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Politik IS bekennt sich zu Selbstmordanschlägen in Teheran
Nachrichten Politik IS bekennt sich zu Selbstmordanschlägen in Teheran
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15:28 07.06.2017
Menschen retten ein Kind aus dem Teheraner Parlamentsgebäude. Quelle: dpa
Teheran

Im iranischen Parlament sowie im Mausoleum des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini ist es zu Selbstmordanschlägen und bewaffneten Angriffen gekommen. Dabei wurden insgesamt zwölf Menschen getötet, wie staatliche iranische Medien am Mittwoch berichteten. 42 weitere Menschen wurden demnach verletzt. Die Nachrichtenlage ist insgesamt eher unübersichtlich, da der Iran und insbesondere die Hauptstadt Teheran sehr abgeschottet sind.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Angriffe am Vormittag für sich reklamiert. Das meldete die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site „Intelligence Group“ unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amak. Es ist der erste Anschlag des IS im Iran.

Menschen retten sich aus den Fenstern des Parlaments

Jeweils vier bewaffnete Personen sind am Mittwoch ins Parlament und das Gelände des Chomeini-Schreins eingedrungen. Ins Parlament hatten sich laut der Nachrichtenagentur AP vier als Frauen verkleidete Männer eingeschlichen. Im Parlament tagten zu dieser Zeit gerade die Abgeordneten. Von außen waren zahlreiche Schüsse zu hören. Reporter der Nachrichtenagentur AP sahen, wie sich mehrere Scharfschützen der Polizei auf Dächern rund ums Parlament in Position brachten.

Die Angreifer sollen einen Wachmann getötet und mindestens acht weitere Menschen verletzt haben. Das iranische Fernsehen berichtete auch von einem Selbstmordanschlag, die Nachrichtenagentur Tasmin von einer Geiselnahme.

Es ist unklar, ob der Angriff schon beendet werden konnte oder weiterhin Gefahr besteht. Laut der Nachrichtenagentur ISNA ist das Gebäude im Zentrum von Teheran noch abgeriegelt. Nachrichtenagenturen veröffentlichten Bilder, die zeigen, wie sich Menschen aus Fenstern des Gebäudes retten.

Wie die Nachrichtenagentur AP am Mittwochnachmittag meldete, sei der Angriff auf das iranische Parlament iranischen Medienberichten zufolge vorbei. Drei Angreifer seien getötet worden, einer habe sich in die Luft gesprengt.

Die Anschläge ereigneten sich im iranischen Parlament und im Chomeini-Mausoleum südlich der Hauptstadt. Quelle: Google Maps

Im Chomeini-Mausoleum im Süden der Hauptstadt sollen ebenfalls vier Bewaffnete um sich geschossen haben. Ein weiterer Angreifer sprengte sich in die Luft. Dabei soll es sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur Fars um eine Frau gehandelt haben. Zwei weitere Angreifer wurden getötet, eine weitere Frau sei verhaftet worden, so Fars. Die Angaben konnten bisher nicht durch unabhängige Quellen bestätigt werden.

Attacke auf Mausoleum ist symbolisch

Ein weiterer Mensch soll bei dem Angriff dabei getötet, fünf verletzt worden sein. Dabei könnte es sich um Besucher und Angestellte des Schreins handeln. Das Mausoleum beherbergt das Grab des Ajatollahs Ruhollah Chomeini und liegt etwa zehn Kilometer südlich von Teheran.

Dass die Angreifer das Chomeini-Mausoleum als Ort des Anschlags wählten, ist höchst symbolisch. Ajatollah Ruhollah Chomeini ist der Gründer der Islamischen Republik und ihre erster Herrscher. Das gesamte Gelände umfasst mehr als 20 Quadratkilometer. Dort befinden sich neben dem mächtigen Schrein mit seinen 91 Meter hohen Minaretten auch eine Universität und ein Einkaufszentrum.

Iran – das neue Ziel des IS

Der Iran ist in den letzten Jahren recht selten Ziel von Terroranschlägen geworden. Zuletzt tötete ein sunnitischer Selbstmordanschlag im Jahr 2010 39 Menschen in einer Moschee in der abgelegenen Region Sistan-Baluchistan. Auch der iranische Ableger der Kurdenorganisation PKK verübt im Iran Angriffe. Allerdings sind die Waffengesetze im Iran sehr streng, was die Vermutung nahe legt, dass die Maschinenpistolen ins Land geschmuggelt wurden.

Dass der IS nun im Iran aktiv ist, hat ein gewisses Vorspiel. Die Terrororganisation hat erst kürzlich ihre Propaganda auf das Persische erweitert. Im März veröffentlichte sie ein Video, in dem sie sich an die sunnitische Minderheit des Landes wendet und diese auffordert, gegen die schiitische Mehrheit aufzubegehren. Seitdem sind vier Ausgaben des Propagandamagazins Rumiyah auf Persisch erschienen.

Der Iran ist einer der größte Unterstützer des syrischen Machthabers Bashar al-Assad. Er unterstützt die libanesische Hisbollah und hat eigene Soldaten der Revolutionsgarden in das Bürgerkriegsland entsandt.

Von RND/aks/dpa/AP