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Politik Ließ saudischer Prinz kritischen Journalisten töten?
Nachrichten Politik Ließ saudischer Prinz kritischen Journalisten töten?
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13:34 07.10.2018
Der saudische Kronzprinz Mohammed bin Salman al-Saud. Quelle: Rainer Jensen/dpa
Istanbul

Ein in der Türkei vermisster saudi-arabischer Journalist soll nach einem Bericht der „Washington Post“ in Istanbul getötet worden sein. Es habe anscheinend einen Mordkomplott im Konsulat des saudischen Königreichs gegeben, meldete die Zeitung am Samstagabend unter Berufung auf die Vermutungen türkischer Ermittler. Der Nachrichtenagentur AP sagte ein türkischer Beamter, laut erster Bewertung im Fall Jamal Khashoggi sei der Reporter in dem Konsulat vorsätzlich getötet und dessen Leiche anschließend aus dem Gebäude geschafft worden. Riad reagierte auf den Vorwurf.

Ein Vertreter des saudischen Konsulats sagte der staatlichen Nachrichtenagentur SPA am Sonntag, solche Vorwürfe seien „gegenstandslos“. Ein Team saudi-arabischer Ermittler sei seit Samstag in Istanbul und arbeite mit den türkischen Behörden zusammen, um das Verschwinden von Dschamal Chaschukdschi aufzuklären.

Der Journalist ist seit langem als Auslandskorrespondent und Kolumnist tätig. Er kritisierte in Meinungsbeiträgen das saudi-arabische Königshaus und seine Politik unter Kronprinz Mohammed bin Salman. Seine Kritik richtete sich unter anderem gegen die Verwicklung in den Krieg im Jemen, die diplomatischen Auseinandersetzungen mit Kanada und die Festnahme von Frauenrechtsaktivistinnen in Saudi-Arabien.

Ist der saudische Journalist Jamal Khashoggi tot? Quelle: AP Photo/Hasan Jamali

Khashoggi war am Dienstag verschwunden, als er im Konsulat seines Landes in Istanbul notwendige Unterlagen für seine Hochzeit besorgen wollte. Der 59-Jährige tauchte anschließend nicht wieder auf. Während die Türkei danach meldete, der Journalist sei vermutlich noch immer in dem Konsulat, widersprach dieses - Khashoggi habe das Gelände verlassen.

„Ich glaube nicht, dass er getötet wurde!“

„Wenn die Berichte über Jamals Tötung wahr sind, handelt es sich um eine monströse und unfassbare Tat“, schrieb Redaktionsleiter Fred Hiatt. „Jamal war - oder, wir hoffen, ist - ein engagierter, mutiger Journalist. Er schreibt aus Liebe zu seinem Land und aus einem tiefen Glauben an Menschenwürde und Freiheit.“

Die „Washington Post“ schrieb unter Berufung auf Ermittlerkreise, ein 15-köpfiges Team sei aus Saudi-Arabien gekommen. Der Mord sei geplant gewesen. Die amtliche Nachrichtenagentur in Riad zitierte indes einen nicht genannten Mitarbeiter im Istanbuler Konsulat, der demnach sagte, die Anschuldigungen seien unbegründet. Es sei anzuzweifeln, ob die türkischen Beamten überhaupt Informationen über die Ermittlung gehabt hätten. Saudi-Arabien habe Ermittler entsendet, um in dem Vermisstenfall zu helfen.

Indes meldete sich am späten Samstagabend auch Khashoggis Verlobte Hatice zu Wort. „Jamal ist nicht tot! Ich glaube nicht, dass er getötet wurde!“, schrieb sie auf Twitter.

Der Streit über Khashoggi könnte die Spannungen zwischen Ankara und Riad erneut vertiefen. Die Türkei hat den ein Jahr dauernden saudischen Boykott Katars, an dem sich auch Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligten, nicht unterstützt, sondern im Gegenteil Katar gefördert. Den Saudis stößt zudem sauer auf, dass Ankara an der Seite politischer Islamisten wie etwa der Muslimbruderschaft steht.

Von RND/tap/dpa