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Politik Katar soll kapitulieren
Nachrichten Politik Katar soll kapitulieren
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16:30 23.06.2017
Ein reicher Zwergenstaat unter Druck. Katars Hauptstadt Doha aus der Luft.
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Kairo

Zwei Tage lang telefonierte US-Außenminister Rex Tillerson mit den Kontrahenten am Golf. Am Ende haute er frustriert auf den Tisch, zweifelte öffentlich an den Motiven der Blockadestaaten Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate und warf ihnen vor, bislang weder handfeste Beweise für ihre Vorwürfe gegen Katar vorgelegt zu haben noch irgendwelche konkreten Forderungen, um den Konflikt beizulegen. Er hoffe, fügte der amerikanische Chefdiplomat und frühere Ölmanager nach seinem Telefon-Marathon mit den verfeindeten Golfpotentaten hinzu, diese Liste der Bedingungen werde „vernünftig und praktikabel“ sein.

Doch auch diese Mahnung blieb vergeblich. Inzwischen verbreitet sich der 13-Punkte-Katalog von Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Emiraten über die sozialen Medien, der von Katar de facto die Kapitulation verlangt.

Knallharte Bedingungen

Innerhalb von zehn Tagen soll Doha die türkische Militärbasis schließen, seine diplomatischen Beziehungen zum Iran einfrieren, den Sender Al-Dschasira abschalten, Exilanten von Muslimbruderschaft und Hamas ausweisen, seine Verbindungen zu Al Kaida, Al Nusra und Hisbollah kappen, sämtliche Zahlungen an Dissidenten in den Golfstaaten und Ägypten offenlegen sowie eine ungenannte Summe an Reparationen zahlen für Schäden, die es angeblich mit seiner Politik in der Region anrichtete.

Obendrein fordern die Blockadestaaten, das künftige Verhalten Katars müsse im ersten Jahr monatlich überwacht werden, im zweiten Jahr vierteljährlich und in den folgenden zehn Jahren jährlich. „Wir empfehlen Katar, diese Forderungen und Bedenken seiner Nachbarn Ernst zu nehmen oder das Ganze wird in einer Scheidung enden“, twitterte Abu Dhabis Außenminister Anwar Gargash und warf Doha vor, das brisante Dokument an die Medien gegeben zu haben, um die Verhandlungen zu torpedieren.

Türkei kündigt Manöver an

Westliche Diplomaten in Doha gehen davon aus, dass Katar auf dieser Basis nicht verhandeln wird. Auch die Türkei winkte Freitag ab und kündigte für nächste Woche gemeinsame Manöver an, zu denen Ankara tausend Soldaten an den Golf schicken will. Washington unterhält in Katar ebenfalls eine Militärbasis, seine größte im Nahen und Mittleren Osten, von der aus der gesamte Krieg gegen den „Islamischen Staat“ koordiniert wird. Daher ist fraglich, wie die Golfstaaten und Ägypten nach Publikation einer solchen Maximalliste den Konflikt beilegen wollen, ohne ihr Gesicht zu verlieren und ohne am Ende doch noch einen Krieg vom Zaun zu brechen.

Glaubt man dem gewöhnlich gut informierten Twitterer aus dem Umfeld des saudischen Königshauses mit dem Decknamen Mujtahidd, stand eine Invasion Katars und der gewaltsame Sturz des Emirs Tamim bin Hamad bin Khalifa bereits kurz bevor. Dieser Putsch von außen sei in letzter Minute auf massiven Druck Washingtons abgeblasen worden. Die beiden forschen Kronprinzen Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien und Mohammed bin Zayed aus Abu Dhabi hätten wegen der Anti-Katar-Tweets von Präsident Donald Trump geglaubt, das Weiße Haus stehe einem militärischen Vorgehen gegen Doha nicht im Wege, schrieb Mujtahidd.

Saudis planten angeblich Invasion

Als die CIA von den Plänen Wind bekam, habe das Pentagon sofort gemeinsame Seemanöver mit der katarischen Marine ausgerufen und zwei Kriegsschiffe nach Doha geschickt. Nach Informationen von Mujtahidd wollten die beiden Golfalliierten das katarische Kontingent von 1500 Elitesoldaten, das bislang Seite an Seite mit ihnen im Jemen kämpfte, in der saudischen Grenzprovinz Najran festsetzen. Dann sollten – verkleidet in katarischen Uniformen – eigene Spezialkommandos den superreichen Zwergstaat von Land her und Söldner der US-Sicherheitsfirma Blackwater von See her besetzen.

Von Martin Gehlen

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