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Politik Merz will als AfD-Schreck mit persönlicher Note punkten
Nachrichten Politik Merz will als AfD-Schreck mit persönlicher Note punkten
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16:03 07.12.2018
Friedrich Merz, der zwei Jahre lang Fraktionschef war, bevor Angela Merkel ihn ablöste, hat einen Ruf aus der Vergangenheit: Schneidig, konservativ, Wirtschaftsexperte. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Berlin

Seinen ersten Fehler hat Friedrich Merz nicht wiederholt. Auf der ersten Regionalkonferenz in Lübeck verkündete er, er merke angesichts der vollbesetzten Halle, „was mir in den letzten Jahren ein bisschen gefehlt hat“. Die Zuschauer, die den Politik-Rückkehrer bei der Vorstellung zuvor noch mit dem meisten Applaus bedacht hatten, reagierten mit einem spöttischen kollektiven „Oooh.“

Weiterhin ist Merz neben Kramp-Karrenbauer einer der beiden Favoriten des Rennens. Seine Fans sind lauter. Sie haben seine Abwesenheit betrauert, und begrüßen ihn nun wie einen Heilsbringer: Der Wirtschaftsflügel hat sich zu ihm bekannt und dafür schnell seinen bisherigen Liebling Jens Spahn vergessen. Die Schülerunion hat sich entschieden und die Junge Union Baden-Württemberg. Viele Altvordere sind für den Altvorderen – wie der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch und EU-Kommissar Günther Oettinger. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, die graue Eminenz der Partei, hat Merz‘ Kandidatur mit befeuert und nun auch noch für ihn geworben.

Merz, der zwei Jahre lang Fraktionschef war, bevor Angela Merkel ihn ablöste, hat einen Ruf aus der Vergangenheit: Schneidig, konservativ, Wirtschaftsexperte. Seinen Anhängern reicht das, sie sehen in ihm die Korrektur der Merkel-CDU. Aber diese Anhänger reichen Merz offenbar nicht: Er versucht, sich mittiger zu präsentieren. Er lobt Merkel und legt sogar sein Markenzeichen, die Bierdeckel-Steuererklärung, zu den Akten. Nicht mehr zeitgemäß, sagt Merz.

Friedrich Merz im Steckbrief

Friedrich Merz wird neben Annegret Kramp-Karrenbauer die größte Chance auf die Nachfolge von Angela Merkel an der CDU-Spitze eingeräumt. Stationen seines Lebens:

● geboren am 11. November 1955 in Brilon im östlichen Sauerland (Nordrhein-Westfalen)

● seit 1972 in der CDU

● Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn (1976-1981)

● seit 1986 Rechtsanwalt

● 1989 bis 1994 Mitglied im Europäischen Parlament

● 1994 bis 2009 Mitglied im Bundestag; 2000 bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

● seit 2005 bei der internationalen Anwaltskanzlei Mayer Brown

● Mitglied in mehreren Aufsichts- oder Verwaltungsräten

● seit 2009 Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke

● katholisch, verheiratet, drei Kinder

Merz grenzt sich mit scharfen Ton von der AfD ab

Zum Weicherzeichnen gehört das Persönliche: Er erzählt also in Rheinland-Pfalz, dass er im nahen Kusel als Bundeswehrsoldat einen Lehrgang gemacht und ihm die Wehrpflicht im Übrigen nicht geschadet habe. Er lässt einfließen, dass er sich um seine betagten Eltern kümmere und dass er an seinen drei erwachsenen Kinder sehe, dass junge Leute anders leben wollten als er früher.

Freundlich und zugewandt tritt er auf, den scharfen Ton von einst dreht er hoch, wenn er sich gegen die AfD abgrenzt. Wenn braune und schwarze Horden durch Städte zögen und der Hitlergruß gezeigt werde, müsse das der CDU „durch Mark und Bein gehen“, sagt er. Stolz verkündet er, die AfD fertige schon Dossiers gegen ihn an: „Bravo, das habe ich gewollt.“

Als AfD-Schreck will er also punkten. Wenn Merz verkündet, er werde die AfD halbieren, applaudieren die Zuhörer begeistert.

Beim AfD-Topthema Migration positioniert er sich je nach Region: In Schleswig-Holstein lobt er die Aufnahme von Flüchtlingen 2015, in Thüringen erklärt er, er wolle „nicht lange zurückblicken im Zorn“, aber ein Störgefühl wegen Kontrollverlusts teile er. Merz zögert beim UN-Migrationspakt. Die Einschränkung des Grundrechts auf Asyl fordert er, um dies am nächsten Tag wieder zu revidieren. Zugleich hart und weich sein - ein Fehler oder eine besonders raffinierte Taktik der Frankfurter Unternehmensberatung, die Merz an seiner Seite hat?

Lesen Sie auch: In welchen Momenten können Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn bei den CDU-Regionalkonferenzen punkten? Das RND wählte bei jeder Veranstaltung und für jeden Kandidaten die stärksten und schwächsten Momente aus und bewertete sie. Hier finden sie den RND-Kandidatencheck!

Merz zählt sich mit Eine-Million-Einkommen zur Mittelschicht

Die Frage nach seinem Einkommen beantwortete Merz so zögerlich, dass er unvorbereitet wirkt. Er zählte sich mit einer Million Euro dann zur Mittelschicht. Die Debatte verdrängte immerhin die über seinen Arbeitgeber, den Vermögensverwalter Blackrock. Bei einem Talkshow-Auftritt kontert ihn die Grünen-Chefin in der Flüchtlingspolitik aus und eine SPD-Vize-Vorsitzende beim Thema Familie.

Wird er mit Merkel zusammenarbeiten können, der er lange in so leidenschaftlicher Abneigung gegenüberstand? Klar, versichert Merz, setzt aber Ärgerpunkte für die SPD in der Sozialpolitik. Er bremst auch die Erwartungen: Es werde schwierig, Soliabschaffung, Steuersenkung und mehr Geld für die Bundeswehr gleichzeitig zu finanzieren: „Lassen wir mal die Tassen im Schrank.“

In Halle hat Merz noch etwas preisgegeben: „Meine Frau ist Saarländerin“, hat er gesagt. Ein bisschen was von Kramp-Karrenbauer hat Merz also auch.

Lesen Sie hier: Was bisher im Rennen um den CDU-Vorsitz geschah – eine Chronik der Suche nach dem neuen Parteichef

Von Daniela Vates/RND

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