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Politik Mehr als 230 Anzeigen wegen sexueller Belästigung
Nachrichten Politik Mehr als 230 Anzeigen wegen sexueller Belästigung
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17:15 27.01.2018
In der Bundeswehr sind im vergangenen Jahr 234 Verdachtsfälle von sexueller Belästigung gemeldet worden. Quelle: dpa
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Berlin

Laut Medienberichten ist die Zahl der Anzeigen wegen sexueller Übergriffe bei der Bundeswehr 2017 deutlich angestiegen. Insgesamt wurden 234 Verdachtsfälle gemeldet, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministerium der Funke-Mediengruppe. Dabei reiche die Bandbreite der Vorfälle „vom Zuwerfen eines Kusses bis zur erfolgten Vergewaltigung.“ Auch wurden 14 versuchte oder vollendete Vergewaltigungen gemeldet, fast dreimal so viele wie 2016. Damals waren fünf Fälle bekannt und zur Anzeige gebracht worden.

Insgesamt sei die Zahl der gemeldeten Belästigungen laut Mediengruppe insgesamt um mehr als 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums fand für diesen Anstieg mehrere Erklärungen. Zunächst würde die Statistik auch Doppelmeldungen enthalten. Diese lägen dann vor, wenn Betroffene empfinden, dass ihr Anliegen nicht zufriedenstellend behandelt worden sei. Auch würden ältere Fälle neu aufgerollt.

„Spezielle Situation“ verändert das Meldeverhalten

Zudem habe die „spezielle Situation“ des vergangenen Jahres bei der Bundeswehr zu einer verstärkten Sensibilität geführt, dass bestimmtes Verhalten inakzeptabel und zu melden sei. Gemeint ist die öffentliche Diskussion um mehrere Skandale in der Truppe. Im vergangenen Jahr geriet die Bundeswehr unter anderem wegen unmenschlicher Ausbildungspraktiken, Rechtsextremismus und sexuellen Erniedrigungen in die Schlagzeilen. Im Zuge dessen habe auch die Zahl der internen Beschwerden über Rechtsextremismus und Fehlverhalten von Vorgesetzten zugenommen.

Auch der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels, führt die gestiegene Zahl von Verdachtsfällen vor allem auf ein verändertes Meldeverhalten zurück. „Die Sensibilität ist gestiegen“, sagte Bartels. Er sehe keine Anzeichen dafür, dass das bekannte Problem sexueller Belästigung in der Bundeswehr generell größer geworden sei. „Allerdings werden jetzt vielleicht auch ernste Vorfälle gemeldet, die früher unter den Teppich gekehrt worden wären.“ In den Zahlen enthalten seien auch Fälle, die außerhalb der Bundeswehr spielten, wo aber Soldaten im Zivilleben betroffen seien.

Erst im November hatte ein Fall in Schleswig-Holstein für Aufsehen gesorgt. Auf dem Truppenübungsplatz Todendorf soll ein 29-jähriger Unteroffizier nach einem Trinkgelage zwei Soldatinnen sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Kiel will voraussichtlich im Februar ihre Ermittlungen dazu abschließen.

Von RND/dpa

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