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15:56 14.08.2017
Kandidat und Wähler: Im TV-Studie traf Martin Schulz auf normale Menschen mit alltäglichen Problemen. Quelle: dpa
Berlin

Er selbst hatte es natürlich vorher schon gewusst: Im direkten Austausch mit den Bürgern, im Gespräch auf Augenhöhe, sieht Martin Schulz seine größten Stärken. „Wenn ich nahe an den Menschen bin, bin ich am besten“, hatte der SPD-Kanzlerkandidat vergangenen Montag nach der gut 75-minütigen Bundesleserkonferenz des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) in Berlin gesagt. Gestern dann folgte der zweite große Auftritt des SPD-Chefs mit einfachen Bürgern. Bei der „Wahlarena“ des TV-Senders RTL stellte sich Schulz den Fragen potenzieller Wähler. Und wie schon bei der RND-Veranstaltung sechs Tage zuvor brachte er diesen Auftritt ordentlich über die Bühne. Sehr ordentlich sogar.

Schulz: „Das geht mir unter die Haut“

Das Konzept der Sendung lehnt sich an die Townhall-Formate aus den US-Wahlkämpfen an. Bürger fragen. Politiker antworten. Und Moderatoren halten sich zurück. Das fällt RTL-Anchorman Peter Klöppel an diesem Abend sichtlich schwer, so dass Schulz sich sogar zu einem Rüffel genötigt sieht. Aber der Reihe nach.

Zu Beginn der Sendung berichtet der Koch Andreas Responde aus Brandenburg von seinem Schicksal. An einem Berliner S-Bahnhof hatte der 38-jährige Mann versucht, einen Streit zu schlichten und war dafür brutal zusammengeschlagen worden. Geruchs- und Geschmackssinn weg – und das persönliche Sicherheitsempfinden sowieso. „Was werden Sie tun, damit ich mich wieder sicherer fühle?“, fragt Responde den Kanzlerkandidaten.

Schulz zeigt sich zunächst einmal sehr bewegt. „Das geht mir unter die Haut“, sagt er. Mehr Polizei werde es ihm als Bundeskanzler geben, klar, und mehr Betreuung für Verbrechensopfer. Aber zur Wahrheit gehöre auch, dass er selbst als Kanzler nicht alle Probleme lösen könne, so Schulz. Die Gesellschaft müsse daran arbeiten, dass Gewalt nicht mehr verharmlost werde. Und dass Opfer mehr in den Mittelpunkt gehörten als Täter. Das gelte auch für TV-Sender wie RTL. An dieser Stelle will Moderator Klöppel widersprechen, doch Schulz lässt ihn nicht. „Opfer einer Straftat müssen genauso sozial betreutet werden, wie wir Tätern eine Resozialisierung ermöglichen“, sagt er.

Rente bleibt ’das’ Wahlthema

Dagmar Willms, einer Frau aus Frankfurt, die sich wegen der Gewalt in ihrem Viertel nicht mehr auf die Straße traut, sagt Schulz, „No-Go-Areas“ dürfe es nicht geben. „Der Staat muss sich da hart durchsetzen“. Wer der Polizei nicht mit Respekt begegne, müsse „mal richtig eins auf die Mappe“ kriegen. „Damit die spüren, wer in diesem Land das Sagen hat.“

Schulz gibt den Law-and-Order-Mann, zeigt klare Kante. Beim Publikum kommen solche Sätze gut an – in der SPD vermutlich weniger. Aber um die Genossen geht es in dieser Phase des Wahlkampfes auch nicht mehr. Schulz liegt in den Umfragen so weit zurück, dass er keine Rücksicht auf die Gefühle seiner Partei nehmen darf. Er muss jetzt beim Wähler punkten. Und er ist wild entschlossen, das auch zu tun. Entsprechend scharf formuliert er seine Thesen.

Wer die Gesetze in diesem Land nicht akzeptiere, gehöre abgeschoben, sagt er beim Thema Flüchtlinge. Wer sich integriere und Führsprecher habe, verdiene dagegen eine Chance. Beim Thema Rente sagt Schulz, wer 35 Jahre gearbeitet habe, dürfe im Alter nicht auf das Amt angewiesen sein. Und beim Thema Mieten verspricht er, alles zu tun, damit sich normale Familien noch eine Wohnung in der Großstadt leisten können. Es sind klar, einfach Botschaften. Und sie kommen an.

Für Höflichkeiten hat Schulz in dieser Phase seiner Kampagne keine Zeit mehr. „Halten Sie sich mal raus“, herrscht an einer Stelle Moderator Klöppel an. „Wenn Sie sich dauernd einmischen, kann ich in der kurzen Zeit die Fragen der Bürger nicht beantworten.“

Viel Zeit hat er tatsächlich nicht mehr. Bis zur Wahl sind es noch sechs Wochen.

Martin Schulz bei der Bundesleserkonferenz

Zur Bundesleserkonferenz des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) in Berlin stellte sich Martin Schulz den Fragen von Lesern. Die Antworten des SPD-Kanzlerkandidaten finden Sie hier.

Bis zur Bundestagswahl am 24. September stellen die Spitzenkandidaten bei der Bundesleserkonferenz Rede und Antwort. So können Sie Ihre Fragen stellen.

Von RND/Andreas Niesmann

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