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Politik Londoner Polizei nennt Namen von Angreifern
Nachrichten Politik Londoner Polizei nennt Namen von Angreifern
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21:50 05.06.2017
Zwei der Attentäter von London: Khuram Shazad Butt (l.) und Rachid Redouane. Quelle: dpa/Metropolitan Police
London

Nach dem dritten schweren Terroranschlag in Großbritannien in kurzer Zeit will Premierministerin Theresa May den radikalen Islamismus aus der britischen Gesellschaft „ausrotten“. Zugleich unterstützte die Regierungschefin die „Shoot to Kill“-Taktik der Polizei, also gezielte Schüsse mit Tötungsabsicht auf Angreifer. Am Montagabend identifizierte die Polizei in London zwei der mutmaßlichen Attentäter als Khuram Shazad Butt (27) und Rachid Redouane (30).

Butt war der Polizei bekannt

Der in Pakistan geborene Brite Butt sei Polizei und dem Geheimdienst MI5 bekannt gewesen, teilten die Behörden mit. Es habe jedoch kein Verdacht bestanden, dass der Mann einen Anschlag plant. Redouane, der sich als Marokkaner oder auch als Libyer ausgegeben habe, sei nicht auffällig geworden. Beide lebten im Ostlondoner Stadtteil Barking. Dort nahm die Polizei bei Durchsuchungen am Sonntag und Montag insgesamt zwölf Menschen fest, sieben Frauen und fünf Männer. Je ein Mann und eine Frau seien wieder freigelassen worden.

Drei Männer hatten am Sonnabend Abend im Zentrum Londons Menschen mit einem Lieferwagen und langen Messern attackiert und dabei sieben Passanten getötet und rund 50 weitere teils schwer verletzt. Die Angreifer wurden von Polizisten erschossen – vom Notruf bis zu ihrer Tötung vergingen acht Minuten. Unter den Verletzten waren laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auch zwei Deutsche. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

„Im Entsetzen und der Trauer vereint“

US-Präsident Donald Trump sagte Großbritannien „unerschütterliche Unterstützung“ zu. Zugleich betonte er seine Entschlossenheit, die USA mit allen nötigen Mitteln vor terroristischen Attacken zu schützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich kurz nach der Tat betroffen: „Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint.“

Wir werden diese Feiglinge nie gewinnen lassen, und wir werden uns nie vom Terrorismus einschüchtern lassen“, sagte Londons Bürgermeister Sadiq Khan mit Blick auf die Attentäter. Er lobte am Montagabend bei einer Mahnwache mit Tausenden Menschen unweit des Tatorts den Mut der Londoner: „Ihr seid die Besten von uns!“ An diesem Dienstag ist um 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) eine landesweite Schweigeminute geplant.

130 Imame verweigern Tätern das Totengebet

In einem beispiellosen Schritt wollen mehr als 130 Imame in Großbritannien den mutmaßlichen Attentätern das muslimische Totengebet verweigern. „Solche unvertretbaren Handlungen sind nicht mit den edlen Lehren des Islam zu vereinen“, hieß es in einer Stellungnahme am Montag.

May stellte wenige Tage vor der Parlamentswahl einen Vier-Punkte-Plan vor, der sich mit aller Härte nicht nur gegen Terroristen, sondern gegen den radikalen Islamismus richtet. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ Mit dem Begriff „öffentlicher Dienst“ spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe „viel zuviel Toleranz für Extremismus in unserem Land“, sagte sie. „Wir werden den Terroristen nicht erlauben, dass sie uns besiegen. Wir werden sie besiegen.“ May plant unter anderem eine schärfere Überwachung von Internet und Messengerdiensten. Auch längere Haftstrafen gehören zum Paket.

Oppositionsführer Corbyn fordert May zum Rücktritt auf

Ihr Herausforderer Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei forderte May zum Rücktritt auf. Er verwies darauf, dass May in ihrer Zeit als Innenministerin mitverantwortlich dafür gewesen sei, dass es heute 20.000 weniger Polizisten gebe als 2010. Später ruderte Corbyn aber zurück und betonte, die Wahl sei eine gute Gelegenheit, um May loszuwerden.

Der Anschlag vom Samstagabend war das dritte Attentat binnen drei Monaten in Großbritannien und das zweite in London – alle drei hat der IS für sich in Anspruch genommen: In Manchester hatte im Mai ein Selbstmordattentäter nach einem Auftritt der US-Sängerin Ariana Grande 22 Menschen getötet. Ende März war ein Mann auf der Westminster-Brücke in London mit hohem Tempo in Fußgänger gefahren. Anschließend tötete er mit einem Messer einen unbewaffneten Polizisten. Sechs Menschen starben.

Von RND/dpa