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Politik London-Terrorist posiert mit IS-Flagge vor Millionenpublikum
Nachrichten Politik London-Terrorist posiert mit IS-Flagge vor Millionenpublikum
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15:16 06.06.2017
Khuram Shazad Butt wurde von der Polizei als einer der drei Londoner Attentäter identifiziert. Der 27-Jährige hat eine Vorgeschichte – er posierte laut britischen Medien in einer TV-Dokumentation mit einer IS-Flagge. Quelle: Screenshot
London

Die britischen Sicherheitsbehörden stehen nach dem Anschlag von London in der Kritik: Einer der Attentäter war den Behörden nicht nur bekannt, er war sogar Teil einer Fernsehdokumentation, die im vergangenen Jahr auf Channel 4 ausgestrahlt wurde. In dem Film „The Jihadist Next Door“ (die Dschihadisten von nebenan) posiert der in Pakistan geborene Brite Khuram Shazad Butt mit einer IS-Flagge im Londoner Regent’s-Park. Der 27-Jährige bärtige Mann steht zusammen mit sieben anderen radikalisierten Islamisten in einer Reihe, die Männer verneigen sich vor der Flagge, bis ihr Kopf den Boden berührt. Der Interviewer fragt: „Ist das eine Art Dschihad für Sie?“ und Butt nickt. Anschließend fährt ein Polizeiauto vor und beendet das Treffen.

Keine Belege für Anschlag gefunden

Nach dem Bekanntwerden des Videos, stellen sich zahlreiche Medien nun die Frage: Wie konnte ein so bekannter Islamist einen Anschlag begehen, bei dem sieben Menschen starben? Auch die britische Regierungschefin Theresa May gerät zunehmend unter Druck. Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley teilte mit, der Mann sei damals überprüft worden. Aber die Behörden hätten keine Belege gefunden, dass er einen Anschlag plane. Daher sei der in Pakistan geborene Brite, der dem Inlandsgeheimdienst MI5 und der Polizei bekannt war, nachrangig eingestuft worden.

Sieben Menschen starben am Sonnabend bei einem Terroranschlag auf London. Drei Attentäter rasten erst mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge und griffen anschließend Restaurantbesucher mit Messern an. Einer der Männer war dem britischen Geheimdienst bereits bekannt.

Der britische Außenminister Boris Johnson zeigte in der BBC Verständnis für kritische Fragen, „wie diese Person durch unser Netz schlüpfen konnte“. Er betonte aber, die Verantwortung für den Anschlag liege bei den Terroristen. Ähnlich äußerte sich der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan. Er warnte aber auch vor neuen Kürzungen bei der Polizei, wenn Premierministerin Theresa May die Wahl an diesem Donnerstag gewinnt. Kritiker werfen der Regierungschefin vor, sie trage aus ihrer Zeit als Innenministerin eine Mitverantwortung dafür, dass es heute 20 000 Stellen weniger bei der Polizei gebe als 2010.

Auf dem US-Sender CNN sagt der frühere CIA-Officer Mike Baker: „Natürlich fragen sich die Menschen gerade, wie kann das sein, dass dieser Mann damals interviewt wurde. Und meine Antwort ist: Die Sicherheitsbehörden müssen sich an Regeln halten. Wenn sie nicht genügen Beweise haben, müssen sie die Ermittlungen einstellen.“

Trotz seiner Verbindungen zu radikalen Islamisten arbeitete Butt von Mai bis Oktober 2016 für die Londoner U-Bahn. Die Zeitung „The Times“ berichtete am Dienstag, Butt habe Verbindungen zu einem der Attentäter des Londoner Terroranschlags vom 7. Juli 2005, bei dem Dutzende Menschen getötet worden waren, sowie zu einem bekannten Hassprediger gehabt. Der 27-Jährige war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er lebte im Ostlondoner Stadtteil Barking, wie auch der zweite mutmaßliche Attentäter Rachid Redouane. Der 30-Jährige aus Marokko hatte eine kleine Tochter mit einer 38-jährigen Frau, die unterschiedlichen Berichten zufolge entweder aus Irland oder aus Schottland stammt. Er war der Polizei offenbar nicht bekannt.

Dritter Angreifer identifiziert

Der dritte getötete Angreifer wurde währenddessen identifiziert: Der 22-jährige Joussef Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft, habe zuletzt in Ost-London gelebt, teilte Scotland Yard am Dienstag mit. Zaghba soll den Behörden bisher nicht aufgefallen sein.

Der dritte Täter ist der 22-jährige Joussef Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft. Quelle: PA

In Pakistan nehmen Sicherheitskräfte derzeit die Verwandten des mutmaßlichen Attentäters Butt ins Visier. Geheimdienstmitarbeiter durchsuchten am Dienstag ein Restaurant, das einem Onkel Butts gehört, in der Stadt Jhelam, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad. Das bestätigten zwei örtliche Polizeibeamte der Deutschen Presse-Agentur. Ein Offizieller sagte der britischen Zeitung „The Telegraph“, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Zwölf Verdächtige, die nach dem Anschlag vom Samstagabend festgenommen worden waren, sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. In der Nacht zum Dienstag durchsuchten Beamte eine Wohnung im Ostlondoner Stadtteil Ilford. Dabei sei niemand festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

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Von dpa/RND/Anne Grüneberg