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Nachrichten Politik Jeder Deutsche leistet vier Überstunden – wöchentlich
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17:20 26.10.2018
Spätabends im Büro – ein ähnliches Schicksal teilen fast alle deutschen Arbeitnehmer. Quelle: dpa
Berlin/Dortmund

Durchschnittlich vier Überstunden leistet ein Arbeitnehmer wöchentlich - der jüngsten Arbeitszeiterhebung der Bundesagentur für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge ist das ein konstanter Wert. Gewerkschaften und Opposition fordern politische Konsequenzen.

„Zufrieden ist damit keiner“, sagt Arno Peukes über die Überstunden im Sicherheitsgewerbe. Als Fachbereichssekretär ist er bei der Gewerkschaft Verdi für diese Branche zuständig. Durchschnittlich sechs Überstunden leisten Mitarbeiter dort wöchentlich. Länger arbeiten laut der BAuA-Statistik nur Transportfahrer mit im Schnitt 7,2 Überstunden.

Doch auch in anderen Branchen wird in Deutschland mehr gearbeitet als Arbeits- und Tarifverträge veranschlagen: Knapp vier Überstunden fallen pro Woche pro Arbeitnehmer an, stellte die BAuA in ihrer Studie fest – ein nahezu unveränderter Wert im Vergleich zur vorigen Erhebung. Befragt wurden dafür 10.000 Arbeitnehmer, die mindestens zehn Stunden wöchentlich arbeiten.

Häufig Überstunden aus betrieblichen Gründen

Die wenigsten davon teilen allerdings Peukes’ Erfahrungen aus dem Sicherheitsgewerbe. Ihm zufolge werden viele Überstunden freiwillig geleistet, um die in der Branche niedrigen Löhne aufzubessern. Stattdessen gab knapp die Hälfte der Befragten an, aus betrieblichen Gründen oder wegen expliziter Vorgaben länger zu arbeiten. Ein weiteres Drittel meint, sein Arbeitspensum ohne Überstunden nicht schaffen zu können.

Dass die eigentlich veranschlagte Arbeitszeit so oft überschritten wird, ist aus Sicht von CDU/CSU eine Folge der guten Konjunktur und des gegenwärtigen Arbeitskräftemangels. „Schöner wäre es natürlich, wenn die Betriebe neue Leute einstellen würden, anstatt auf Überstunden zu setzen“, sagte Peter Weiß, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Derzeit gelte es aber vor allem, auf die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes sowie die Gewährung von Ausgleichleistungen zu achten.

DGB fordert bessere Arbeitszeiterfassung

Für den deutschen Gewerkschaftsbund hat die Reduzierung von Überstunden nach Angaben von Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach hohe Priorität. Vor allem die laut DGB knappe Milliarde unbezahlter Überstunden zeige, wie sehr Beschäftigte in Deutschland unter Druck stünden. „Wir wollen, dass die gesamte Arbeitszeit besser erfasst wird und damit auch Überstunden bezahlt werden“, sagte Buntenbach dem RND.

Handlungsbedarf sehen auch die Grünen: Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Beate Müller-Gemmeke fordert, das Arbeitszeitgesetz dahingehend zu ergänzen, dass die Unternehmen verpflichtend genügend Personal bereithalten müssen. Auch brauche es mehr Kontrollen. „Das Gesetz und Gerichtsurteile sagen klar, es gibt keine unbezahlte Arbeit. Deshalb muss man dafür sorgen, dass jede Arbeitsstunde bezahlt wird.“

Linke fordert geringere Höchstarbeitszeit

Mehr Kontrollen zur Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes fordert auch die Sabine Zimmermann, Arbeitsmarktexpertin der Linksfraktion. Zugleich solle aber auch die gesetzliche wöchentliche Höchstarbeitszeit reduziert werden: 40 statt bisher 48 Stunden will die Linke gesetzlich festschreiben. Außerdem sei bezeichnend, dass mit Lkw-Fahrern und Paketboten Berufe besonders betroffen seien, in denen Leiharbeit besonders weit verbreitet sei. Sie betonte deshalb die Forderung der Linken, solche „prekären Beschäftigungsformen“ abzuschaffen.

Eine ganz andere Sicht vertritt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Mit Verweis auf andere Überstunden-Erhebungen hieß es auf RND-Anfrage: „Allen Studien zufolge ist die überwältigende Mehrheit der Erwerbstätigen mit ihrer Arbeitszeit zufrieden. Insofern sollten wir keine Problem herbeireden, wo keine sind.“

Die Grünen greifen einen weiteren Aspekt aus der Studie auf: Etwa ein Viertel aller Arbeitnehmer berichtet, für die Arbeit ständig erreichbar sein zu müssen. Eine Anforderung, die aus Sicht der BAuA-Forscher mit gesundheitlichen Problemen und einer Verschlechterung der sogenannten Work-Life-Balance, also der Ausgewogenheit zwischen Arbeit und Privatleben, einhergeht. „Wir müssen Nicht-Erreichbarkeit garantieren“, fordert Müller-Gemmeke deshalb.

Von Christoph Höland

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