradikalismus nicht klar verurteile und solange er nicht mit Angriffen auf Flüchtlinge, Migranten und Minderheiten aufhöre. Sie beschuldigten Trump, er stachele Menschen zu solchen Taten an. Die „Washington Post“ berichtete, mehr als 30 000 Menschen hätten den Brief unterzeichnet.

Lesen Sie hier den Kommentar: Der US-Präsident und die Sprache des Hasses

Der Rabbi der „Tree of Life“-Synagoge in Pittsburgh, Jeffrey Myers, wiederum sagte bei CNN, Trump sei willkommen. Myers betonte, er sei ein US-Bürger und Trump sei sein Präsident.

Sanders wies die Vorwürfe gegen ihren Chef vehement zurück. Trump werde auch weiterhin Unterschiede in der politischen Debatte aufzeigen und sich wehren, wenn er angegriffen werde. Es sei unerhört, Trump eine Mitschuld an den jüngsten Vorkommnissen zu geben. „Der Präsident ist nicht verantwortlich für diese Taten.“

Trump kritisiert Medien

Trump selbst gab den Medien eine Mitschuld an der Entwicklung. „Es gibt große Wut in unserem Land, die teilweise verursacht ist durch fehlerhafte und sogar betrügerische Berichterstattung der Medien“, schrieb Trump bei Twitter. „Die Fake-News-Medien, die wahren Feinde des Volkes, müssen aufhören mit offener und offensichtlicher Feindseligkeit und richtig und fair berichten.“ Dies würde helfen, etwas gegen Wut und Gewalt zu tun und für Zusammenhalt zu sorgen.

Nur wenige Tage vor dem Attentat von Pittsburgh war ein Verdächtiger gefasst worden, der die USA mit dem Versand von Rohrbomben an prominente Oppositionspolitiker in Atem gehalten hatte. Entsprechende Umschläge hatte der 56-Jährige etwa an den ehemaligen Präsidenten Barack Obama und die frühere Außenministerin Hillary Clinton gesandt - beides Demokraten. Die Ermittler stuften zumindest einen Teil der insgesamt 14 abgefangenen Sendungen als gefährlich ein.

Weitere Briefbombe entdeckt

Am Montag tauchte ein weiterer verdächtiger Umschlag auf, adressiert an den Fernsehsender CNN in Atlanta. Das Paket sei vorab bei einer Poststelle abgefangen worden und ähnele den anderen verdächtigen Sendungen, berichtete der Sender. Bereits in der vergangenen Woche war eine der Sendungen an CNN in New York adressiert gewesen, was zur Räumung eines großen Bürogebäudes geführt hatte, in dem der Sender seinen New Yorker Sitz hat.

Der Mann, der die gefährlichen Pakete verschickt haben soll, wurde am Montag ebenfalls erstmals seit seiner Festnahme einem Richter vorgeführt - und zwar in Florida. Nach US-Medienberichten ist in seinem Fall für Freitag ein weiterer Gerichtstermin angesetzt.

Von RND/dpa