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Politik Jesidinnen erhalten Sacharow-Preis
Nachrichten Politik Jesidinnen erhalten Sacharow-Preis
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16:28 27.10.2016
Die Menschenrechtsaktivistin und einstige IS-Sklavin Nadia Murad wurden auch wegen ihres unbeschreiblichen „Muts“ und ihrer „Würde“ von Euoparlaments-Präsident Martin Schulz ausgezeichnet. Quelle: dpa
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Straßburg

Nadia Murad und Lamia Hadschi Baschar, die von der IS-Miliz monatelang als Sexsklavinnen missbraucht wurden, hätten unbeschreiblichen „Mut und Würde“ bewiesen, begründete der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), die Entscheidung. Die Preisträgerinnen leben heute teils in Deutschland. Die 23 und 18 Jahre alten Frauen waren im August 2014 von IS-Kämpfern verschleppt und monatelang misshandelt worden, bis ihnen die Flucht gelang.

Beide hätten eine „schmerzliche und tragische Geschichte“ hinter sich, sagte Schulz im Europaparlament. Sie hätten die Grausamkeiten der IS-Miliz erlebt, enge Angehörige seien vor ihren Augen ermordet worden. Heute seien die jungen Frauen zu Repräsentantinnen der Jesiden-Gemeinschaft im Irak geworden. Mit dem Preis zeige das Europaparlament, dass „ihr Kampf nicht vergeblich war“, sagte Schulz unter langem Applaus der Abgeordneten. Zugleich rief er zum Kampf gegen die „Völkermordstrategie“ der Dschihadisten auf.

Die feierliche Preisvergabe ist am 14. Dezember in Straßburg geplant. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) begrüßte die Entscheidung. Die beiden Frauen zeigten „unglaublichen Mut“, um mit starker Stimme die Gräueltaten der IS-Milizionäre anzuprangern. Baden-Württemberg hat die Jesidinnen im Rahmen eines Sonderkontingents für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aufgenommen.

Murad, die als UN-Sonderbotschafterin auf das Schicksal der religiösen Minderheit der Jesiden aufmerksam macht, war drei Monate in der Gewalt von IS-Kämpfern, bis ihr die Flucht nach Deutschland gelang. Sie hatte erst kürzlich auch den Vaclav-Havel-Preis für Menschenrechte des Europarates erhalten. Bei der Preisverleihung im Oktober hatte sie in Straßburg ein internationales Tribunal zu den IS-Verbrechen gefordert. Die Jesiden seien Opfer eines Völkermordes. „Doch die freie Welt reagiert nicht“, kritisierte Murad.

UNO spricht von versuchtem „Genozid“

Von der UNO wurden die Entführungen, Versklavungen und Vergewaltigungen von Jesiden durch die IS-Miliz als „versuchter Genozid“ verurteilt. Baschar wurde 20 Monate festgehalten und mehrfach an Männer verkauft, bis sie schließlich ihren Peinigern entkommen konnte. Auf der Flucht wurde sie schwer verletzt, als eine Landmine explodierte. Sie erlitt Verbrennungen im Gesicht und verlor ein Auge. Heute lebt sie bei einer Schwester im Süden Deutschlands, wo sie medizinisch betreut wird.

Beide Frauen gehören der mehrere hunderttausend Mitglieder zählenden kurdischsprachigen Minderheit der Jesiden im Irak an, deren monotheistische Religion teilweise auf dem altpersischen Kult beruht.

In der Endrunde für den Sacharow-Preis waren auch der aus seiner Heimat vertriebene Vertreter der Krimtataren, Mustafa Dschemilew, und der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar, der in Deutschland im Exil lebt. Die Preisträger werden alljährlich von den Chefs der Fraktionen und dem Präsidenten des Europaparlaments ausgewählt. 

Auch Mandela war einst Preisträger

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50.000 Euro dotierte Preis wird vom Europaparlament seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Im vergangenen Jahr hatte der zu Haft und Peitschenhieben verurteilte saudiarabische Blogger Raif Badawi die Auszeichnung erhalten. 

Unter den früheren Preisträgern waren der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela, der Vater des Prager Frühlings, Alexander Dubcek, der chinesische Dissident Wei Jingsheng und die bei einem Taliban-Anschlag lebensgefährlich verletzte pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai. 

Von RND/afp

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