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Politik Jean-Luc Mélenchon – das Geheimnis seines Erfolgs
Nachrichten Politik Jean-Luc Mélenchon – das Geheimnis seines Erfolgs
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14:57 12.04.2017
Guter Redner: Jean-Luc Mélenchon überzeugt auf der Bühne und in TV-Duellen. Quelle: imago/PanoramiC
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Paris.

Jean-Luc Mélenchon ist mit seiner Bewegung „Das aufständische Frankreich“ („La France Insoumise“) der Überraschungskandidat im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Innerhalb von drei Wochen stiegen seine Umfragewerte auf 19 Prozent – damit liegt der Linke gleichauf mit dem Republikaner François Fillon auf Platz drei. Seine Partei, die er nach dem Vorbild der deutschen Partei „Die Linke“ gegründet hat, wird immer populärer. Das ist Mélenchons Erfolgsrezept:

  • Moderne Technik: Mélenchon fasziniert viele Zuschauer mit High Tech. Bei Kundgebungen zeigt er sich mit Hilfe eines Hologramms, einer 3D-Projektion, an mehreren Orten gleichzeitig. Ausgerechnet das 65-jährige Urgestein unter den Kandidaten nutzt besonders innovative Wahlkampfmethoden.
  • Moderner Stil: Mélenchon hält seine Reden ohne Manuskript, locker läuft er über die Bühne und spricht seine Zuhörer direkt an. Auch das kommt vor allem bei jüngeren Wählern gut an. Bei Auftritten versammelt er Hunderttausende enthusiastische Anhänger, nach TV-Debatten überzeugt der charismatische und humorvolle Redner die Zuschauer mehr als seine Rivalen.
  • Moderne Medien: Mélenchon füttert ausgiebig die sozialen Netzwerke, seinen Blog und einen eigenen YouTube-Kanal, der 270 000 Abonnenten zählt. Für seinen rabiaten Umgang ist er bei Journalisten berühmt-berüchtigt, die er bisweilen als „faschistische Spione“ bezeichnet. Wenn möglich, umgeht er die klassischen Medien.
  • Radikale Positionen: Mélenchon fordert eine radikale Umverteilung von Wohlstand, eine Besteuerung bis zu 100 Prozent und eine Rückkehr zur Rente mit 60 auf Pump. Außerdem will er einen Total-Umbau der Institutionen. Mit einer vom Volk abgesegneten neuen Verfassung verspricht Mélenchon, die „Präsidenten-Monarchie“ abzuschaffen und das Parlament zu stärken. Dank einer „grünen Regel“ soll der Umweltschutz Vorrang bekommen. Außerdem will Mélenchon die „Rolle Frankreichs für den Frieden“ in der Verfassung festschreiben.
  • Kritik an der EU und an Deutschland: Mélenchon, der für seine Partei im EU-Parlament sitzt, steht der Europäischen Union skeptisch gegenüber, er will aus den europäischen Verträgen ebenso aussteigen wie aus der Nato. Sein Hauptgegner ist aber das konservative Deutschland. In seinem Buch „Bismarcks Hering – Deutsches Gift“ kritisierte er 2015 scharf das in seinen Augen übermächtige, unsoziale Nachbarland. „Maul halten, Frau Merkel!“, twitterte er nach einer Ermahnung aus Berlin um mehr Reformbemühungen.
  • Kritik am „System“: Mélenchon sagt, er habe „das französische Volk selten dermaßen orientierungslos gesehen“ – und meint den Wahlkampf, bei dem die traditionellen Volksparteien nur mit Mühe mobilisieren. Es sieht darin eine Chance, mit Kritik am „System“ und an den „Eliten-Kaste“ zu punkten. Er verspricht einen echten Wandel, ja eine Revolution.

Mélenchon überrascht – aber seine Chancen auf die Präsidentschaft sind nicht gut. Weit vorn in den Umfragen liegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der unabhängige Polit-Jungstar Emmanuel Macron, die jeweils auf 25 Prozent der Stimmen hoffen können. In der Stichwahl dürften die beiden die Präsidentschaft untereinander ausfechten.

Von Birgit Holzer

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