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Politik „Lebensarbeitszeit wird unweigerlich steigen müssen“
Nachrichten Politik „Lebensarbeitszeit wird unweigerlich steigen müssen“
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05:02 28.08.2018
DIW-Ökonom: „Die Politik sollte mehr Anreize für einen flexiblen Renteneintritt schaffen.“ Quelle: imago/IPON

Die SPD pocht darauf, dass gesetzliche Rentenniveau bis 2040 auf dem Niveau von heute zu stabilisieren. Ist das unbezahlbar, wie viele Experten meinen?

Eine Stabilisierung des Rentenniveaus halte ich für richtig, denn bereits jetzt müssen die Hälfte aller Rentnerinnen und Rentner ihren Lebensstandard im Alter zum Teil deutlich einschränken. Aber wir sollten sehr vorsichtig sein, so dass es nicht zu einer zu starken Umverteilung von jung zu alt kommt. Es gibt eine Grenze dessen, was wirtschaftlich leistbar ist.

Was ist denn leistbar?

Die Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland sind schon jetzt sehr hoch. Das ist gerade für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen eine große Belastung. Auch für die Unternehmen sind bezahlbare Sozialbeiträge ein Standortfaktor. Wir dürfen nicht mit dem Feuer spielen. Ein weiterer deutlicher Anstieg der Belastung wäre eine Beeinträchtigung unserer Wettbewerbsfähigkeit.

Gibt es keine Alternativen?

Doch, die gibt es - gute wie schlechte. Manche fordern, man solle die Mehrwertsteuer erhöhen. Dann würde man dem Rentner das Geld aber aus der linken Tasche nehmen und in die rechte Tasche zurückgeben. Ausschließlich über eine höhere Steuerfinanzierung und eine Anhebung der Beiträge lassen sich die Probleme nicht in den Griff bekommen. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine Stabilisierung des Rentenniveaus notwendig und möglich ist.

Leistung muss sich lohnen

Wie würden Sie die Milliarden-Beträge aufbringen, die dafür notwendig sind?

Es gibt vier Stellschrauben, an denen man vor allem drehen sollte. Erstens, das Äquivalenzprinzip sollte aufgehoben werden. Heute führt das Rentensystem tatsächlich zu einer Umverteilung von unten nach oben, da Menschen mit geringen Einkommen weniger Rentenleistungen in ihrem Leben bekommen.

Leistung muss sich lohnen – das ist ein grundlegendes Prinzip in der gesetzlichen Rente…

Menschen mit geringerem Einkommen haben im Durchschnitt sieben Jahre weniger Lebenserwartung. Sie bekommen daher deutlich weniger an Rentenleistungen in ihrem Leben relativ zu ihren Beiträgen als Menschen mit einer höheren Lebenserwartung und höherem Einkommen. Wenn wir das Äquivalenzprinzip aufweichen, dann wären gerade viele Geringverdiener besser abgesichert.

Das bringt aber kein zusätzliches Geld ins System…

Dafür brauchen wir andere Instrumente. Wir sollten zum Beispiel die Erwerbsquote von Frauen, Älteren und Migranten erhöhen und alles tun, damit mehr von ihnen, und auch mehr in Vollzeit arbeiten können. Hier besteht ein riesiges Potenzial. So arbeiten zwar inzwischen immerhin 70 Prozent der Frauen – aber mit einem hohen Teilzeit-Anteil. Ein erheblicher Teil arbeitet zudem unfreiwillig in Teilzeit und würde gerne länger arbeiten.

Über die Rente mit 70 haben Sie bislang noch nicht gesprochen…

Es stimmt, auch die Lebensarbeitszeit wird unweigerlich steigen müssen. Ein Anstieg der Lebenserwartung um ein Jahr erfordert eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit um acht Monate um das Rentenniveau zu stabilisieren ohne junge Menschen stärker zu belasten. Davor kann man nicht die Augen verschließen. Deshalb sollte die Politik mehr Anreize für einen flexiblen Renteneintritt schaffen. Das würde die gesetzliche Rentenversicherung entlasten. Darüber hinaus gilt es alles zu tun, was hilft, die private Vorsorge zu stärken.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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