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19:26 08.10.2017
Geht die politischen Herausforderungen gelassen an: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa
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Hannover

In der ARD schlug am Sonnabend die große Stunde der Kleinen: Wer bei der Jungen Union wird es wagen, der Kanzlerin vor laufenden Kameras mal richtig einen einzuschenken? Die „Tagesthemen“ begnügten sich am Ende mit einem gewissen Hans Reichhart, Jahrgang 1982, Jurist aus Jettingen-Scheppach im bayerischen Landkreis Günzburg. Der immerhin sprach eine Art Kritik an Merkel ins Mikrofon, allerdings nur sehr indirekt und sehr verklausuliert. Ein Aufstand der Jungen geht anders.

Für Angela Merkel sind Tage wie dieser machtpolitisch wichtig. Gut sichtbar für Freund und Feind ebbt eine erste Welle ab, die spontane Kopf-ab-Stimmung nach der Wahl. Jetzt muss das Kanzleramt noch eine zweite Welle abwettern. Am meisten regen sich innerhalb und außerhalb der CDU derzeit viele darüber auf, dass Merkel selbst sich nicht aufregt. Hat sie nicht vor 14 Tagen das schlechteste Unionsergebnis seit 1949 eingefahren? Und bedeutet nicht der Einzug der AfD in den Bundestag eine historische Zäsur?

Merkel, das ist wahr, mag auf all dies allzu sparsam reagiert haben; das Emotionale war nie ihr Ding. Die Reaktion der deutschen Medien wiederum war hier und da übertrieben – als seien Land und Leute von einem Tsunami getroffen worden, der nur noch wenig übrig ließ von der Republik, wie wir sie kannten. „Sie sind da“, schrieb der „Spiegel“ und verkündete auf seiner düsteren Titelseite nach der Wahl: „Die AfD überrollt die Volksparteien.“

Ganz so weit ist es noch nicht. Und man sollte weder in der Politik noch in den Medien so tun, als sei es so. Die 87 Prozent der Deutschen, die nicht die AfD gewählt haben, können mit Fug und Recht verlangen, dass die von ihnen ins Parlament entsandten Politiker sich vom rechtspopulistischen Spuk dieser Zeit ganz bewusst nicht beeindrucken lassen. Gelassenheit ist angesagt, schon aus staatspolitischen Gründen.

Für Merkel, die promovierte Physikerin, kommt ein weiterer beruhigender Faktor hinzu: die Mathematik. Merkel hält nichts vom Vergleich heutiger CDU-Zahlen mit denen aus der Adenauer-Ära, in der es weder Grüne gab noch Linke noch AfD. Sie belässt es auch nicht dabei, auf das Wahljahr 2009 zu verweisen, als die CDU/CSU-Zahlen nur um 0,9 Prozentpunkte besser waren als in diesem Jahr.

Etwas anderes ist für Merkel zentral: Die rechnerische Möglichkeit von Rot-Rot-Grün, die über Jahre hinweg ihre Kanzlerschaft zumindest theoretisch bedrohte, ist im künftigen Bundestag nicht mehr vorhanden. Ausgerechnet die ­Alternative für Deutschland hat also, ein Treppenwitz, diese Kanzlerin alternativlos gemacht. In der Mathematik jedenfalls findet Merkel in diesen Tagen, Emotionen hin oder her, neuen Halt und neue Sicherheit. Erst bekam die Junge Union dies zu spüren, nun ist die CSU dran.

Von Matthias Koch/RND

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