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Politik Lasst uns über Heimat sprechen
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11:21 22.01.2018
Gartenzwerg in einem Schrebergarten in Berlin: Gehört auch er zur Heimat? Quelle: dpa
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Hamburg

Der Verlust von „Heimat“ war das heimliche politische Generalthema des vergangenen Jahres. Angst vor erzwungener Veränderung, geschwundene Zuversicht, fehlende Orientierung bei Grenzverlusten aller Art, die durch massenweise Kulturfremdheit als entfremdet empfundene Lebenswelt, die Einbuße des Urvertrauens in den guten Gang der Dinge.

Wie ratlos (oder verzweifelt) die etablierte Politik angesichts ihres intellektuellen Versagens mittlerweile ist, lässt sich an der Plötzlichkeit ablesen, mit der prominente Teile der politischen Linken das Thema Heimat auf einmal für sich entdeckten. Welch adrette Verlogenheit, nachdem ja gerade Grüne und Sozialdemokraten jahrzehntelang jeden Verdacht auf Heimatgefühl, Leitkultur und Patriotismus als schwiemeligen rechtsrandigen Revisionismus verunglimpft haben.

Dass es aber in der Bundesrepublik – wie in jedem anderen Land der Welt auch – nationalkonservative Sehnsüchte nach beglaubigten Werthaltungen und Zugehörigkeitsbindungen in höherer Schlagzahl als vermutet gibt, wurde ignoriert; es durfte nicht sein, was nicht sein sollte. Dabei geht es weder um Pickelhaubenattitüden noch Nationalchauvinismus. Die Rede von der Heimat ist ein Sprechen über Geborgenheit mental zunehmend unbehauster Individualisten.

Heimat heute ist etwas anderes als reaktionäre Herkunftsverteidigung oder Heimatbodenschutz mittels Maschinengewehr. Es ist ein dynamischer Prozess der kulturellen Selbstverständigung auf dem Boden des Grundgesetzes. Debattieren wir also ruhig weiter. Einen Wahlkampf braucht’s dafür nicht. Man muss gedanklich einfach mal zu Hause bleiben.

Christian Schüle ist Schriftsteller in Hamburg.

Von Christian Schüle

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