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Nachrichten Politik Merkel und Schulz starten offiziell in den Wahlkampf
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18:08 21.08.2017
Geht an den Start: Martin Schulz wählte am Montagabend Bremen auf Auftakt für seine Wahlkampftour. Quelle: dpa
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Hannover

Angela Merkel ist Martin Schulz enteilt. Nicht nur in den Umfragen liegt die Kanzlerin vor ihrem SPD-Herausforderer, auch bei den Auftritten im Bundestagswahlkampf hat sich die CDU-Politikerin einen Vorsprung erarbeitet und seit dem 12. August republikweit bereits elf Marktplätze gefüllt. Schulz geht es derzeit noch ein bisschen wie im norddeutschen Märchen, in dem der Hase rennt, aber gegen den gewitzten Igel doch nicht gewinnen kann. Am Montagabend hatte der SPD-Kanzlerkandidat seinen Wahlkampfauftakt auf dem Bremer Marktplatz; die Kanzlerin war schon am 15. August da. Wenn es nach den Wahlkampfinvestitionen ginge, könnte sich Schulz Hoffnungen auf den Wahlsieg machen: Die Sozialdemokraten stecken rund 24 Millionen Euro in die Schlacht um das Kanzleramt – so viel, wie keine andere Partei.

Merkel in der „Glitzerwelt“

Andere SPD-Spitzen haben Merkel seit ihrem Wahlkampfstart schon kräftig berempelt. Merkel habe keine Konzepte, keine Ideen und baue die politische Auseinandersetzung auf eine „Glitzerwelt“ auf, sagte Generalsekretär Hubertus Heil. Merkel sitze Probleme aus und habe Chancen für das Land verspielt, ergänzte der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Thomas Oppermann.

Merkel reagiert auf die Anwürfe ihres Koalitionspartner, wie sie es immer tut: Sie ignoriert sie. Den SPD-Vorwurf, Wahlkampf nur an angenehmen Orten zumachen, ließ sie am 12. August ins Leere laufen und trat in der SPD-Hochburg Dortmund auf. Geschickt mischt sie seither Vertrautes und Neues. Sie rügt die Autoindustrie im Dieselskandal und mahnt, 800000 Arbeitnehmer dort dürften nicht unter den Machenschaften leiden, sichert zu, dass sich der massive Flüchtlingszustrom des Jahres 2015 nicht wiederholen werde, verspricht Steuergerechtigkeit und mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit.

Schulz wird einfach ignoriert

In Steinhude bei Hannover am vergangenen Freitag greift sie dann angesichts des Terroranschlags in Barcelona das Thema innere Sicherheit auf und sagt, nötig sei Respekt und nicht Misstrauen gegenüber Polizisten und Soldaten, die Sicherheitsaufgaben übernähmen. Außerdem benötige Deutschland mehr Videoüberwachung und die Schleierfahndung. Am Montag trat sie in Sankt-Peter-Ording (Schleswig-Holstein) und im niedersächsischen Cloppenburg auf.

Begleitet wird die Kanzlerin bei allen Auftritten von rechtsradikalen Krakeelern, die Pegida-Hetze wie „Volksverräterin“ oder „Lügenpack“ skandieren. Auch da bleibt Merkel ruhig. „In einem freien Land kann jeder rufen, was er will“, sagt sie dann.

Und Schulz? Dessen Namen erwähnt Merkel nie. Nur einmal hat sie bisher auf ihren Herausforderer reagiert – als dieser eine gesetzliche Quote für Elektro-Autos in der EU gefordert. „Nicht durchdacht“, konterte die Kanzlerin den Vorstoß und versuchte damit dem Wähler klarzumachen, dass jemand ungeeignet für das Amt des Regierungschefs ist, der eilfertig daherredet.

Ein Kandidat, der nah bei den Leuten sein will

Bei der SPD hingegen macht sich Unruhe breit. In den vergangenen Wochen hat Schulz zahlreiche Forderungskataloge und Punkte-Pläne aufgelegt, doch die Umfragen bleiben mau. Tausende Kilometer Wegstrecke mit 40 Wahlkampfauftritten sollen dies jetzt bis zum Bundestagswahltag am 24. September ändern. Ein „Wahlkampf auf Augenhöhe“ verspricht das Schulz-Team. Während Merkel abgehoben auf der Bühne stehe, werde Schulz „sehr nah bei den Leuten sein“.

Ein Problem bleibt: Die Sozialdemokraten sind nicht Oppositionspartei; von 2005 bis 2009 und seit 2013 regieren sie als Juniorpartner mit Merkel. Harte Schläge gegen die Politik der Kanzlerin könnten die Frage provozieren, warum die SPD diese nicht verhindert hat.

Kämpfen will Schulz bis zum Schluss. Am 23. September absolviert er seinen letzten Auftritt in seiner Heimat Aachen. „Zugabe“ oder „Bonus-Track“ nennen die Genossen die Show mit Live-Musik selbstbewusst. Wer indes den Bonus des Wahlkampfes kassiert, das entscheiden dann die Wähler am Tag danach.

Von Alexander Dahl

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