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Politik IS-Attentäter von Teheran waren Iraner
Nachrichten Politik IS-Attentäter von Teheran waren Iraner
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13:54 08.06.2017
Iranische Zivilpolizisten vor dem iranischen Parlament. Quelle: imago
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Teheran

Den sichersten Ort im Nahen Osten, hatte Präsident Hassan Ruhani in den letzten Monaten den Iran immer wieder genannt. Damit ist es nun vorbei, nachdem sechs Attentäter einen Doppelanschlag an zwei der symbolischsten Stätten der Islamischen Republik verübt haben: dem iranischen Parlament und dem Chomeini-Mausoleum.

Außerdem ist klar: Alle sechs Attentäter des Doppelanschlags in Irans Hauptstadt Teheran waren iranische Staatsbürger. Das hatte der stellvertretende Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats, Reza Seifollhai, im staatlichen Fernsehen bestätigt. Für die iranische Führung ist das besonders prekär, denn somit ist klar, dass die Terrormiliz Islamischer Staat und ihre Verbündeten im Iran tätig sind. Bereits wenige Stunden nach der Tat hatte sich der IS zu den Selbstmordanschlägen mit 18 Toten bekannt.

Die Spur der Attentäter führt in eine entlegene Region

Augenzeugen berichteten, zwei der Attentäter im Chomeini-Mausoleum seien wie Belutschen verkleidet gewesen. Das spräche dafür, dass die Attentäter aus der abgelegenen Region Sistan-Belutschistan im Südostiran stammen könnten. Dort kämpfen sunnitische Milizen der Dschundullah gegen die iranischen Revolutionsgarden an der Grenze zu Pakistan und Afghanistan. Die Dschundullah gilt im Iran als „Staatsfeind Nummer eins“.

Seit Beginn des Fastenmonats Ramadans hat die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ Hunderte Menschen getötet. Die Tatorte liegen in Europa, dem Nahen Osten, aber auch auf Philippinen und in Australien.

Teheran führt mit der Miliz seit Jahren einen Anti-Terror-Krieg, von dem die Welt wenig Notiz nimmt. Die Dschundullah, die „Brigade Gottes“, kämpft dort um die Unabhängigkeit der Provinz Belutschistan. Sie hat in den vergangenen Jahren immer wieder Selbstmordanschläge verübt, vorrangig gegen die iranischen Revolutionsgarden. Zuletzt überfiel die Dschundullah im Mai 2015 einen Bus in Pakistan und erschoss dabei 40 Menschen, alles pakistanische Schiiten. Über die Stärke der Dschundullah ist wenig bekannt. Die Angaben variieren zwischen 200 und 1000 Kämpfern. Anscheinend hat sich die Ausrichtung der Dschundullah in den letzten Jahren verändert: von al-Qaida zum Islamischen Staat.

Iran beschuldigt Saudi-Arabien und die USA, ohne Beweise zu liefern

Nach dem Doppelanschlag hatte der Iran Saudi-Arabien und die USA verantwortlich gemacht. Es sei „vielsagend“, dass die Anschläge verübt worden seien, kurz nachdem Trump Saudi-Arabien die Unterstützung der USA zugesichert habe, erklärten die Revolutionsgarden am Mittwoch. Saudi-Arabien unterstütze ständig Terroristen, einschließlich der Miliz Islamischer Staat. Dass der IS sich zu dem Attentat bekannt habe, „verrät ihre (Saudi-Arabiens) Hand in dieser barbarischen Aktion“.

Beweise für die Verbindungen gibt es bisher nicht. Allerdings hat der IS in den letzten Monaten seine Strategie auf den Iran ausgerichtet. Die Terrororganisation hat erst kürzlich ihre Propaganda auf das Persische erweitert. Im März veröffentlichte sie ein Video, in dem sie sich an die sunnitische Minderheit des Landes wendet und diese auffordert, gegen die schiitische Mehrheit aufzubegehren. Seitdem sind vier Ausgaben des Propagandamagazins Rumiyah auf Persisch erschienen.

Von RND/aks/dpa

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