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Politik Mafia verdiente Millionen mit Flüchtlingszentrum
Nachrichten Politik Mafia verdiente Millionen mit Flüchtlingszentrum
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17:40 15.05.2017
Fast täglich kommen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien. Nun soll die italienische Mafia an ihrer Unterbringung kräftig mitverdient haben. Quelle: AP
Rom

Die Anti-Mafia-Behörde teilte am Montag in Catanzaro außerdem mit, dass die Mafia unter anderem aus der Verwaltung eines großen Flüchtlingslagers in der süditalienischen Provinz Crotone Gewinne gezogen haben soll.

Ermittlungen zufolge ist der Clan seit mehr als zehn Jahren in die Geschäfte des Aufnahmezentrums verwickelt. Das „C.A.R.A Sant'Anna“ in Isola Capo Rizzuto wird von der katholischen Organisation Confraternita delle Misericordie verwaltet. Neben dem Chef der Organisation, Leonardo Sacco, wurde auch der lokale Priester festgenommen.

Carabinieri-General Giuseppe Governale sagte bei der Bekanntgabe der Festnahmen: „Das Willkommenszentrum und Fraternita di Misericordia waren die Geldautomaten der Mafia.“

Leonardo Sacco ist in Italien kein Unbekannter

Ermittlern zufolge hatte die zur ‚Ndrangheta gehörende Arena-Familie mit Hilfe eines Priesters und Saccos Aufträge zur Versorgung des Flüchtlingszentrums bekommen. Die Hilfsorganisation habe von dem Arena-Klan kontrollierte Catering-Betriebe beauftragt. Diese hätten dann mehr Mahlzeiten in Rechnung gestellt, als sie tatsächlich lieferten. So seien etwa 36 Millionen der 103 Millionen Euro öffentliche Zuschüsse an den Arena-Klan gegangen. Mit dem Geld seien Immobilien, Luxusautos und Jachten gekauft worden, sagte Staatsanwalt Nicola Gratteri.

Die Polizei bezeichnete den Priester als Organisator des betrügerischen Abschöpfens öffentlicher Mittel für das Flüchtlingszentrum in den Jahren von 2006 bis 2015. Er habe 2007 überdies 132.000 Euro für seine seelsorgerischen Dienste für Flüchtlinge kassiert, heißt es in ihrer Erklärung.

Sacco ist ein Italiener mit vielen Verbindungen zur Politik bis hin zum Vatikan. Dokumentiert ist das auf vielen Fotos, die Sacco mit bekannten Persönlichkeiten zeigen – darunter auch Papst Franziskus.

Italienische Mafia nicht zum ersten Mal im Visier der Ermittler

Die Dachorganisation erklärte, auf eine schnelle Aufklärung zu hoffen. „Acht Jahrhunderte Geschichte“ würden aber nicht durch so schwerwiegende Vorwürfe ausgelöscht, heißt es in einer Erklärung der Confederazione Nazionale delle Misericordie.

Dem Arena-Clan wird außerdem Waffenschmuggel, Schutzgelderpressung, Veruntreuung von Geldern und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die kalabrische 'Ndrangheta gilt als eine der mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt.

Der Vorwurf, dass die Mafia bei der Flüchtlingsunterbringung mitverdient, ist schon mehrmals aufgekommen. Zuletzt hatte der italienische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro das Thema auf den Tisch gebracht. Italien ist derzeit in Europa das Hauptankunftsland für Flüchtlinge.

Von fw/RND/dpa/AP