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Politik Macron will Neustart in den Beziehungen zu Afrika
Nachrichten Politik Macron will Neustart in den Beziehungen zu Afrika
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16:55 28.11.2017
Gegen Schlepperbanden und für mehr Rechte von Frauen in Afrika: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Quelle: Foto: imago
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Ouagadougou

Dass Emmanuel Macron nicht allen in Afrika willkommen ist, zeigte gestern eine von vermummten Männern lancierte Begrüßungsgeste: Am ersten Morgen nach der Ankunft des Präsidenten Frankreichs in Burkina Faso warfen zwei Unbekannte eine Handgranate auf ein Fahrzeug der französischen Armee im Norden der Hauptstadt Ouagadougou. Sie verletzten keine Soldaten, aber drei Anwohner. Dabei war Macron zu seiner dreitägigen Afrika-Reise aufgebrochen, um ein positives Signal für eine faire Partnerschaft auszusenden. Nach dem Besuch in Burkina Faso nimmt er heute am EU-Afrika-Gipfel in der Elfenbeinküste teil, bevor er morgen nach Ghana fährt.

Es gehört zur Tradition für französische Präsidenten, mit einer großen Rede das Verhältnis zu dem Kontinent zu erklären, mit dem auch lange nach der Kolonialzeit zahlreiche wirtschaftliche und politische Verbindungen weiterbestehen. Doch Macron wollte – wie so oft – überraschen, es anders machen. Seine Rede hielt er in der Universität von Ouagadougou vor 800 Studenten, um sich an die Jugend zu wenden. Er werde nicht seine Afrika-Politik darstellen, sagte Macron. „Es gibt keine Afrika-Politik Frankreichs mehr.“ Vielmehr blicke er einen selbstbestimmten und komplexen Kontinent an, dem er nicht zu sagen habe, was zu tun sei. Den Studenten, die Frankreich in einer hitzigen Atmosphäre vorwarfen, sich aus der Verantwortung zu ziehen, hielt er entgegen, er sei nicht mehr in einem „postkolonialen“ Denken verhaftet – Verantwortung trügen sie selbst für ihr Land.

Kampf gegen Schlepperbanden

Er gehöre, so der 39-jährige Staatschef, einer Generation an, die Afrika nie als kolonialisierten Kontinent gekannt habe und die überall jene ermutige, die im Wind der Freiheit und Emanzipierung laufen wollten. Das war Macrons Hauptbotschaft an die jungen Burkiner: „Die Lösung kommt weder von außen noch vom Status quo alter Gewohnheiten. Ich werde an eurer Seite sein. Derjenige, der Europa helfen wird, die Chance zu ergreifen, der afrikanischen Jugend zuzuhören.“

Die zahlreichen Herausforderungen zählte er auf: vom Klimawandel über den Terrorismus bis zum Menschenhandel in Libyen im Zuge der Flüchtlingskrise, der er einen entschlossenen Kampf gegen Schlepperbanden und die Einrichtung von Asylzentren in Niger und im Tschad entgegensetzen will. Wer Asylrecht habe, solle bereits dort unter Schutz gestellt, alle anderen aber von der riskanten Reise nach Europa abgehalten werden. Macron versprach, den Anteil der Entwicklungshilfe bis zum Ende seiner Amtszeit 2022 auf 0,55 Prozent des BIP anzuheben. Bei der Vergabe von Stipendien seien Schulprogramme systematisch zu bevorzugen, die die Schulausbildung von Mädchen förderten.

Frauen sollen selbst entscheiden, ob sie Mutter werden wollen

Zugleich setzte er sich für das Recht junger Frauen ein, selbst zu entscheiden, ob sie Mutter werden wollen. Elternschaft müsse eine Wahlmöglichkeit sein, „besonders für junge Mädchen“, sagte er.

„Ich will, dass ein junges Mädchen die Entscheidung darüber hat, im Alter von 13 Jahren keine Kinder zu haben“, sagte Macron und fügte hinzu: „Wenn Sie Familien mit sechs, sieben, acht Kindern pro Frau sehen, sind Sie sicher, dass das die Entscheidung des Mädchens war?“ Macron ging damit auf eine Kontroverse ein, die er im Juli mit der Bemerkung ausgelöst hatte, es sei ein Problem, dass afrikanische Frauen oft „sieben oder acht Kinder“ hätten.

Auf seine mit vielen Symbolen aufgeladene Macron-typisch ambitionierte Rede lässt er symbolträchtige Taten folgen: Heute weiht er eine riesige Solaranlage in Burkina Faso ein und begeht mit dem Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattare, den Spatenstich für die Metro von Abidjan, die mit französischen Krediten in Höhe von 1,4 Milliarden Euro mitfinanziert und von großen französischen Unternehmen gebaut wird.

Von Birgit Holzer/RND

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