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18:07 02.06.2017
„„Ein Schatten legt sich auf unsere Welt – und wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, ohne die USA zurechtzukommen Quelle: RND
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Berlin

Angela Merkel ist ja eigentlich nicht bekannt für allzu viel Pathos. Donald Trump allerdings hat es geschafft, die Kanzlerin in wenigen Monaten tatsächlich in die Rolle zu bugsieren, die ihr einige internationale Medien schon seit der Flüchtlingskrise 2015 mit der Lust zur steilen These zuschreiben: Führerin der freien Welt. „Allen, denen die Zukunft unseres Planeten wichtig ist, sage ich: Lassen Sie uns gemeinsam den Weg weitergehen, damit wir erfolgreich sind für unsere Mutter Erde“, sagte Merkel gestern Vormittag. Ausdrücklich lud sie auch amerikanische Unternehmen, Politiker und Organisationen ein, sich dem Willen des US-Präsidenten zu widersetzen und mit ihr gemeinsam an der Umsetzung der Klimaziele weiterzuarbeiten.

Merkels Angebot über die US-Grenzen hinweg, die der französische Präsident Emmanuel Macron kurz zuvor bereits ganz ähnlich formulierte, ist eine wagemutige Replik auf Trumps auf mehreren Ebenen unsinnige Formulierung, er sei schließlich gewählt, um „Pittsburgh zu repräsentieren, nicht Paris“. Während sich der US-Präsident von der Welt abschottet, erweitert Merkel ihren Wirkungskreis kurzerhand bis auf die andere Seite des Atlantiks und reichte den Trump-Gegnern in den USA die Hand. In Teilen ihrer Rede klang die Kanzlerin dabei wie ein amerikanischer Actionheld. Wörtlich sagte sie: „Nichts kann und wird uns dabei aufhalten.“

In der Sache kann man die ungewöhnliche Klarheit der Kanzlerin nur begrüßen. Aber die offensive Umgehung aller diplomatischer Gepflogenheiten ist ein für alle Seiten riskantes Spiel. Die Kündigung des Pariser Abkommens durch die US-Regierung mag für „Mutter Erde“ nicht den sofortigen Untergang bedeuten. Für das Klima in der Welt hat sie unabsehbare Folgen. Es markiert womöglich nicht weniger als das Ende des langen, amerikanischen Jahrhunderts. Und es lässt Spielraum für andere Großmächte, die sich bisher weder beim Klima noch bei Menschenrechten oder Freihandel als positives Gegenbeispiel zu Trumps Irrwegen hervorgetan haben. Während Merkel die Welt zum Klimaschutz aufrief, saß Chinas Ministerpräsident Li Keqiang gestern in Brüssel mit den EU-Spitzen zusammen, um neue Allianzen zu schmieden. Noch heute soll eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht werden, die die entschlossene Umsetzung des Klimavertrages betont.

Derartige Flirts mit Peking mögen helfen, sich über die enttäuschte Liebe USA einen Moment hinwegzutrösten. Als Modell für eine neue internationale Ordnung birgt eine tiefergehende Allianz Europas mit China auch Probleme – und zwar mehr, als die feine Zurückhaltung von Li Keqiang gestern in Brüssel glauben lässt. Es bleibt deshalb tatsächlich bis auf Weiteres bei Merkels Bierzelt-Diktum aus der vergangenen Woche: Europa muss sich vorerst auf sich selbst konzentrieren – und darauf hoffen, mit ihrer kooperativen, liberalen Haltung neue Partner in aller Welt zu finden. Und die gibt es sogar in den USA.

Von Dirk Schmaler/RND

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